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Sport

Radprofi nur zu Besuch

Marcel Kittel fährt nicht bei der Tour de France mit. Er ist am Wochenende trotzdem zu Gast. Der Thüringer schwankt zwischen Comeback und Rücktritt.

Marcel Kittel sitzt derzeit nicht im Rennsattel. © dpa/David Stockman

Champagney. Er unternahm Radtouren durch den Thüringer Wald. Marcel Kittel hatte viel Zeit für seine schwangere Lebenspartnerin Tess von Piekartz. Er genoss den Abstand zum Profiradsport.

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Doch am Wochenende kehrt der 31-Jährige zwei Jahre nach seinem letzten Etappenerfolg zu dem Rennen zurück, das ihn zum internationalen Star gemacht hat. Er besucht als Gast der ARD die 106. Tour de France. Die Branche wartet gespannt, ob der Arnstädter Neuigkeiten im Gepäck hat.

Noch hat er nicht entschieden, wie es für ihn weitergeht. Gibt es ein Comeback oder nicht? Im Moment sind beide Varianten möglich. Der Thüringer muss für sich vor allem die Frage nach der Motivation beantworten. Ist der beste deutsche Sprinter der vergangenen Jahre noch einmal dazu bereit, alle Entbehrungen auf sich zu nehmen, um wieder Rennen gewinnen zu können?

Fraglos würden es einige Mannschaften als reizvoll empfinden, ihn auf dem Weg zurück zu begleiten. Der niederländische Jumbo-Visma-Rennstall mit Kittels Freund Tony Martin hat diese Absicht offen kundgetan, und auch wenn Kittel sich dort als Sprinter Nummer zwei hinter dem Niederländer Dylan Groenewegen einreihen müsste, käme er in ein offenkundig sehr stimmiges Gebilde.

Martin hebt die gute Atmosphäre immer wieder hervor. Die Erfolge bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt mit zwei Tagessiegen und dem zwischenzeitlichen Gelben Trikot für Mike Teunissen sprechen außerdem für sich. "Es würde mir Spaß machen, wieder mit ihm zu fahren", sagte Martin über Kittel. Auch Groenewegen äußerte sich bereits positiv.

Ein Rennstall macht ihm ein Angebot

Ein entscheidender Faktor könnte Merijn Zeeman, der Sportdirektor des Teams, sein. Er erkannte einst die außergewöhnliche Sprintbegabung Kittels und förderte sie konsequent. Der Niederländer traut Kittel die Rückkehr in die Weltklasse zu und sagte: "Körperlich schafft er das. Die Frage ist, ob er das gleiche Feuer in sich hat. Nur Marcel kann diese Frage beantworten."

Das Feuer war zuletzt erloschen. Die andauernden Querelen und Unstimmigkeiten bei Katusha-Alpecin hatten Kittel so zugesetzt, dass er im Mai die Reißleine zog und seinen Vertrag auflöste. Kittel brauchte dringend eine Auszeit. Öffentlich entflammt war der Disput bei der großen Schleife 2018, als er von Katusha-Alpecin-Sportdirektor Dmitri Konyschew heftig kritisiert worden war.

Trotz wiederholter Absichtserklärungen beruhigte sich die Lage nicht mehr. Auch die Entscheidungen des Teams, den Belgier Dirk Demol als Sportdirektor an Kittels Seite zu platzieren und Erik Zabel als Performance Manager einzustellen, fruchteten nicht. Die Trennung war alternativlos. "Ich würde mich freuen, ihn wieder auf der Rennstrecke zu sehen", sagte der ehemalige Mannschaftsgefährte Rick Zabel.

Katusha-Alpecin steht nun aufgrund der anhaltenden Erfolgslosigkeit und wachsenden Unzufriedenheit bei Sponsoren wie dem Shampoohersteller Alpecin oder Radsponsor Canyon vor dem Aus. Kittel dürfte die bedrohliche Situation seiner einstigen Rennstallkollegen wie Zabel oder Nils Politt bedauern. Sie betrifft ihn aber nicht mehr.

Vielmehr kann er sich bei seinem Besuch an schöne Augenblicke erinnern. Die Stippvisite startet beinahe auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem letzten Etappensieg. Am 12. Juli 2017 bejubelte Kittel seinen 14. Tageserfolg. Es war der fünfte Triumph bei der damaligen Auflage. Ob er Momente wie diese noch einmal aufleben lassen will, liegt jetzt in seinen Händen. (sid)