SZ + Radebeul
Merken

„Wir sind für die Zukunft gewappnet“

Weinböhlas Bürgermeister Siegfried Zenker (CDU) schaut zurück auf 2021, voraus auf 2022 und tritt im September zur Wahl wieder an.

Von Udo Lemke
 9 Min.
Teilen
Folgen
Blick vom Rathaus in Richtung Kirchplatz. Wohin es mit Weinböhla künftig gehen soll, wird in einem Konzept zur Entwicklung der Gemeinde festgeschrieben - seine Erarbeitung beginnt in diesem Jahr, und die Bürger sollen daran mitarbeiten.
Blick vom Rathaus in Richtung Kirchplatz. Wohin es mit Weinböhla künftig gehen soll, wird in einem Konzept zur Entwicklung der Gemeinde festgeschrieben - seine Erarbeitung beginnt in diesem Jahr, und die Bürger sollen daran mitarbeiten. © Norbert Millauer

Herr Zenker – nach vielen Jahren der Vorbereitung hat im Sommer das Gymnasium Weinböhla den Schulbetrieb aufgenommen – vorerst in einem Containerbau. Wie soll es nun weitergehen?

Der Freistaat Sachsen sieht für eine freie Schule grundsätzlich eine dreijährige Bewährungszeit vor. Diese Frist ist abzuwarten, bevor es entsprechende Förderungen für einen Schulbau geben kann. Im Falle des Freien Gymnasiums Weinböhla hat das Kultusministerium ein öffentliches Bedürfnis für diese Schule ausgesprochen. Dies bedeutet, dass der Freistaat anerkennt, dass sie staatlicherseits benötigt wird und ohne dieses Gymnasium eine andere staatliche Schule entweder erweitert oder gar neu gebaut werden müsste. Dies lässt den Schulträger und uns gemeinsam mit der Tatsache, dass die Rahn-Schulen ein großer und mehrfach bewährter Träger sind, der schon längst bewiesen hat, dass er eine Schule erfolgreich führen kann, hoffnungsvoll sein, gegebenenfalls noch vor Ablauf dieser Wartefrist eine Förderung zu erhalten. Dass der Bedarf da ist, zeigen auch die Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr sehr augenfällig.

Das neue Gymnasium liegt an der Köhlerstraße, die 2021 in ihrem oberen Teil saniert worden ist. Wann soll der Teil, der an der Schule liegt – dort fehlen unter anderem Fußwege für die Kinder – ausgebaut werden?

Wir sind mit dem zuständigen Baulastträger, dem Kreis Meißen, bereits in Abstimmung, damit für den 6. Bauabschnitt - indem auch der Bereich vor dem Gymnasium liegt - jetzt die Planung in Angriff genommen wird. Für die Umsetzung kann das Landratsamt noch keinen konkreten Zeitpunkt benennen. Wir werden uns jedoch für eine schnellstmögliche Realisierung starkmachen, da die Köhlerstraße einen wahrlich schlechten Zustand aufweist. Deshalb sind wir sehr dankbar, dass wir im Dezember den oberen Teilbereich wieder freigeben konnten – ein kleiner, aber bedeutsamer Abschnitt.

Die Köhlerstraße geht in die Forststraße über, dort soll ein Ersatzbau für den Netto an der Moritzburger Straße, der abgerissen werden soll, entstehen. Wie weit ist da die Entwicklung, rechnen Sie für 2022 mit Baurecht?

Das Vorhaben, für den zum 31. Dezember dieses Jahres wegfallenden einzigen Versorger im Oberdorf, den derzeitigen Netto-Markt, Ersatz zu schaffen, zeigt sich als sehr diffizil und komplex. Der jetzige Standort kommt nach dem Willen des Eigentümers leider nicht in Frage. Eine möglicherweise sich als Standort ebenso anbietende Alternative an der Moritzburger Straße ist planerisch nicht umsetzbar. Der derzeit planerisch bearbeitete Standort am künftigen Kreisverkehr ist faktisch alternativlos, hält aber viele zu lösende Aufgaben bereit. Dies reicht von artenschutzrechtlichen Problemen bis hin zu verkehrsrechtlichen und wasserrechtlichen. Da der derzeitige Standort wie erwähnt Ende 2022 schließt, müssen und werden wir aber spätestens im April 2022 den Bau des neuen Marktes beginnen. Ich möchte, dass es auch für das Oberdorf eine lückenlose Versorgung gibt.

Wie steht die Gemeinde finanziell da? Mussten Sie 2020 Schulden machen, und wie sieht es für 2021 aus?

