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Zählung am Futterhäuschen

Am Wochenende schlägt die „Stunde der Wintervögel“ - zum elften Mal werden gefiederte Gäste erfasst, die sich am Haus, in Garten und Park einfinden.

Am Futterhäuschen geht es heiß her zwischen den Grünfinken, die sich gegenseitig die Körner streitig machen. Während diese Art relativ häufig ist, hatte die Blaumeise Im Frühjahr große Verluste durch ein Bakterium zu verkraften. Die Zählung am Wo
Am Futterhäuschen geht es heiß her zwischen den Grünfinken, die sich gegenseitig die Körner streitig machen. Während diese Art relativ häufig ist, hatte die Blaumeise Im Frühjahr große Verluste durch ein Bakterium zu verkraften. Die Zählung am Wo © Klaus-Dieter Brühl

Von Freitag bis Sonntag werden in Deutschland wieder die Vögel gezählt. Die Aktion des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) findet bereits zum elften Mal statt. 2020 haben sich immerhin mehr als 143.000 Menschen daran beteiligt, in Sachsen sind es rund 8.000 gewesen. Damit ist die „Stunde der Wintervögel“ die größte wissenschaftliche Mitmachaktion Deutschlands.

Und so geht es: Jeder kann eine Stunde lang die Vögel am Futterplatz, vom Garten, Balkon oder Fenster aus oder im Park zählen und dem Nabu melden. Dabei wird von einem ruhigen Platz aus von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

„Jeder kann mitmachen und uns dabei unterstützen, eine Momentaufnahme der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu erhalten“, erklärt dazu Bernd Heinitz, der Landesvorsitzende des Nabu Sachsen. „Dieser detaillierte Einblick hilft uns dabei, unsere heimischen Vögel besser zu schützen.“

Experten des Nabu konnten so anhand der langjährigen Zählung nachweisen, dass die winterlichen Vogelzahlen in den Gärten stark von der Witterung abhängen. In kalten und schneereichen Wintern kommen deutlich mehr Vögel in die Nähe der Menschen. Die lange Reihe zunehmend milder Winter führte zuletzt zu weniger gemeldeten Wintervögeln.

Ein anderer wesentlicher Faktor für die Häufigkeit, nicht nur der Wintervögel, ist ihr Lebensumfeld. Dort wo es statt ewigen Dauergrüns von Kirschlorbeer bis Lebensbaum noch heimische Hecken, Sträucher und Bäume gibt, dort ist auch das Futterangebot für die Vögel vorhanden, dort gibt es Nist- und Versteckplätze. Blumen- und Staudenrabatten, Brennnesselecken und Komposthaufen tun ein Übriges, sind sie doch Lebensraum für Insekten, die wiederum Nahrungsgrundlage für viele heimische Vögel sind.

Allerdings werden am Wochenende eher die Alles- und die Körnerfresser unter den Vögeln gezählt, die Insektenfresser sind längst im Süden. „Es sind vor allem Vogelarten, die fast jeder kennt, aber die Menschen werden durch die Zählaktion angehalten, zu beobachten und machen sich mehr Gedanken über den Schutz der Vögel“, benennt Professor Peter A. Schmidt aus dem Coswiger Ortsteil Sörnewitz einen durchaus gewünschten Nebeneffekt der „Stunde der Wintervögel“. Neben Grün- und Distelfinken und Kernbeißern, die sich ausschließlich von Samen und Nüssen ernähren, sind Allesfresser unter den gefiederten Gästen am Futterhaus. Zu diesen gehören Buntspecht, Kleiber, Kohlmeisen, Sperlinge und Blaumeisen.

Die letztgenannte Art wird besonders im Fokus der Zählung stehen: „Im vergangenen Frühjahr war in weiten Teilen Deutschlands eine von einem Bakterium ausgelöste Epidemie aufgetreten, der Tausende Vögel dieser Art zum Opfer fielen“, so der Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Nun wird mit Spannung erwartet, ob sich der Bestand an Blaumeisen im Laufe des Jahres wieder etwas erholt hat.

Je mehr Menschen sich am Wochenende also an der Aktion beteiligen, desto besser wird die Situation der Blaumeise einzuschätzen sein. Alle gesichteten Vögel können unter www.nabu.de/onlinemeldung bis zum 18. Januar eingegeben werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 9. und 10. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800 1157-115 geschaltet. Auch über die Nabu-App „Vogelwelt“ kann gemeldet werden.

www.stundederwintervoegel.de

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