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Wintersport-Paradies Moritzburg

Das Traumwetter hat Schnee- und Eisfans am Wochenende in Scharen in den Ort gezogen. Das sorgte für Parkchaos und Dauerstau.

Auf die Schlitten, fertig, los: Ulrike Blau, Patrick Taube und Ben rodeln am Dippelsdorfer Teich vergnügt den Hang hinunter.
Auf die Schlitten, fertig, los: Ulrike Blau, Patrick Taube und Ben rodeln am Dippelsdorfer Teich vergnügt den Hang hinunter. © Matthias Schumann

Von Ulrike Keller

Moritzburg.
Der Schnee glitzert in der Wintersonne, unter den Schuhen knirscht es laut. Bei knackigen minus acht Grad schwingen sich der achtjährige Ben, Papa Patrick Taube und Partnerin Ulrike Blau auf die Schlitten. Zwei Stunden nach Herzenslust Rodeln – dafür ist die Weinböhlaer Familie in die hügelige Landschaft am Dippelsdorfer Teich gekommen.

Ran an den Puck: Massen tummeln sich am Sonntag auf dem Moritzburger Schlossteich – trotz der Schilder „Betreten verboten“. Der Andrang sorgt für ein Parkchaos.
Ran an den Puck: Massen tummeln sich am Sonntag auf dem Moritzburger Schlossteich – trotz der Schilder „Betreten verboten“. Der Andrang sorgt für ein Parkchaos. © Matthias Schumann

Es ist Sonntag, kurz nach Zehn in Friedewald. Der Hang nahe der ehemals Blauen Bank ist die Empfehlung eines Kumpels, erzählt Patrick Taube. „Wir wollen das Wetter nutzen. Wer weiß, wie lange der Schnee noch liegt.“ Ausgestattet ist die Familie mit heißem Tee, Naschereien und Taschentüchern. All das haben sie in einem kleinen Iglu verstaut, den andere hinterlassen haben. „Das Rodeln hier ist mal eine Abwechslung zu unserem Garten“, sagt Patrick Taube. „Irgendwann fällt einem ja sonst die Decke auf den Kopf.“ Normalerweise seien sie in dieser Jahreszeit viel unterwegs, etwa in Hallenbädern. Das fehle gerade Sohn Ben sehr, erzählt sein Papa.

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Ab auf die Piste: Ute und Rudi Egerland aus Radebeul nutzen die gespurte Langlauf-Strecke im Wettiner Wald. Am St.-Ulrich-Tunnel treffen zwei Loipen aufeinander.
Ab auf die Piste: Ute und Rudi Egerland aus Radebeul nutzen die gespurte Langlauf-Strecke im Wettiner Wald. Am St.-Ulrich-Tunnel treffen zwei Loipen aufeinander. © Matthias Schumann

Einige Meter weiter bewegt sich ein Snowboarder den Hang hinunter. Anfangs noch etwas steif, gleitet er das zweite Mal schon locker über die weiße Schneedecke. Mario Gebler aus Radebeul will in Übung bleiben. „Ich habe mir das Snowboardfahren vor etwa 15 Jahren ganz in der Nähe selbst beigebracht“, erzählt er. Voriges und dieses Jahr musste er auf seinen Winterurlaub verzichten. Umso dankbarer ist er für diese Gelegenheit.

Am Fuße des Hangs treffen mehr und mehr Autos ein. Schon halb Zehn war der kleine Parkplatz voll. Inzwischen parken Wintersportfreunde an der Straße bis in den Ort hinein sowie auf dem Feld. „Hier wird Luzerne angebaut“, gibt eine Reiterin zu bedenken. Und auch, dass keine Rettungsgasse gelassen werde. Obwohl es bereits die Situation gegeben habe, dass nach einem Rodelunfall Rettungskräfte nicht durchkamen. „Wir gönnen jedem das Wintererlebnis“, sagt sie. „Aber Parkplätze sind hier nun mal Mangelware. Und der Verkehr hat in den vergangenen Wochen Ausmaße angenommen, die schwierig sind.“

Ein ähnliches Bild am St.-Ulrich-Tunnel. Kleinwagen, SUVs, Vans parken die Wegränder zu. Den Kennzeichen nach sind es ganz überwiegend Schneefans aus dem Landkreis Meißen und aus Dresden, die es in den Wettiner Winterwald zieht.

