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Winterdienst kämpft sich nach Schneegewitter durch

Gewitter bringt mit Blitz und Donner viel Schnee. Räum- und Streufahrzeuge sind seit Mittwochabend im Einsatz. Es schneit weiter zwischen Radebeul und Meißen.

Jürgen Hasse mit seinem 18-Tonner-Streufahrzeug ist seit 3 Uhr am Donnerstag zum Räumen auf den Straßen.
Jürgen Hasse mit seinem 18-Tonner-Streufahrzeug ist seit 3 Uhr am Donnerstag zum Räumen auf den Straßen. © Peter Redlich

Radebeul/Moritzburg/Meißen. Die Polizeidirektion Dresden hat am Mittwoch bis zum späteren Vormittag insgesamt 44 Unfälle registriert. Glatte und teilweise verschneite Straßen führten der Behörde zufolge zu zahlreichen Zusammenstößen. Zwei Menschen wurden verletzt. Größtenteils gab es Blechschäden.

Im Landkreis Meißen konzentrierten sich die Probleme auf die südlichen Bereiche. Auf der Staatsstraße S36 von Wilsdruff in Richtung Nossen kam es zwischen Wurgwitz und Kesselsdorf zu Schneeverwehungen. Die Verbindung musste komplett gesperrt werden.

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Bereits am späten Mittwochabend rutschte im Strehlaer Ortsteil Paußnitz ein Lkw DAF von der B 182 ab. Der Sattelzug war von Torgau in Richtung Strehla unterwegs. In einer Kurve kam er bei winterlichen Verhältnissen von der Fahrbahn ab und beschädigte unter anderem Leitpfosten. Zur Bergung des beladenen Lkws musste die Straße mehrere Stunden voll gesperrt werden.

Nach Angaben der Verkehrsgesellschaft Meißen hielten sich die Verspätungen und Ausfälle in einem engen Rahmen. Nach ersten Schwierigkeiten in den Morgenstunden habe sich im Laufe des Tages der Linienverkehr schnell wieder normalisiert, hieß es aus dem Unternehmen.

Streugut muss nachgeladen werden

Den Startschuss für das Schneechaos setzt am Mittwochabend, gegen 21 Uhr, ein regelrechter Blizzard. Plötzlich zucken Blitze durch die Nacht. Mit Donner und stürmischen Winden wird das Elbland mit Schnee eingedeckt. Wenige Minuten später sind die ersten Winterdienstfahrzeuge schon im Einsatz. Stephan Hasse von der gleichnamigen Transportfirma in Radebeul rollt mit Schneepflug und Salzstreuaufsatz durch die Straßen.

Für die Nacht und den insgesamt wenigen Verkehr sind im Auftrag der Stadt vorerst nur die großen Hauptstraßen frei zu halten. Es wird geschoben und gestreut. Nicht übermäßig. "Die Umwelt schonen", sagt Hasse.

Die Temperaturen pegeln sich in der Nacht zum Donnerstag knapp unter null Grad ein. Da kann das Salz schneller wirken als bei straffen Minusgraden. Es schneit die ganze Nacht weiter - sanft zwar, aber beinahe ununterbrochen.

In den Höhenlagen über dem Elbland wuchs die Schneedecke teils bis auf 25 Zentimeter.
In den Höhenlagen über dem Elbland wuchs die Schneedecke teils bis auf 25 Zentimeter. © Peter Redlich

Stephans Vater, Jürgen Hasse, schaut schon sehr früh auf den Wetterbericht. Gegen 3 Uhr ist er auf dem Betriebshof in der Radebeuler Fabrikstraße. Drei Tonnen Salz fasst der große orangefarbene Streuaufsatz des mit Streugut und Schiebeschild rund 18 Tonnen schweren Lkws. Wenig später rollen weitere Winterdienst-Lkws Hasses bei Hasses in Radebeul-West und bei Nehlsen in Ost vom Hof.

