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Radeln für die Jobs

Am Freitag starteten Siemens-Mitarbeiter in Görlitz. Los ging es mit Beistand von Bischöfen und OB.

© Nikolai Schmidt

Von Sebastian Beutler

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Görlitz. Zum Start am Freitagmorgen spürten die 35 Teilnehmer der Siemens-Radtour gleich, wie es um ihr Werk steht: Ein böiger Wind blies ihnen frontal ins Gesicht. Doch ließen sie sich davon nicht abhalten. Schon gleich nach der Schließungsnachricht im November hatte die Belegschaft im Görlitzer Turbinenwerk einen Staffellauf nach München als Protestaktion vorgeschlagen. Daraus ist nun die Radtour geworden. Sie führt über 550 Kilometer nach München. Zum Start um 8 Uhr hatte sich gestern auch Oberbürgermeister Siegfried Deinege vor dem Siemens-Werktor eingefunden, die traditionellen Trommler verabschiedeten die Radler ebenso. Die Unterstützung für diese Aktion ist groß: So hat das Autohaus Arndt einen Mazda als Begleitfahrzeug und zur Verfügung gestellt und gestaltet. Die ersten Meter der Radfahrer begleiteten auch der katholische Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, und der evangelische Generalsuperintendent Martin Herche auf dem Rad. Herche hatte sich topausgerüstet gezeigt: mit Wetterjacke und Fahrradhelm. Beide setzten damit ein weiteres Mal ihre Verbundenheit mit den Siemens-Mitarbeitern unter Beweis, die seit Mitte November gegen die drohende Schließung des Werkes 2023 protestieren.

Erinnerungsfoto am Freitagnachmittag an der Dresdner Waldschlößchenbrücke
Erinnerungsfoto am Freitagnachmittag an der Dresdner Waldschlößchenbrücke © privat
In Gersdorf-Schenkhäuser grüßten die Zaungäste auch mit diesem Plakat die Fahrergruppe.
In Gersdorf-Schenkhäuser grüßten die Zaungäste auch mit diesem Plakat die Fahrergruppe. © privat

Dabei mehren sich die Zeichen, dass eine Schließung auch von der Siemens-Spitze nicht mehr angestrebt wird. So hatte Siemens-Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser in dieser Woche am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davas erklärt, man werde Görlitz nicht hängen lassen. Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, legte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Freitag nach. Zwar stärkte er dem Vorstand den Rücken für die Sparpläne in der Kraftwerkssparte. „Nur ein dauerhaft starkes Unternehmen ist überhaupt in der Lage, seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, Steuern und Abgaben zu tragen und Arbeitsplätze zu schaffen“, rechtfertigte er die Pläne, die die Schließung von Werken in Görlitz, Leipzig und Offenbach vorsehen. Zugleich erklärte er aber auf die Frage, ob gleich ein Standort geschlossen werden müsse oder ob man dem Turbinenwerk in Görlitz nicht andere Aufgaben aus dem reichhaltigen Siemens-Portfolio geben könne, Folgendes: „Gehen Sie davon aus, dass wir den kompletten Fächer der sozialverträglichen Lösungen in Betracht ziehen und darüber hinaus noch andere zukunftsfähige Optionen uns anschauen; auch die von Ihnen genannte.“ Derweil berichtet das Manager-Magazin, dass Siemens angesichts der Steuerreform in den Vereinigten Staaten eine neue Generation von Gasturbinen entwickeln will.

Das Ziel der Siemens-Radfahrer hieß am Freitagabend Colditz – nach 180 Kilometern. „Es ist die längste Strecke“, erklärte Christoph Scholze vom Organisationsteam der SZ. Auf der Fahrt wurden sie an der Waldschlößchenbrücke von Ostsachsens IG-Metall-Chef Jan Otto empfangen. Von einer Bäckerei in Dresden erhielten sie belegte Brötchen und Tee. Am heutigen Sonnabend steht ein Zwischenstopp im Kraftwerk Chemnitz auf dem Programm. Dort steht eine Dampfturbine aus Görlitzer Produktion. Auch hier werden sie mit Tee und belegten Brötchen bewirtet. Am Sonntag ist ein Treff mit dem wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen, Frank Heidan, vorgesehen, ehe es am Montag nach Erlangen geht, wo die Kraftwerkssparte ihren Sitz hat.