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Radeburger Bibo inspiriert junge Leser

Wie entsteht ein Bilderbuch? Das haben Profis ganz praktisch gezeigt und mit Kindern eine fetzige Geschichte entwickelt.

© Arvid Müller

Von Ulrike Keller

Radeburg. Was kann Bilderbuchmacher Hans-Christian Schmidt froh sein in diesem Moment. Froh, dass gemalte Motive nicht schnuppern. Ansonsten würde er wahrscheinlich ziemlich die Nase rümpfen. Und sein sitzender Compagnon Andreas Német würde zumindest zu Flachatmung übergehen. Denn was er in der Hand hält, ist ein gutes Dutzend kreative Werke, auf denen es ausschließlich um ein dauerpupsendes Mädchen geht.

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Auf Papier gebracht wurde es von 26 Vorschulkindern der Radeburger Kita Sophie Scholl. Sie sitzen hellwach in der Stadtbibliothek Radeburg und sind neugierig darauf zu erfahren, wie eigentlich ein Bilderbuch entsteht. Die Veranstaltung ist Teil des Projekts „Kilian – Kinderliteratur anders“. Organisiert wird das vom Bibliotheksverband Sachsen und gefördert vom Kultusministerium.

Die beiden coolen Typen vorn haben schon viele Bilderbücher zum Leben erweckt. Hans-Christian Schmidt ist dabei der, der mit Buchstaben jongliert, und Andreas Német der, der das Spiel mit Pinsel und Farben beherrscht. Den Kindern aus der Kita des Kinderschutzbunds einfach nur etwas zu erzählen über ihr Spezialgebiet, ist ihnen zu langweilig. Die Mädchen und Jungen sollen es selbst ausprobieren. Am Beispiel einer eigenen Geschichte. Die es so noch nicht gibt auf der Welt.

Die Kleinen müssen nicht lang überlegen, wer ihre Hauptfigur sein soll. Ein verfressenes und dauerpupsendes Mädchen läuft ihren beiden anderen Ideen in der Abstimmung eindeutig den Rang ab. Wenngleich die anderen nicht minder einfallsreich sind: ein fliegender und superdoofer Gummistiefel, der ständig gegen den Stuhl kracht, und ein extrem schlaues Krokodil, das Plinsen ebenso reichlich verschmaust wie Bücher.

„Jetzt suchen wir Anfang und Ende der Geschichte und jeweils einen Ort“, erklärt Andreas Német. „Wo könnte die Handlung beginnen?“ In Küche, Bad, ...? „In der Kita im Bad“, sind sich die Knirpse rasch einig. „Je weiter weg die Geschichte jetzt endet, desto mehr kann passieren“, regt Hans-Christian Schmidt an. Die Vorschläge aus den Stuhlreihen lauten England, Österreich, Frankreich, Rabu. „Was ist denn das?“, erkundigt sich der Texter. „Na Fasching“, klärt ihn ein Steppke auf. Die Wahl fällt auf England mit der Königin und ihrem Schloss.

„Fehlt nur noch eine Kleinigkeit“, stellen die Profis fest: Das, was zwischen Anfang und Ende passiert. Abermals sind die Ideen der Vorschüler gefragt. Und die fließen nach anfänglichem Zögern nur so auf die ausgeteilten Blätter. „Die Kinder sind gut drauf“, sagt Hans-Christian Schmidt begeistert. In manchen Veranstaltungen fiele den Mädchen und Jungen nur noch Star Wars und Co. ein, aber hier sei richtig viel Fantasie anzutreffen. „Das hängt auch sehr von den Erziehern ab“, ist er überzeugt.

Und die Fachkräfte der Kita Sophie Scholl vom Kinderschutzbund sind engagiert bei der Sache. Schon vergangenes Jahr hat die Einrichtung mit ihren größeren Knirpsen regelmäßig die Stadtbibliothek besucht, kennengelernt, sich mit Büchern beschäftigt und gebastelt.

Auf diese Weise hofft auch Bibo-Leiterin Carola Zeidler, kontinuierlich Lesernachwuchs zu gewinnen. 102 der aktuell 460 angemeldeten Nutzer sind zwölf Jahre alt oder jünger. „Seit etwa zehn Jahren ist es schwieriger geworden, junge Leute für die Bibliothek zu interessieren“, stellt sie fest. Selbst für die Hausaufgaben informierten sich Schüler heute überwiegend im Internet statt in gedruckter Literatur. Und einen Rechner hat fast jeder zu Hause stehen. „Früher führten wir Wartelisten für unsere zwei Computer“, erinnert sie sich.

Auf den Gemälden der Vorschüler gibt es Wälder, Boote und Haie, Dinos, Blumenwiesen, Flugzeuge, Lkws, Labyrinthe, Paketdienste und sogar Kampfflugzeuge zu entdecken. „Das wird ein klasse Buch“, loben die beiden Experten.

Dann wartet der entscheidende Moment der Veranstaltung: Die Blätter müssen in die richtige Abfolge gebracht werden. Dafür sollen sich die Kinder mit ihrem Bild selbst zwischen den Stationen Radeburg und England verorten und gucken, ob sie mit ihrer Facette der Geschichte auch zwischen ihren Nachbarn korrekt stehen.

In dieser Reihenfolge bilden alle einen Kreis. Und jeder erzählt die Geschichte mit dem, was er gemalt hat, ein Stück weiter. „Wir haben’s geschafft“, jubeln die Buchmacher. Applaus. „Und der Titel?“, erkundigen sich die Profis. Verblüffte Blicke. „Na ‚Pupsi fährt nach England‘“, sagt ein Kind wie selbstverständlich. Breite Zustimmung. Auch die zwei Spezis nicken.