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Winnetou kommt nach Hause

Die Landesbühnen Sachsen spielen Winnetou I im Lößnitzgrund. Mit mehr Reitszenen. Der Oberbürgermeister von Radebeul hat hier noch viel mehr vor.

Wer hätte das gedacht? Die beiden Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou reiten durch den Sand des Lößnitzgrundes. Karl May hätte wohl seine helle Freude daran, dass seine Fantasiegestalten einmal so zum Leben erweckt werden.
Wer hätte das gedacht? Die beiden Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou reiten durch den Sand des Lößnitzgrundes. Karl May hätte wohl seine helle Freude daran, dass seine Fantasiegestalten einmal so zum Leben erweckt werden. © Arvid Müller

Von Maria Knorr

Radebeul. Sattes Grün rahmt das kleine Wildwestdorf ein im Tal des Lößnitzbaches, wo die Straße am Felsen entlang der Berge hoch mäandert. Little Tombstone liegt noch im Regendunst – im sandigen Halbkreis stehen sie da: Die Westernhäuser auf dem Terrain der Karl-May-Festtage, als Dampf hinter den Bäumen aufsteigt. Die Lößnitzbahn zieht vorbei und verschwindet nur kurz hinter einer Felsen-Attrappe. „Mist, jetzt kommt wieder ein Schauer. Gerade jetzt, wo wir eigentlich proben müssten.“ Grian Duesberg, alias Sam Hawkins, hat im Salon Unterschlupf gesucht und zieht an seiner Zigarette. Schon die vorherige Probe musste wegen schlechten Wetters ausfallen. Aber so tragisch sei das auch nicht, schließlich bereiten sich die Schauspieler schon lange auf das Stück vor. „Der Schauer hört gleich wieder auf, wenn ich nicht irre...,“ sagt er.

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„Wir kommen auch nicht aus dem Nichtstun“, sagt Duesberg, der seit 2013/14 festes Ensemble-Mitglied ist. „Wir waren immer beschäftigt. Haben zwischendurch viel gelesen, Sachen vorbereitet oder nachbereitet.“ Corona hat die Arbeit der Schauspieler trotzdem stark beeinflusst. Immer wieder gab es Unterbrechungen, teilweise wurde unter extremen Bedingungen geprobt, in den Räumen war exakt ausgerechnet, wie viel Personen reindürfen mit Masken und Abstand. Grian Duesberg ist – anders als seine Kollegen – erst bei den Landesbühnen Sachsen mit Winnetou in Berührung gekommen. Winnetou und Old Shatterhand spielten in seinem Heimatort Überlingen am Bodensee keine große Rolle.

Wenn der Regen den Grund aufweicht, wird es richtig westernmäßig. Bösewicht Santer alias Jürgen Haase.
Wenn der Regen den Grund aufweicht, wird es richtig westernmäßig. Bösewicht Santer alias Jürgen Haase. © Arvid Müller

Vor fünf Jahren wurde er für die Rolle des Sam Hawkens besetzt. Der Schalk gefällt ihm besonders gut an seiner Rolle. „Manchmal bekommt das Stück ja so etwas Pathetisches, Moralisches. Dinge kommen vor, wie man miteinander umzugehen hat, die ich auch alle großartig finde, aber ich mag, wie Hawkens das auch immer wieder auflockert oder bricht mit seinem Humor.“ Außerdem liebt er, dass er mit seiner Figur immer mit dem Pferd daherkommt. „Ein Vorteil der Bühne im Lößnitzgrund gegenüber der Felsenbühne in Rathen ist die Möglichkeit, die Reitszenen weiter auszubauen, weil die Pferde längere Strecken galoppieren können, so ist es viel rasanter“, erklärt Manuel Schöbel, Intendant und Regisseur des Stückes.

Die Inszenierung ist den räumlichen Gegebenheiten angepasst. Die Chefdramaturgin Kerstin Weiß sagt: „Einiges musste umrangiert werden, weil Wege und Rufwege andere sind als in Rathen.“ Wer das Stück schon im Elbsandsteingebirge gesehen hat, für den wird der Lößnitzgrund also trotzdem noch Überraschungen und Neues bereithalten.

Als Ausweichort für Rathen war die Inszenierung von „Winnetou I“ der Landesbühnen Sachsen schon für 2020 im Lößnitzgrund geplant, musste dann aber wegen Corona verschoben werden. „Wir freuen uns sehr, dass die Vorbereitungen in diesem Jahr nicht umsonst waren und wünschen den Landesbühnen Sachsen gutes Gelingen, viele Zuschauer und Freude an dem neuen Spielort“, so Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Winnetou und Lößnitzgrund - das geht so geschmeidig ineinander über, dass die Aufführung hier nicht fremd wirkt. Kehrt Winnetou doch heim nach Radebeul, in die Stadt, in der Karl May einst seine berühmtesten Romanfiguren, Winnetou und Old Shatterhand, entwarf?

