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Wirte und Kultur wollen klare Ansage zu 75 Prozent

Der von der Bundesregierung angekündigte Ausgleich für den November-Lockdown ist bisher nicht eindeutig definiert.

Das Spitzhaus in Radebeul. Geschäftsführer Marco Stelter ist, wie andere Wirte auch, verunsichert, was er jetzt überhaupt noch anbieten kann, ohne die Ausgleichszahlung zu riskieren.
Das Spitzhaus in Radebeul. Geschäftsführer Marco Stelter ist, wie andere Wirte auch, verunsichert, was er jetzt überhaupt noch anbieten kann, ohne die Ausgleichszahlung zu riskieren. © Marco Stelter

Radebeul/Moritzburg/Meißen. Bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes will der Bund betroffenen Firmen erstatten. Das Geld könnte schon in den nächsten Tagen fließen, so hieß es vollmundig noch vor den endgültigen Beschlüssen der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder. Konkreter wurde formuliert: Insgesamt sollen die Finanzhilfen bis zu zehn Milliarden Euro umfassen. Damit sollen kleine Firmen bis zu 75 Prozent des Umsatzes erstattet bekommen, den sie im Vorjahresmonat, also im November 2019, erwirtschaftet haben. Bei größeren Firmen könnten bis zu 70 Prozent der Vorjahreserträge ausgezahlt werden. Als klein gelten dem Vernehmen nach Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern.

Allerdings: Mehr Informationen gibt es dazu bisher nicht. Die Wirte und Kulturschaffenden in vielen Gemeinden und Städten im Kreis Meißen hätten gern konkretere Information. Thomas Kretschmer von der Kulturbetriebsgesellschaft Meißner Land mbH, zu der die Börse und die Villa Teresa gehören: „Wir brauchen wirklich mal eine klare Definition, unter welchen Bedingungen wo wir was bekommen können. Wir haben ordentliche Abrechnungen aus dem Monat November 2019.“ Aber Kretschmer ist sich sicher, dass es nicht der Umsatz als Berechnungsgröße sein kann. Die Wintermonate, so der Geschäftsführer, seien üblicherweise gute Umsatzmonate. Die Mitarbeiter der Kulturbetriebsgesellschaft sind auf Kurzarbeit Null gesetzt.

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Ähnlich sieht das Marco Stelter, Geschäftsführer vom Radebeuler Spitzhaus. „Wir wissen ja gar nicht, ob wir irgendetwas anbieten können, über den Fensterverkauf etwa. Möglicherweise wird uns das dann gegengerechnet. Es ist jetzt schon mal eine klare Ansage nötig.“

Stelter überlegt, ob das Spitzhaus eventuell Suppen und Glühwein für Spaziergänger am Wochenende anbietet. Aber das gehe erst, wenn wirklich Klarheit herrsche. Auch hier seien die Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Verunsicherung auch in der Moritzburger Traditionsgaststätte Adams Gasthof. Bernd Haufe, einer der beiden Betreiber: „Wir überlegen noch, was möglich wäre. Unsere Idee bisher - Gänse fertig zubereitet im Außer-Haus-Verkauf. Aber wie genau das gehen kann, wissen wir eben auch noch nicht.“

Bert Wendsche (parteilos), Radebeuls Oberbürgermeister und Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, sagt zu dem angekündigten Ausgleichsgeld: „Meine Erfahrung ist, dass viele in der Gastronomie, die ein ordentliches Hygienekonzept haben, gar keine Almosen wollen, sondern lieber ihre Gäste bewirten möchten. Zumindest die zweite Novemberhälfte war schon immer eine gute Zeit für die Gastwirte.“ Es sei jetzt dringend geboten, zu dem Thema seitens der Bundespolitik schnell zu handeln. Wenn das versprochene Geld erst im Frühjahr komme, dann würden viele dieser kleinen Betriebe das nicht mehr überleben.

Theaterchefin: Es trifft die Falschen

In den letzten Monaten wurden Hygienekonzepte ausgefeilt, damit Theaterstücke möglichst infektionsarm über die Bühne gehen konnten. Seit Montag sind sie nichts mehr wert. Für die Chefin des Theaters Meißen Ann-Kristin Böhme treffen die neuen Einschränkungen deshalb die Falschen: „Ich kann die Entscheidung wirklich nicht nachvollziehen.“

Besonders dramatisch sei der Zeitpunkt: „Der November ist unser spielstärkster Monat - da verdienen wir unser Geld.“ Nicht nur die Schneekönigin hätte diesen Monat Premiere gefeiert; insgesamt müssen zwanzig Veranstaltungen ins nächste Jahr verschoben werden. Doch im Frühjahr ist der Kalender - schon mit bereits geschobenen Veranstaltungen - voll. Hinzu kommt, dass in den nächsten Wochen Zerstreuung besonders wichtig wäre: „Wir geben den Leuten ein Stück Auszeit vom Alltag, der ist schon anstrengend genug“, so Ann-Kristin Böhme.

Kirsten Wodniok vom Hotel Schlossberg in Meißen musste am Montag glücklicherweise keine Gäste vor die Tür setzen. Wie allgemein üblich reisten ihre Gäste am Sonntag ab. Bei den aktuellen Infektionszahlen hält sie Hotelschließungen allerdings für vollends begründet, auch wenn es einen erheblichen Mehraufwand bedeutet: Obwohl die Gäste ihr Geld zurückbekommen, müsse viel erklärt werden, wie es zurückgezahlt wird.

Mit der neuen Corona-Hilfe, die Unternehmen 75 Prozent des Vorjahresumsatzes zusichert, müsste sich der November bestreiten lassen: Denn auch wenn die meisten Kosten weiterlaufen, würden nicht unerhebliche Ausgaben für Frühstück und Putzkräfte wegfallen, heißt es vom Hotel.

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Auch für Alexander Malt vom Filmpalast Meißen kommt der Lockdown zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: „Herbstzeit ist Kinozeit“, bestätigt Malt. In keinem anderen Monat klingelt die Kinokasse so oft. Im Oktober waren die Kinosäle teilweise so voll, dass Besucher wieder nach Hause geschickt werden mussten. Doch Malt befürchtet, im Dezember daran nicht wieder anknüpfen zu können: Denn der Lockdown könnte dazu führen, dass internationale Verleiher ihre Starts erneut verschieben. Wer Solidarität zeigen will, könne Kinogutscheine kaufen.

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