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Radeln auf den Spuren von Scherbel-Alfred

© privat

Bei der archäologisch-heimatkundlichen Radtour blieb vieles diesmal unsichtbar. Doch Hobbyausgräber Alfred Mirtschin hat dennoch gute Vorarbeit geleistet.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Landkreis. Ja, das waren damals noch Zeiten, als die Meldekette gut funktionierte. Lange war sie eingeübt worden. Besonders in den 1920er bis 40er Jahren bekam der damalige Riesaer Lehrer und Museumsleiter Alfred Mirtschin Hinweise von Schüler, Lehrern oder Gutsbesitzern, dass im Boden etwas gefunden wurde. Zwischen 1923 und 1962 hat der Riesaer als ehrenamtlicher Bodendenkmal-Pfleger damit eine der größten Altertümer-Sammlungen in Sachsen zusammengetragen. Die diesjährige Radtour mit den Archäologen Michael Strobel und Thomas Westphalen machte an all den Orten Station, die Scherbel-Alfred, so sein Spitzname, akribisch dokumentiert hat: Bauda, Peritz, Marksiedlitz, Streumen, Wülknitz, Lichtensee und Koselitz. „Heute stehen wir vor dem Unsichtbaren“, so Strobel. Aber auf großen Karten kann er wie jedes Jahr die damaligen Fundstücke und Mirtschins Veröffentlichungen zeigen. So gewinnen die Interessenten Einblicke in die Besiedlung der Gegend bis zurück ins dritte Jahrtausend vor Christus. 41 Radler fuhren diesmal mit.

Rituelle Weihegaben für die Götter

Kurzweilig und allgemeinverständlich erklären die Herren vom Landesamt für Archäologie bzw. von der Archäologischen Gesellschaft auch diesmal, wie die Dolchklingen und Halsringe, die keramischen Gefäße oder Lanzenspitzen in die Erde gekommen sein könnten: Sie sind Hinterlassenschaften von Siedlungen oder Friedhöfen. Sie können aber auch aus rituellen, also kultischen Gründen vergraben worden sein. Selbst einen solchen „Hortfund“ aufzuspüren, davon träumt Michael Strobel noch. Deshalb ist ihm die Meldekette ins Landesamt so wichtig, nicht nur von den Baubetrieben, die ins Erdreich eingreifen.

Auf der 40-Kilometer-Radtour ab Großenhain lagen allerdings auch noch sichtbare Zeugen der Vergangenheit: Die Radler fuhren teilweise entlang des Grödel-Elsterwerdaer-Floßkanals, der 21,4 km lang ist. 1742 bis 1750 wurde er gebaut, um Holz aus dem Schraden bis zu Elbe zu flößen. Etwa 100 Jahre war er in Betrieb, dann übernahm die Eisenbahn diese Aufgabe. Noch heute kann man nachvollziehen, dass mit Hilfe von drei Schleusen zehn Höhenmeter überwunden wurden. Eine fünfköpfige Besatzung treidelte damals die Kähne bis zum königlichen Holzhof in Grödel an der Elbe.

Die Obelisken des Zeithainer Lustlagers von 1730 auf Glaubitzer Flur liegen ebenfalls am Weg der Radtour. Wer´s noch nicht weiß, erfährt so manches Bonmot über diese gigantische Infrastrukturmaßnahme Augusts des Starken. Das Gelände war damals von 250 Freiberger Bergleuten sowie 500 Bauern aus der Umgebung vom Wald gerodet und anschließend planiert worden.

In 1000-jährigen Tiefenau bekamen die Radler eine Führung durch die Schlosskapelle von Pfarrer i. R. Heiner Sandig. Erfreulich war zu hören, dass das 1948 gesprengte Schloss als Hotel wiederaufgebaut werden soll, ein Feriendorf geplant ist. Sandig würde es freuen, denn damit gäbe es auch Gastronomie für die Musikliebhaber, die zu Konzerten in die kleine Kirche kommen. Er weiß, dass die Farben hier ähnlich denen in der Dresdner Frauenkirche sind – nur dezenter. „Am 13. August 2017 feiern wir das 300-jährige Bestehen der Schlosskapelle“, lädt Heiner Sandig die Radler ein.