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„Wir haben viel geschafft, aber weniger wird es nicht“

Die SZ sprach mit Moritzburgs Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) über Erreichtes, Pläne und Erfahrungen in der Corona-Pandemie.

Jörg Hänisch (parteilos) wurde im März als Bürgermeister wiedergewählt.
Jörg Hänisch (parteilos) wurde im März als Bürgermeister wiedergewählt. © Arvid Müller - Industrie & Pres

Herr Hänisch, das Jahr 2020 war ein besonderes. Sie wurden mit einem deutlichen Votum der Moritzburger für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Vor allem aber sorgt Corona ständig für neue Herausforderungen an uns alle. Was war für Sie in diesem Jahr das Ungewöhnlichste, Überraschendste und Berührendste in Ihrer Arbeit als Bürgermeister?

Ich freue mich natürlich, dass ich mit so großem Rückenwind in die zweite Amtszeit gewählt wurde. Das ist auch eine große Verpflichtung, die ich gegenüber unserer Gemeinde und ihren Bürgerinnen und Bürgern übernehme.

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Am Ungewöhnlichsten war mit Sicherheit, wie ein Gemeinwesen von jetzt auf gleich heruntergefahren werden muss und trotzdem die Dinge weiter funktionieren müssen. Das geht nur, weil viele auch in unserer Gemeinde miteinander und nicht gegeneinander gearbeitet haben. Ich denke vor allem an die Mitarbeiterinnen in unseren Pflegeheimen, in unseren Arztpraxen und den Kindereinrichtungen. Auch wenn nicht alles rund laufen kann, und viele von uns große Ängste um die Zukunft haben, was in kürzester Zeit an Staatshilfen möglich gemacht wurde, ist einmalig und das hat mich bei dem sonst recht schwerfälligen Bürokratiegefüge in unserem Land überrascht.

Das Berührendste war, wie die Kinder unserer Gemeinde den Seniorinnen und Senioren in unseren Pflegeheimen einen Ostergruß gebastelt haben. Das macht deutlich, der Generationenvertrag funktioniert, trotz dieser schwierigen Zeit.

In den vergangenen Jahren sind viele Vorhaben geplant worden. In diesem Jahr wurde nun einiges davon begonnen und auch zu Ende gebracht. Sind sie mit dem Erreichten zufrieden?

Zum Ende des Jahres 2020 haben wir, neben dem finanziellen Kassensturz, auch geschaut, was wir erst in den kommenden Monaten abschließen können. Und ich kann feststellen, 2020 wurde eine Menge im kommunalen „Investitionsstau“ aufgeholt.

Der Gehwegbau vom Reichenberger Kreisverkehr bis zum Windmühlenweg nach Boxdorf ist auf der Zielgeraden. Der Anbau an das Kitagebäude in Reichenberg mit einem neuen, lichtdurchfluteten Mehrzweckraum ist bis auf kleine Restarbeiten fertig. Die alte Mittelschule in Moritzburg gibt es nicht mehr und somit ist die Baufreiheit für das nächste Großprojekt geschaffen.

Der Rohbau des neuen Kinderhauses Kleeblatt in Boxdorf steht. Die neue Zentralhaltestelle mit Parkplatzumbau an der Begerburg in Boxdorf ist übergeben, und der erste Teil einer provisorischen Radwegverbindung zwischen unseren Ortsteilen Auer und Boxdorf entlang der S 81 ist in Betrieb. Unzählige kleinere Maßnahmen in unseren öffentlichen Gebäuden sind ebenfalls abgeschlossen wie auch der Umzug unseres Meldeamtes im Rathaus.

Sie merken, ich bin mehr als zufrieden und das ist vor allem unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung und im Regiebetrieb technische Dienste zu verdanken, die mit großem Engagement die Aufgaben umgesetzt haben. Und in einem bin ich mir sicher: Weniger wird es nicht, aber mit dieser Mannschaft ist es zu schaffen!

Die Kurfürst-Moritz-Schule hat bei der Umstellung auf den Heim-Unterricht im Frühjahr einmal mehr bewiesen, dass ihr guter Ruf nicht von ungefähr kommt. Werden die benötigten zusätzlichen Räume 2021 endlich gebaut?

Diese Erwartungen muss ich leider dämpfen. Ich möchte und darf natürlich den Entscheidungen des Gemeinderates nicht vorgreifen. Aber wir sitzen gerade am Entwurf des Haushaltsplanes 2021. Die zu erwartenden Steuereinnahmen und Schlüsselzuweisungen sehen coronabedingt alles andere als rosig aus.