Weinböhla ist traditionell eine finanzschwache Kommune, sie liegt auf Platz 24 von 28 der Kommunen des Landkreises Meißen. Dies wird an den sogenannten allgemeinen Deckungsmitteln als anerkannter Indikator der Finanzkraft einer Kommune gemessen. Trotz dieser Ausgangssituation haben wir im Jahr 2020 mit 1,7 Millionen Euro mit einem ordentlichen Ergebnis abgeschlossen. Das war natürlich nur durch die kluge und engagierte Arbeit aller Rathausmitarbeiter so möglich. Schulden haben wir nicht neu aufgenommen; vielmehr haben wir unseren Schuldenstand wieder kontinuierlich gesenkt. Zum 31. 12. 2021 betrug er 1.456.713,15 Euro. Die sich daraus ergebende Pro-Kopf-Verschuldung von 139,39 Euro liegt weit unter dem sächsischen Durchschnitt. Wir sind also für die Zukunft gut gewappnet.

Bislang haben das Land und der Bund den Kommunen in der Corona-Krise durch Ausgleichszahlungen geholfen. Nun zeigt sich, dass nicht nur diese, sondern generell Förderungen zurückgefahren werden. In welchem Umfang betrifft dies die Gemeinde Weinböhla?

Da Weinböhla nicht über große Betriebe verfügt, sind wir auch vergleichsweise unanfällig für entsprechende Gewerbesteuerschwankungen. Nicht mehr hinreichend vorhandene Fördermittel bekommen wir vor allem im Straßenbau zu spüren. Entsprechende Anträge werden sogleich vom Freistaat zurückgewiesen. Das schmerzt schon, da wichtige Projekte auf der Agenda stehen. So werden wir im nächsten Jahr den dringend notwendigen Fußweg zwischen dem neuen Netto an der Forststraße und dem ehemaligen Waldhotel vermutlich aus Eigenmitteln bestreiten müssen.

Siegfried Zenker wird sich im September für eine zweite Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Weinböhla zur Wahl stellen.
Siegfried Zenker wird sich im September für eine zweite Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Weinböhla zur Wahl stellen. © privat

Sehen Sie in Weinböhla ein Gleichgewicht zwischen dem Eigenheimbau und der Errichtung von Mehrfamilienhäusern?

Weinböhla ist traditionell ein klassischer Eigenheimstandort. Insofern haben wir nicht das Ziel, quantitativ ebenso viele Mehrfamilienhäuser wie Einfamilienhäuser zu haben. Dies würde auch dem prägenden Charakter Weinböhlas widersprechen. Allerdings wissen wir, dass es auch junge Familien gibt, die sich kein Eigenheim leisten können oder wollen – aber dennoch nach Weinböhla streben. Hier hoffen wir ganz maßgeblich auf das neue Bosch-Wohnprojekt „An den Obstwiesen“. Den Erfahrungswerten von Bosch bei anderen Wohnstandorten folgend geht lediglich ein Drittel der Wohnungen an die Mitarbeiter, zwei Drittel also auf den freien Wohnungsmarkt. Allgemein gilt jedoch, dass der Geschosswohnungsbau eher ergänzend für uns bedeutsam ist, um die Eigenart und den Charakter Weinböhlas zu erhalten. Nach Abschluss der derzeit in Bearbeitung befindlichen Planungen, ist das Wohnbau-Potenzial des Flächennutzungsplans ohnehin recht bald erschöpft. Der Erhalt unserer Durchgrünung wird künftig im Focus stehen. Folglich werden wir in diesem Jahr einen Landschaftsplan beginnen, der dies unterstreichen wird.

Für die Gewerbetreibenden und Händler in der Gemeinde will die Verwaltung gute Rahmenbedingungen schaffen wie ein schnelles, leistungsfähiges Internet, eine ansprechende Infrastruktur, kostenfreie Parkmöglichkeiten und gute Nahverkehrs-Anbindungen. Hat dies 2021 geholfen, oder haben mehr Gewerbetreibende und Händler aufgegeben?

Coronabedingte Schließungen sind uns - Gott sei Dank- lediglich in einem Fall bekannt. An attraktiven Rahmenbedingungen für unsere Händler, Gewerbetreibenden und Gastronomen arbeiten wir weiter. So nehmen wir in diesem Jahr den letzten Schandfleck auf der Hauptstraße in Angriff. Auch werden wir in unmittelbarer Nähe des Ortskerns eine einladende Verweilfläche errichten sowie weitere kostenfreie Parkplätze schaffen. Bei der Internet-Versorgung ist Weinböhla bereits sehr gut aufgestellt. Glasfaser liegt bereits bis zu den grauen Verteilerkästen der Telekom flächendeckend an. Lediglich zwischen diesen Verteilerkästen und den einzelnen Häusern ist noch das alte Kupferkabel zu finden. Wir gelten deshalb als sogenannter grauer Fleck. Letzte weiße Flecken werden über das Landkreis- Projekt beseitigt. Wir freuen uns, dass der Bund nunmehr auch für die grauen Flecken eine Förderung vorsieht. Leider hält sich der Freistaat allerdings bei der notwendigen Co-Finanzierung sehr zurück. Ohne eine solche Co-Finanzierung ist ein solches Projekt jedoch finanziell nicht zu stemmen. Wir verfolgen deshalb parallel dazu auch eine andere Möglichkeit, über etwaige Wettbewerber der Deutschen Telekom, die einen Glasfaserausbau der letzten Meile auch sicherstellen könnten. Wir werden in der ersten Jahreshälfte 2022 entscheiden, welchen Weg wir gehen.