Spuren im Schnee: Viele Langläufer zieht es auch auf die schneebedeckten Felder abseits der viel befahrenen gespurten Pisten.
Spuren im Schnee: Viele Langläufer zieht es auch auf die schneebedeckten Felder abseits der viel befahrenen gespurten Pisten. © Matthias Schumann

Hier, nahe der S 81, treffen zwei gespurte Pisten aufeinander. Der SV Elbland Coswig-Meißen hat die Loipen am Freitag extra noch einmal nachgearbeitet. Zudem hat er zehn Kilometer zusätzliche Spuren in Richtung Oberau und Weinböhla oberhalb des Gellertbergs angelegt. „Am besten zu befahren sind beide vom Spitzgrund und vom Forsthaus Kreyern“, sagt Rolf Baum vom SV Elbland Coswig-Meißen. Insgesamt hat der Verein über 40 Kilometer Loipe gespurt. „In der Corona-Pandemie wird verkannt, dass Sport Teil der Lösung ist“, unterstreicht Rolf Baum. Was schütze besser vor einer Krankheit, als ein gesundes Immunsystem, fragt er. „Und das erreiche ich nur mit gemäßigtem Volkssport.“

Rauf aufs Board: Mario Gebler aus Radebeul gleitet in Friedewald den Hang hinunter. Mit den Rodlern kommt er sich dabei nicht in die Quere.
Rauf aufs Board: Mario Gebler aus Radebeul gleitet in Friedewald den Hang hinunter. Mit den Rodlern kommt er sich dabei nicht in die Quere. © Matthias Schumann

Gemächlichen Tempos sind Ute und Rudi Egerland in den Loipen am St.-Ulrich-Tunnel unterwegs. Vor einer halben Stunde ist das Paar in Lindenau gestartet. „Wir genießen das Wetter und dass wir auch hier mal Ski fahren können“, erzählen die Radebeuler. Das sei ewig her. Dass sie bei Gegenverkehr öfter die Spur verlassen müssen, stört sie überhaupt nicht. „Wir sind auch oft daneben gefahren. Das ist nicht zu glatt.“ Auch mit den wild parkenden Fahrzeugen können sie sich arrangieren. „Wo sollen die Autos denn hin?“

Eine Frage, die sich erst recht im Ort Moritzburg stellt. Schon kurz nach 11 Uhr staut sich der Verkehr bis an den Netto-Markt. Später sogar bis nach Reichenberg. Autokennzeichen aus Brandenburg und anderen Bundesländern fallen auf. Die Parkplätze sind dicht. Der Grund zeigt sich auf dem Schlossteich. Massen bevölkern die Eisfläche. Vor allem Eishockey ist der Sport der Wahl. Neben dem klassischen Schlittschuhlaufen. Bei allem Vergnügen sind die meisten auf Abstand bedacht.

Auto an Auto: Weil Parkplätze rar sind, stellen die Besucher ihre Pkw da ab, wo Platz war. Dabei achten sie zum Teil nicht mehr auf Rettungsgassen und bewirtschaftete Felder.
Auto an Auto: Weil Parkplätze rar sind, stellen die Besucher ihre Pkw da ab, wo Platz war. Dabei achten sie zum Teil nicht mehr auf Rettungsgassen und bewirtschaftete Felder. © Matthias Schumann

Zwei Dresdner Familien haben es sich mit ihren Kindern ganz am Rand gemütlich gemacht. Aus Sicherheit, erklären sie. Denn dass hier „Betreten verboten“ gilt, ist ihnen bekannt. Auch eine junge Frau aus Medingen weiß darum. Sie wartet mit dem Kinderwagen am Schlossteich und erzählt: „Darum ist mein Mann mit unseren Söhnen aufs Eis mitgegangen.“ Die Gefahr einzubrechen, hält sie nach so vielen kalten Tagen für gering. Dazu kommt der Seltenheitswert: „Schlittschuhfahren war zuletzt vor drei Jahren hier möglich“, erinnert sie sich. Die wenigen geöffneten Bratwurstbuden und Imbisse machten prächtige Umsätze. Viele Ausflügler haben aber auch Picknickkörbe mitgebracht.

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