Jürgen Hasse: "Wenn du nicht schon so früh auf der Meißner Straße beginnst, besteht die Gefahr, dass zum Einsetzen des Berufsverkehrs gegen 6 Uhr noch Eis auf der Straße ist. Dann sind die Ausrutscher und Staus vorprogrammiert."

Die Einsatzfahrzeuge von Hasse und Nehlsen sind auch noch vor den startenden Pkws und Bussen in den Höhenlagen unterwegs. Busstrecken sind bevorzugt zu räumen, damit denen nichts passiert, die trotz Corona noch zum Arbeitsplatz müssen. In Radebeul sind das etwa die Paradiesstraße, die August-Bebel-Straße, die Moritzburger Straße. Überall liegt gegen 6 Uhr der gefallene Schnee am Straßenrand. Die ersten Grundstücksbesitzer und Hausmeisterdienste werden aktiv und schippen und streuen. Auf den Straßen beginnt die dünne Salzschicht zu wirken. Der schwarze Asphalt kommt durch. Befahrbarer Matsch bildet sich.

Im Osten der Stadt haben die Nehlsen-Leute, die mit einem großen Streu- und Räumfahrzeug sowie vier Multicars und einem Transporter unterwegs sind, neben den Hauptstraßen auch Kreuzungen, Ampelstellen und Übergangswege für Fußgänger geräumt. "Seit 3 Uhr sind meine Mitarbeiter im Einsatz", sagt Roger Mann, Betriebsstättenleiter.

Es ist kurz vor 7 Uhr. Rund 50 Kilometer hat Jürgen Hasse mit seinem Streu-Laster inzwischen auf der aktuellen Winterdiensttour abgefahren. Es muss Streugut nachgeladen werden. Auf dem Betriebshof in Kötzschenbroda sind von den letzten Jahren, mit den milden Wintern, noch gut 50 Tonnen Streusalz für die gesamte Stadt Radebeul eingelagert. Um für den Winter, der 2021 wie ein richtiger ausfallen soll, gewappnet zu sein, wurde nachgeordert. Weitere 75 Tonnen sind in den letzten Tagen angeliefert worden. Das müsste reichen, sagt Hasse und zeigt auf die letzten Säcke, die gar nicht mehr in die Lagerhalle passten, aber an diesem Donnerstag schon aufgebraucht werden. Etwa drei Tonnen pro Runde werden gestreut.

Schwierige Zufahrten freigeräumt

Gegen 7.30 Uhr geht langsam die Sonne auf, die sich zwar noch hinter grauen Wolken versteckt, aber dennoch das Elbland heller macht. Auf den Straßen auf Elbhöhe rollt der Verkehr vorsichtiger als sonst, aber normal. Einige Autofahrer kehren ihre Dächer vorm Start zur Arbeit ab. Manche Fußwege sind schon geräumt.

Jürgen Hasse fährt jetzt in die Nebenstraßen. Dorthin, wo es kompliziert ist, bei viel Schnee überhaupt aus dem Grundstück zu gelangen. Die steile Jägerhofstraße mit ihrem Kopfsteinpflaster und der Rietzschkegrund sind solche Höhenlagen. Weil hier aber dennoch schon die ersten Autos unterwegs waren, gibt es eine Mischung aus bis zu 25 Zentimeter jungfräulichem Frischschnee und auch schon eisig glattgefahrenem Straßenbelag. Schneeschieben und Salzstreuen ist hier angesagt und wird in gut einer Stunde Erfolg bringen.

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Gegen 9 Uhr ist die erste große Winterdienstschicht fast bewältigt. Erst mal einen kräftigen Kaffee gönnen sich Jürgen Hasse und die anderen. Und: Der Blick aufs Handy mit der Wetter-App. Die sagt nachlassende Schneefälle voraus. Am Wochenende soll es sogar sonnig, aber nachts bis zu zweistellig kalt werden. Nächste Woche kündigt Frau Holle wieder Flocken an.

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