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Zeitgeist aus dem Beiwagen

Rolf Pöschel feierte bei Rennen mit Seitenwagenmaschinen große Erfolge - nun ist er 93 Jahre alt geworden.

Rolf Pöschel, hier mit Andreas Huber und Werner Schwärzel (v.l.), mit seiner Seitenwagenmaschine „König“, mit der er in seinem ersten WM-Jahr 1973 mit Beifahrer Karl-Heinz Kleis Vize-Weltmeister wurde.
Rolf Pöschel, hier mit Andreas Huber und Werner Schwärzel (v.l.), mit seiner Seitenwagenmaschine „König“, mit der er in seinem ersten WM-Jahr 1973 mit Beifahrer Karl-Heinz Kleis Vize-Weltmeister wurde. © Thomas Fritzsch

Von Julian Wolf

Radebeul. Dieser Sommer und der 14. Juli vor allem hat für den DDR-Motorsportler Rolf Pöschel eine ganz besondere Bedeutung. Nicht nur feierte sein Buch mit dem Titel „Schmiermaxe“, in dem er seinen Lebensweg sowie seine Karriere auf 270 Seiten niederschrieb, in diesem Jahr fast zehnjähriges Erscheinen, sondern der Autor und Rennfahrer selbst seinen stolzen 93. Geburtstag in Coswig.

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Auf geht’s in die Erntezeit
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Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Ganz persönliche Erfahrungen von einem Neubeginn des Motorradrennsportes nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Sehnsucht der Menschen nach Einheit und Zusammenhalt während der deutschen Teilung schildert Rolf Pöschel in seinem Buch. Erlebnisvoll, aber auch sehr entbehrungsreich seien die 1940er- und 1950er-Jahre gewesen.

Auch von der Nachkriegszeit unberührte Leser erfahren viel über die Nöte der Menschen, über Probleme bei der Wiederherstellung der Rennstrecken und die technischen Entwicklungen in der Zeit des völligen Neubeginns.

Rolf Pöschel - das Dresdner Urgestein - fuhr zwischen 1949 und 1957 im Gespann als Beifahrer von vielen bekannten Sportlern wie Willi Krenkel, Fritz Suhbier, Karli Pusch, Max Deubel und Friedrich Staschel. Auf der Straße, Sand- und Grasbahnen absolvierte Rolf Pöschel mehr als 75 nationale und internationale Meisterschafts- und Pokalrennen, fuhr unter anderem schon auf dem Schleizer Dreieck sowie dem Hockenheimring. Dabei erreichte der inzwischen 93-Jährige mehr als 30 Podiumsplätze, wurde dreimal DDR-Meister, viermal DDR-Vizemeister und DDR-Bergmeister.

Der Vater weckte die Leidenschaft

Die Leidenschaft für den Rennsport wurde ihm wohl in die Wiege gelegt. Rolf Pöschels Vater Erich war in der Vorkriegszeit schon im Seitenwagenrennsport unterwegs. Als Erich Pöschel, damals Werkstattbesitzer für Autos und Motorräder, im Jahr 1949 Gründungsmitglied des Motorsportclubs Dresden wurde, war das auch der Karriereanfang des jungen Autoschlossers Rolf Pöschel.

Auch heute erfreut sich der gebürtige Dresdner, der seit einigen Jahren mit seiner in Lippersdorf im Erzgebirge geborenen Ehefrau Helga in Coswig lebt, noch immer an dem Motorsport und dem Seitenwagenfahren. So war er nicht zuletzt beim Dreieckrennen in Zschorlau zu Gast und unterhielt das Publikum dort mit seinen Anekdoten und Erfahrungen aus den vergangenen Jahrzehnten.

Dass sein Leben jedoch überhaupt in Buchform erscheinen konnte, hat er seinem Neffen Lothar Herrmann zu verdanken, mit dem er gemeinsam auch den Text des Buches verfasste. Lothar Herrmann, Inhaber einer Druckerei, ließ die Biografie erscheinen, was sich nach finanziellen Gesichtspunkten großer Verlage sicher nicht gerechnet hätte.

Lob für das Buch von Fachleuten

Die Zeitschrift „Motorrad-Gespanne“ bezeichnet „Schmiermaxe“ als „ein schönes Buch, das den Zeitgeist aus dem Beiwagen heraus beschreibt“.

Im Buch „Schmiermaxe“ erzählt Rolf Pöschel von seinen Erfolgen als Seitenwagenpilot und lässt ein Panorama der Nachkriegs-DDR lebendig werden.
Im Buch „Schmiermaxe“ erzählt Rolf Pöschel von seinen Erfolgen als Seitenwagenpilot und lässt ein Panorama der Nachkriegs-DDR lebendig werden. © Repro SZ

Mit Rennen, etwa auf Halle-Saale-Schleife, dem Leipziger Stadtpark Rund um das Scheibenholz, dem Erfurter Doppelring, dem Stralsunder Bäderrennen, dem Teterower Bergring, der Autobahnschleife Dessau, der Sandbahn Leipzig-Panitzsch, der Autobahnspinne Dresden-Hellerau, der Avus in Berlin, der Trabrennbahn Berlin-Karlshorst, dem Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal, die es heute vielfach nicht mehr gibt. Doch nicht nur bei Motorrad-Interessierten hinterlässt das Buch einen bleibenden und bewegenden Eindruck. Als eine akkurate Aufzeichnung als Teil der Zeitgeschichte erfahren auch junge Leute etwas über das Leben im geteilten Deutschland.

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