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Wie die Luftqualität im Elbtal ist

Corona hat manches verbessert, aber nicht alles. In der Messzentrale Radebeul-Wahnsdorf wird jetzt auch Ruß festgestellt.

Kontrolle am Vorscheider für Feinstaub - Holm Kühne, Bereichsleiter des Fachbereiches Immissionsmessung beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Radebeul-Wahnsdorf.
Kontrolle am Vorscheider für Feinstaub - Holm Kühne, Bereichsleiter des Fachbereiches Immissionsmessung beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Radebeul-Wahnsdorf. © Norbert Millauer

Radebeul/Meißen/Riesa/Dresden. Die neuesten Daten über die Luftqualität in Sachsen liegen vor. In der Radebeuler Messstation in Wahnsdorf werden die Ergebnisse zusammengetragen. Susanne Bastian, Referentin für Luftqualität im Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, weiß, wie die Luftqualität im Elbtal ist - sie kennt die Entwicklung im Jahr 2020 und davor.

Nicht nur der Verkehr hat die Luft2020 weniger belastet

In den Jahren 2020 und teils auch 2019 gab es günstigere meteorologische Bedingungen als in den Vorjahren, sagt die Fachfrau. „Wir hatten einen warmen Winter und kaum Hochdruckwetterlagen in den Wintermonaten. Es wurde weniger geheizt. Bei nicht so niedrigen Temperaturen stoßen Autos auch weniger Abgase aus. Sogenannte Inversionswetterlagen, wobei eine Schicht die Durchmischung verhindert, gab es ebenfalls weniger als in Jahren zuvor. Reichlich Wind im Winter 2019/2020 kam dazu, womit Belastungen in der Luft im Elbtal schneller weggeweht wurden.

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In den letzten Jahren war bei Ostwind die Belastung mit Feinstaub aus den Nachbarländern Polen und Tschechien immer wieder deutlich zu spüren. Susanne Bastian: „Bei den Nachbarn wird inzwischen auch daran gearbeitet, die Luftqualität zu verbessern - und das ist schon nachweisbar. Wobei es immer noch höhere Werte als hier sind.“

Der aktuelle Winter 2020/2021 ist zwar kälter, es wird mehr geheizt, aber der Winter ist auch nasser mit Regen und Schneefall. Diese Niederschläge binden ebenfalls Staub. Einfach formuliert, heißt das: Der Schmutz wird aus der Luft ausgewaschen.

Was die Corona-Situation an der Luftqualität verändert hat

Auf diesem Papierstreifen lässt sich ablesen, wie viel Ruß aus der Luft über Wahnsdorf zu bestimmten Zeiten unterwegs ist.
Auf diesem Papierstreifen lässt sich ablesen, wie viel Ruß aus der Luft über Wahnsdorf zu bestimmten Zeiten unterwegs ist. © Norbert Millauer

Das Jahr 2020 und auch der Start ins Jahr 2021 sind kaum mit den Vorjahren zu vergleichen. Weil es viel weniger Verkehr gibt. Die Tagesmittelwerte beim Feinstaub, zum Beispiel vom Sonntag, dem 31. Januar, sagen: Leipzig 29 Mikrogramm je Kubikmeter, Zittau-Ost 31. Das waren an dem Sonntag die höchsten in Sachsen. In Wahnsdorf wurden nur 13 Mikrogramm gemessen. In den Vorjahren war das teils doppelt so hoch.

Die aktuellsten Werte vom Mittwoch, dem 17. Februar, sagen für Feinstaub, dass in Wahnsdorf 15 Mikrogramm je Kubikmeter gemessen worden sind. Den höchsten Wert in Sachsen hatte die Bergstraße in Dresden - wo die Lkws Gas geben müssen - mit 17 Mikrogramm. Den niedrigsten Wert hatte Carlsfeld bei Eibenstock im Erzgebirge mit vier Mikrogramm.

Seit Oktober 2020 wird in Radebeul-Wahnsdorf auch die Ruß-Belastung nachgewiesen. Das Rußmessgerät und das Partikel-Messgerät dafür ist von Annaberg-Buchholz nach Radebeul umgesetzt worden. „Wir haben jetzt eine Station für Verkehrsmessungen in Dresden am Bahnhof Neustadt, eine weitere für Hintergrundmessungen in der Stadt in Dresden hinter dem Hauptbahnhof und jetzt noch die vorstädtische Station in Wahnsdorf. Dort wird vor allem der Ruß, vermutlich aus privaten Heizungen, insbesondere mit Holz, festgestellt“, sagt Susanne Bastian.

Die ersten Auswertungen für die Rußbelastungen aus Wahnsdorf liegen vor: Die Wochentagswerte zeigen, immer in den Abendstunden gehen die Zahlen für schwarzen Kohlenstoff deutlich nach oben. Die höchsten Rußbelastungen zeigen sich an Donnerstag- und Samstagabenden. Wenn die Leute mit Kamin im Haus es sich gemütlich machen. Dennoch zeige der Vergleich zu Vorjahren an anderen Orten, dass es da noch ganz andere Spitzen gab - etwa zu Silvester und bei Hexenfeuern in der Walpurgisnacht. Was in den letzten Monaten ja eher ausgefallen ist.

Die Ozonbelastung von 2020 zu den vorherigen Jahren

Die endgültigen Auswertungsergebnisse zum Vorjahr liegen erst im Sommer vor. Was sich aber schon deutlich zeigt, sind etwa Ergebnisse zu den Ozondaten. Daran ist abzulesen, dass seit 2016 die Werte etwa gleich geblieben sind, eher noch leicht steigend.

Allerdings, 2020 war die Ozonbelastung wieder etwas geringer als die beiden Jahre zuvor. Ozonwerte sind vorwiegend abhängig von der Sonneneinstrahlung. Durch die Höhenlage ist das auf dem Kamm im Erzgebirge am stärksten.

Das Besondere an der Messstation über dem Elbtal

In Wahnsdorf, auf der Höhe über Radebeul, läuft alles an Messergebnissen zusammen. Hier ist die Messnetzzentrale von 26 Stationen, sagt die Fachfrau vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Das Spektrum der Messmöglichkeiten ist in Wahnsdorf besonders groß - Feinstaub in Masse und Partikelzahl, Ozon, Stickoxide und neuerdings auch Ruß können hier festgestellt werden.

Am Standort Wahnsdorf arbeiten mehr als ein Dutzend Fachleute zu Emissionen und Immissionen. Immission bedeutet die Einwirkung von Störfaktoren auf den Menschen und die natürliche Umwelt. Der Ausstoß aus der Quelle wird Emission genannt, die Freisetzung von festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen in die Atmosphäre.

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