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Sport

Radstar Kittel beendet Karriere

Nach dem Aus bei der Katusha-Alpecin-Mannschaft sieht der Arnstädter im Profigeschäft keine Motivation mehr und weiß schon, was er künftig macht.

Marcel Kittel verabschiedet sich von seinen Fans.
Marcel Kittel verabschiedet sich von seinen Fans. © dpa/David Stockman

Köln. Der Kopf will nicht mehr. Der Körper hat genug von der Schufterei, und mit dem Herzen ist Marcel Kittel schon lange nicht mehr dabei. Deutschlands bester Sprinter des vergangenen Jahrzehnts hat einen Schlussstrich gezogen und mit nur 31 Jahren seine Karriere als Radprofi beendet. "Ich bin durch damit", sagte er. "Ich habe die Freude an dem Sport verloren und damit jede Motivation, mich weiter zu quälen."

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Mit Steven Rupprich bleibt ein weiterer Stammspieler der vergangenen Jahre dem Team von Eislöwen-Cheftrainer Bradley Gratton erhalten. 

Sein Entschluss kommt nicht überraschend. Im Mai hatte der Arnstädter seinen Vertrag beim Katusha-Alpecin-Rennstall aufgelöst und eine Auszeit vom Profigeschäft genommen. Daraus wurde nun der Abschied - zwei Jahre, nachdem er mit fünf Etappenerfolgen bei der Tour de France 2017 der strahlende Held gewesen war.

"Es war ein langer Prozess", sagte der Thüringer, und lange hat er mit sich gerungen. Noch einmal einen Anlauf wagen, beim niederländischen Jumbo-Visma-Team mit seinem Kumpel Tony Martin, einer Mannschaft mit hohem Wohlfühlfaktor? Doch letztlich sah der deutsche Tour-de-France-Rekordetappengewinner keine Perspektive, keinen Reiz, nichts Schönes mehr im Profidasein.

"Da gab es nicht viel links und rechts. Familie, Freunde, alles ist zu kurz gekommen. Dazu die permanente Müdigkeit und Routine. Ich habe diesen Verlust an Lebensqualität immer mehr realisiert", sagte Kittel.

Erstmals seien im "Seuchenjahr" 2015 Zweifel aufgetaucht, als er krankheitsbedingt monatelang durchhing. Tage habe es damals gegeben, da sei er zehn Kilometer gefahren, "dann habe ich geheult und bin wieder umgedreht". Kittel suchte psychologische Hilfe. Dennoch blieb die Frage: "Warum mache ich das eigentlich?"

Lange sorgten Erfolge für eine zufriedenstellende Antwort, beim Vorläufer des heutigen Sunweb-Rennstalls, bei dem Kittel ab 2011 in die Weltklasse vordrang, wie beim Quick-Step-Team, bei dem er 2016 und 2017 hochbezahlter Star war. Mit dem Wechsel 2018 zur Katusha-Alpecin-Mannschaft, die sich mit Fahrern wie Kittel und Martin einen bekannten deutschen Anstrich verpassen wollte, begann der Niedergang.

Die öffentliche Kritik trifft ihn sehr

"Meine Erfahrung bei Katusha-Alpecin war nicht der Grund, aber der Anstoß, darüber nachzudenken, was mir wichtig ist", sagte Kittel. Drei Siege feierte er im Katusha-Alpecin-Trikot. 26 waren es in zwei Quick-Step-Jahren. Kittel wurde öffentlich als faul und geldgierig an den Pranger gestellt. Wie sehr ihn das traf, ließ er erst jetzt durchblicken.

"Ich habe kein Vertrauen gespürt, sondern nur Druck, Druck, Druck", sagte Kittel, der schon die Premierensaison 2018 vorzeitig ausgebrannt beendete. "Der ganze Stress hat sich körperlich ausgewirkt. Ich fühlte mich krank, saß mit einem Stein im Magen auf dem Rad." Der Abschied vom Team war zwangsläufig: "Am Ende bin ich nur noch unglücklich gewesen, war mit den Nerven durch."

Glück will Kittel in einer radsportfreien Zukunft finden. Ab dem Wintersemester studiert er an der Uni Konstanz Wirtschaft. Im November werden er und seine Lebensgefährtin Tess Eltern - auch das ein Grund für den Rücktritt: "Als Radfahrer bist du 200 Tage im Jahr unterwegs. Ich möchte meinen Sohn nicht über Skype aufwachsen sehen."

Langjährige Weggefährten bedauern Kittels Schritt. "Er ist der weltbeste Sprinter, hätte noch viele Radrennen gewinnen können", sagte Martin. Der gemeinsame Manager Jörg Werner sagte: "Er hat einen ganzen Sack voller Talent. Ich glaube, er würde noch fahren, wenn es bei dem Team anders gelaufen wäre."

Kittel weiß den Zuspruch zu schätzen: "Es rührt mich, dass es alle schade finden, aber nur deshalb kann ich ja nicht weiterfahren." (sid)