Die Bühnenbildner der Landesbühnen haben einmal mehr ganze Arbeit geleistet und Totempfähle geschnitzt.
Die Bühnenbildner der Landesbühnen haben einmal mehr ganze Arbeit geleistet und Totempfähle geschnitzt. © Arvid Müller

Ganz selbstverständlich ist es dennoch nicht, dass die Aufführung hier im Lößnitzgrund stattfinden kann. Oberbürgermeister Bert Wendsche hatte sich für die Nutzung des Ortes als Kulturraum stark gemacht. „Es war eine echte Zitterpartie, aber nun kann nach so langer Wartezeit endlich doch der Startschuss für ´Der Lößnitzgrund ruft` fallen“, freut sich Wendsche. Und er hat noch viel vor. Wenn es nach Wendsche geht, könnte das der Anfang für eine regelmäßige Nutzung des Lößnitzgrundes sein: „ Kulturveranstaltungen, Märkte, Betriebsfeiern bis zum Weihnachtsmarkt hin sind denkbar.“

Auch in Rathen war es der damalige Bürgermeister, Erich Winkler, der im Jahr 1936 den Bau zur Felsenbühne Rathen initiierte. Angeregt von der Idee der Thingbewegung wurde sie für die Aufführung von Schauspielen und Musikstücken angelegt und schon zwei Jahre nach der Einweihung ritten Karl Mays Helden zum ersten Mal im „Schatz im Silbersee“ über die Bühne. „Wir sind froh, endlich loslegen zu dürfen“, freute sich auch Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel und ergänzt: „Auch, wenn wir in diesem Jahr wieder nicht alle geplanten Aktionen rund um den Lößnitzgrund durchführen können, sind wir dankbar, dass unser Winnetou den Lößnitzgrund erobern kann. Für 2022 planen wir jedoch auch wieder ein Rahmenprogramm mit Angehörigen der kanadischen First Nations, einer Sternenwanderung, Sommerkino und vielem mehr.“

Hoffentlich regnet es zur Premiere am Samstag nicht. Wiederholte Schauer erschwerten die Arbeiten bei den Proben im Lößnitzgrund. Bei einer Freilichtbühne kommen Freud und Leid zusammen.
Hoffentlich regnet es zur Premiere am Samstag nicht. Wiederholte Schauer erschwerten die Arbeiten bei den Proben im Lößnitzgrund. Bei einer Freilichtbühne kommen Freud und Leid zusammen. © Arvid Müller

Der Lößnitzgrund ruft

Die Schienen für den Bau der Eisenbahn sind ein fremdes Element auf der indianischen Erde und Vorboten der weiteren Eroberung. Der junge Häuptling Winnetou (Michael Berndt-Cananá) weiß um die technische Überlegenheit der weißen Eroberer. Gleichzeitig ist mit Klekih-petra ein weiser Mann an seiner Seite, der nicht den Feindbildern entspricht. Winnetou sucht nach Lösungen für die tiefe Krise, in der sich die Indianer befinden. Banditen wie Santer greifen die Lebensgrundlage der Indianer immer wieder an. In dieser Situation treffen Winnetou und Old Shatterhand (Jan Baake)) aufeinander. Doch bis zur Blutsbrüderschaft der beiden ist es noch ein weiter Weg.

Premiere ist am 29. Mai um 19.30 Uhr.

Tickets sind an der Theaterkasse der Landesbühnen, in der Tourist-Information sowie an der Abendkasse erhältlich.

Ein umfangreiches Hygienekonzept sichert die Veranstaltungsreihe ab. Besucherinnen und Besucher müssen einen gültigen Corona-Test, eine Impfung oder eine Genesung belegen.

Darüber hinaus bietet die sbf GmbH am Eingang zur Spielstätte in einem Testzentrum kostenfreie Tests an. Gesundheitskarte nicht vergessen.

Bis 13. Juni wird jeweils vom Donnerstagabend bis Sonntagabend die Lößnitzgrundstraße von der Kreuzung Paradiesstraße bis zur Kreuzung Meiereiweg gesperrt.

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Innerhalb der Sperrung ist eine Einbahnstraßenregelung angedacht, um die Besucher von der Lößnitzgrundstraße zu den Parkflächen zu lotsen und Rettungswege freizuhalten.

Gesperrt ist jeweils an den Spieltagen. Während der spielfreien Zeit wird die Sperrung aufgehoben.

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