Nach dem gegenwärtigen Stand werden wir uns auf die wenigen bereits begonnenen Investitionsmaßnahmen begrenzen müssen. Die Fertigstellung des Kinderhauses in Boxdorf, das neue Feuerwehrgerätehaus mit Rettungswache und Grundschulerweiterung in Moritzburg und die ersten Baumaßnahmen an der Dorfstraße in Steinbach haben oberste Priorität.

Sie haben trotz Corona sicher Kontakt zu den Vereinen in der Gemeinde. Befürchten Sie, dass durch die Zwangspausen in diesem Jahr das Engagement der vielen Ehrenamtlichen und die Vereine selbst Schaden nehmen könnten?

Gerade in schwierigen Zeiten sind es die Vereine und auch unsere Kirchgemeinden, die auf unterschiedlichste Art und Weise das Gemeinschaftsleben in Moritzburg und in seinen Ortsteilen am Laufen halten. Auch wenn natürlich viele Veranstaltungen abgesagt werden mussten, die Kreativität der Vernetzung kannte auch 2020 keine Grenzen. Sobald die Möglichkeit der Begegnung bestand, wurden Formate entwickelt, die ein Treffen im kleineren Kreis und mit nötigem Abstand möglich machten.

Unser Moritzburger Gemeindeblatt bietet deshalb neben vielen anderen Medien die Chance, über das Vereinsleben in dieser schwierigen Zeit zu berichten. Und ich bin mir sicher, dass auch die Ortschaftsräte, die wir in allen sechs Ortsteilen haben, mit ihren jeweiligen Ortsvorstehern sehr nahe am Puls der Vereine sind.

Die anstehenden großen Bauprojekte haben Sie bereits angesprochen. Was gibt es noch für wichtige Vorhaben für die Entwicklung der Gemeinde?

Neben den großen Bauprojekten gibt es natürlich eine Reihe an Vorhaben, die weitergeführt und abgeschlossen werden müssen. Dazu gehört die Erweiterung des Boxdorfer Gewerbegebietes, wofür noch in den letzten Sitzungen dieses Jahres entscheidende Beschlüsse gefasst werden konnten. Die ersten Hochwasserschutzmaßnahmen am Lockwitzbach im Ortsteil Auer sind abzuschließen, wie auch die Gestaltung der Außenanlagen am Hort in Reichenberg.

Zwischenzeitlich liegt auch das Verkehrsgutachten für den Neubau des Feuerwehrgebäudes in Moritzburg vor und wird in den ersten Wochen und Monaten des neuen Jahres in den jeweils betroffenen Einrichtungen, Institutionen und Gremien vorgestellt. Für unsere Feuerwehren soll der erste Teil der neuen Schutzbekleidung ausgeschrieben und vergeben werden.

Aber auch der schon lange vorliegende Entwurf unserer Ortsentwicklungskonzeption soll nun endlich in die Beratung und Beschlussfassung gehen. Dazu haben bereits im Frühjahr 2020 alle Mitglieder der sechs Ortschaftsräte den vollständigen Entwurf erhalten, wie auch unmittelbar nach der Neuwahl alle neuen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte. Leider ist die weitere Beratung coronabedingt etwas in Verzug geraten. Umso wichtiger ist es, diese wichtige Grundlage der Gemeindeentwicklung im kommenden Jahr abzuschließen.

Parallel dazu sollen Anfang 2021 die ersten Vorschläge der Ortschaftsräte zum Entwurf des Baulückenkatasters für die Ortsteile Reichenberg, Auer und Friedewald beraten werden. Ausgehend von den guten Erfahrungen mit den ÖPNV Konzepten für mittlerweile fünf Ortsteile, wird im nächsten Jahr die Untersuchung des Öffentlichen Personennahverkehres und der Haltestellenstruktur im Ortsteil Moritzburg folgen.

Etwas in die Zukunft gerichtet folgen dann, sobald unser Haushalt rechtskräftig ist, die Standortuntersuchungen für die im Brandschutzbedarfsplan festgestellten und beschlossenen Gerätehausneubauten in den Ortsteilen Friedewald und Boxdorf. Und auch die Planungen für die Gehwege in den Ortsteilen Auer und Steinbach, für den Radweg zwischen Moritzburg und Reichenberg und den Kreisverkehr an der Baumwiese in Boxdorf werden zielstrebig weiter verfolgt. Geplant ist weiterhin, das derzeit noch in der Entwurfsfassung vorliegende Schulwegkonzept unserer Gemeinde abzuschließen.

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Das Gespräch führte Sven Görner

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