Bislang bekennt sich die Gemeinde Weinböhla zu ihren freiwilligen Aufgaben, etwa der finanziellen Unterstützung des Zentralgasthofes, der Bibliothek und des Elbgaubades. Soll das auch 2022 so bleiben – welche Haltung hat der Gemeinderat dazu?

Bisher habe ich zu der Haltung der Gemeindeverwaltung, alle freiwilligen Aufgaben fortführen zu wollen, nur Zustimmung gespürt und wahrgenommen. Mit der Unterhaltung des Velociums, der Sächsischen Fahrraderlebniswelt sowie dem jüngsten Bekenntnis des Gemeinderates zur Weiterführung der Straßenbahnlinie 4 bin ich mir sehr sicher, dass der Gemeinderat hinter allen freiwilligen Aufgaben steht.

Was wird Ihrer Meinung nach 2022 wichtig für die Gemeinde und was wünschen Sie sich persönlich für Weinböhla?

Für das nächste Jahr steht wieder eine ganze Palette an Aufgaben zur Erledigung an. Von besonderer Bedeutung wird der Beginn der Erarbeitung des Ortsentwicklungskonzeptes Weinböhlas sein. In diesem Jahr wird es eine Auftaktveranstaltung zum Start dieses Prozesses geben. Dies soll natürlich unter mehrfacher und umfassender Einbindung unserer Bürger sowie unserer Vereine und anderer Akteure geschehen. Mein Wunsch ist es hier, dass sich möglichst viele Weinböhlaer bei der Entwicklung dieses Konzeptes einbringen, damit es auch ein Konzept wird, dass im Ergebnis von ebenso vielen Bürgern mitgetragen wird; mit dem sich Weinböhla identifiziert.

Das Ortsentwicklungskonzept ist ein übergreifendes Projekt, das in die Zukunft weist. Was steht an aktuellen Projekten an?

Da gibt es ein ganzes Mosaik. So wollen wir uns um die Verbesserung der Situation der Essenseinnahme an der Grundschule kümmern. Hier braucht es kluge Lösungen für die Kapazitätserweiterung des Speisesaals. An unserer Oberschule möchten wir uns dem Westflügel widmen und dort beginnen, den notwendigen Austausch der maroden Fenster vorzunehmen. Weiterhin möchten wir unsere bereits begonnene Spielplatzoffensive in diesem Jahr fortsetzen. Zudem gilt es, den notwendigen Erwerb der Flächen für den künftigen Weinböhla-Park sicherzustellen, damit Weinböhla eine neue grüne Lunge bekommen kann. Auch ist eine neue zusätzliche Sporthalle für Weinböhla dringend notwendig. Ebenso wünschen wir uns, dass der Nahversorger an der Moritzburger Straße ans Netz gehen kann und damit die von der großen Politik geforderte Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse auch in unserem Ort hinsichtlich der Versorgung realisiert werden kann. Auf meiner persönlichen Wunschliste steht aber auch ganz oben, dass die neue Jugendfreizeitfläche an der Sörnewitzer Straße gut angenommen wird und sich hier ein harmonisches Miteinander mit der Nachbarschaft und unserem gesamten Gemeinwesen entwickelt.

Im September 2022 wird ein neuer Bürgermeister für Weinböhla gewählt. Werden Sie sich zur Wiederwahl stellen?

Für die die Beantwortung dieser Frage habe ich mir viel Zeit genommen, einige Überlegungen angestellt und Gespräche mit der Familie geführt. In Respekt vor dem Amt und vor allem in Demut vor unseren Bürgern ist es ja geboten, innezuhalten und sich selbst zu hinterfragen, ob die Kraft für eine weitere Amtszeit noch da ist und vor allem auch, ob die Rückmeldungen der Bürger so sind, dass man sich zu einem solchen Schritt auch ermutigt fühlt. Es ist ja unstrittig, dass dieses Amt den ganzen Menschen fordert. Für mich ist es die schönste, mannigfaltigste, aber auch die forderndste Aufgabe überhaupt. Schlussendlich konnte ich die genannten Fragen und Aspekte für mich positiv beantworten. Auch die persönliche Bilanz der Erfolge der ablaufenden Amtszeit bekräftigt mich in meiner Entscheidung: Ich stehe bereit und möchte mich dem Wählervotum noch einmal stellen.

Interview: Udo Lemke