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Radler in Not

Der Elberadweg bei Pirna-Oberposta ist wegen Kanalbau dicht. Radfahrer ignorieren das, die Baufirma ist sauer. Was wäre eine Alternative?

© Daniel Schäfer

Von Mareike Huisinga

Donnerstagmorgen, Pirna, Oberposta. Eine Radlerin kommt aus Copitz und will weiter in Richtung Wehlen. In Höhe des Hauses Nummer 46 steht sie vor einer rot-weißen Absperrung. Eindeutig: Weder Autos dürfen hier durch, noch Radfahrer. Das beeindruckt die Radfahrerin jedoch wenig, sie tritt kräftig in die Pedale, um sich nach rund 300 Metern an der Baustelle vorbeizuquetschen. Zwischen Bagger und Grundstückshecke ist es verdammt eng.

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Die junge ist Frau keine Ausnahme, bestätigt Ute Ullrich von den Stadtwerken Pirna (SWP). „Die Beschilderung wird bedauerlicherweise häufig ignoriert“, sagt sie auf SZ-Anfrage. Im Auftrag der SWP wird seit April in Oberposta ein Abwasserkanal verlegt. Aus diesem Grund ist der Radweg rechtselbisch zwischen Stadt Wehlen und Copitz nicht mehr durchgängig befahrbar. Die Radler müssen sich eine andere Strecke suchen. Eigentlich.

Dass die Sperrung auf wenig Gegenliebe stößt, hat auch der Vorarbeiter der beauftragten Baufirma Eurovia vor Ort beobachtet. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. „Ganz schlimm sind die Rennfahrer, die nehmen überhaupt keine Rücksicht und brettern hier einfach so durch“, sagt er. Allerdings kämen auch viele Radtouristen, die ebenfalls die Sperrung ignorierten. Erst vor kurzem sei eine Schulkasse vorbeigekommen. „Da fragt man sich, wie die Lehrerin den Verkehrsunterricht gestaltet“, meint der Baufachmann mit ironischem Unterton.Auf Streit legt er es mit den Falschfahrern allerdings nicht an. „Ich weise jeden darauf hin, dass die Durchfahrt nicht gestattet ist.“ Das sehen viele auch ein, dennoch seien sie nicht bereit umzukehren.

Sie können den Elberadweg auf der anderen Seite des Flusses nutzen, müssten dazu allerdings in Wehlen mit der Fähre übersetzen. Das kostet Geld. Oder sie fahren über Mockethal und Dorf Wehlen. Eine anstrengende, weil bergige Strecke. Die Baufirma aber kostet jeder Radler, der sich durch die Baustelle quetscht, Zeit. Um niemanden zu gefährden, muss der Bagger einen Stopp einlegen. „Sonst ist es zu gefährlich“, erklärt der Vorarbeiter. An schönen Tagen, wenn besonders viel auf dem Radweg los ist, komme leicht eine Verzögerung von einer Stunde zusammen. „Ärgerlich“, lautet sein Kommentar.

Ebenso hätten sich Anwohner bereits beklagt, da die Radfahrer ihre Drahtesel im Baustellenbereich über Privatgrund schieben. Das hat auch Albert Jäger bemerkt, der ein Haus an der Elbe in Oberposta besitzt. Allerdings sieht er die Angelegenheit gelassen. „Es stört mich weniger“, meint der Pensionär tolerant und winkt ab.

Die Stadtverwaltung Pirna will das Verbot möglichst durchsetzen. Auf Bitten der Stadtwerke ließ das Rathaus jetzt zwei große Plakate an der Stadtbrücke sowie am Ortseingang von Posta nahe dem Hotel Elbparadies aufstellen. Die Transparente weisen darauf hin, dass die Sperrung in Oberposta auch für Radfahrer gilt. „Denn die Baustelle kommt jetzt in eine Phase, wo definitiv keiner mehr durchfahren kann“, erklärt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel.

Dabei war die Sperr-Ankündigung zunächst nicht ganz eindeutig. Im Vorfeld hatten die Stadtwerke zugesichert, dass Fußgänger die Baustelle passieren dürfen. Heißt im Umkehrschluss: Wenn ein Radfahrer absteigt und an der Baustelle vorbeischiebt, dann wäre das eigentlich okay.

Doch das sehen die Stadtwerke anders. Die Sperrung gelte für alle, sagt Ute Ullrich. Nur für die Anlieger im unmittelbaren Baufeld würden Ausnahmen gemacht, damit sie ihre Grundstücke erreichen. „Die Anzahl der Fahrradfahrer ist bei gutem Wetter ein erhebliches Arbeitshindernis und Sicherheitsrisiko“, betont die SWP-Sprecherin. Mit den an der Pirnaer Stadtbrücke aufgestellten großen Zusatzschildern soll nun ein klarer Hinweis gegeben werden, dass in Oberposta Schluss ist. Auch an Wochenenden. „Die partielle Beräumung und Sicherung der Baustelle zum Feierabend und an Wochenenden dient lediglich dazu, Feuerwehr und Rettungswagen durchzulassen“, sagt Ute Ullrich. Sie weist darauf hin, dass die Mitarbeiter der Baufirma berechtigt seien, die Verkehrsregelung vor Ort durchzusetzen. „Personen, die den Anweisungen nicht Folge leisten, machen sich gegebenenfalls strafbar.“

Insgesamt verlegen die Stadtwerke entlang der Elbe rund drei Kilometer Abwasserkanal zwischen Niederposta und dem Haus Oberposta 65 an der Stadtgrenze zu Wehlen. Gebaut wird bis 2020 in zwei Abschnitten. Anlieger erreichen ihre Grundstücke bis zum Baufeld bzw. über die ausgewiesene Umleitung über Mockethal und Wehlen.