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Radfahrer fühlen sich unsicher

© René Plaul

Beim Fahrradklimatest schneidet Radebeul mit der Note 4,2 ab. Nicht nur zugeparkte Radwege stören die Radler.

Von Nina Schirmer

Radebeul. Eine Vier in der Schule gilt zwar als ausreichend. Grund zur Euphorie gibt es bei dieser Zensur aber nicht. Ähnlich schätzen die Radfahrer die Situation in Radebeul ein. Bei einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) geben sie der Lößnitzstadt die Note 4,2.

Zum dritten Mal wurde der Fahrradklimatest auch für Radebeul erhoben. 119 Bürger haben teilgenommen und nach Schulnoten in 27 Kategorien die Fahrradfreundlichkeit der Stadt bewertet. Im sächsischen Vergleich von Kommunen der gleichen Größe landete Radebeul auf Platz 10 von 17. Im bundesdeutschen Vergleich auf Platz 312 von 364.

Negativ bewerten die Radebeuler das Sicherheitsgefühl beim Fahrradfahren durch die Stadt. Auch die Qualität der Radwege schneidet nicht gut ab. Die Umfrageteilnehmer fühlen sich von Hindernissen auf den Fahrradstreifen gestört. Zum Beispiel wenn dort Mülltonnen abgestellt werden. Bei Baustellen sollte die Stadtverwaltung keine Schilder auf den Radweg stellen, sagt Konrad Krause, Vorsitzender des ADFC Sachsen bei einer Gesprächsrunde im Fraktionsbüro der Grünen in Radebeul.

Er sieht die Stadt auch in der Pflicht, Falschparker auf Radwegen konsequent zu mahnen. Diesen Aspekt bewerten die Radebeuler Umfrageteilnehmer mit einer glatten Fünf – das schlechteste Ergebnis in Sachsen. „Im Einzelfall kann es immer vorkommen, dass Autofahrer auf dem Radweg parken“, sagt Krause. „Die Frage ist aber, ob das Ordnungsamt das laufenlässt oder hinterher ist.“ Mit einer 2,9 vergleichsweise positiv bewerten die Teilnehmer, wie das Stadtzentrum mit dem Fahrrad zu erreichen ist.

Ein wichtiges Thema ist laut Krause auch die Freigabe von Einbahnstraßen für Radfahrer. Ein Besucher der Diskussionsrunde hat auch gleich Vorschläge, wo Einbahnstraßen freigegeben werden könnten. Im unteren Teil des Augustusweges, in der Harmoniestraße oder in der Hauptstraße, findet er. Allerdings kann nicht einfach jede Einbahnstraße für Radfahrer geöffnet werden. Bedingungen wie eine 30er-Zone oder ein geringer Schwerlastanteil müssen erfüllt sein.

Kritik gibt es vonseiten der Grünen, weil Radebeul zwischen 2014 und 2016 keine Fördergelder beim Land für die kommunale Radverkehrsinfrastruktur beantragt habe. Die Straßenbauverantwortliche Marlies Wernicke erklärt dazu: „Der einzige separat geführte somit förderfähige Radwegabschnitt, welcher eines grundhaften Ausbaus bedarf, ist der Radweg Am Gottesacker.“ Dieser diente als Umleitung während des Ausbaus der Kötzschenbrodaer Straße, weshalb die Förderung erst für 2017 beantragt werden konnte.

Dass der Radweg nun in diesem Jahr kommen soll, freut die Radler. Allerdings haben sie auch die Befürchtung, dass viele Autofahrer die Strecke nutzen, wenn sie erst asphaltiert ist. Ein Poller an einem Ende würde das verhindern, rät ADFC-Vorsitzender Krause.

Die Diskussionsteilnehmer wünschen sich auch mehr Stellplätze, wie es sie am Bahnhof in Ost bereits gibt. An der Forststraße wären Unterstellmöglichkeiten gut, sagt eine Frau. Viele Pendler würden bis dahin gerne mit dem Fahrrad fahren und dann in die Bahn umsteigen. Auch am Haltepunkt Weintraubenstraße wünscht sie sich Stellplätze.