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Radverkehr in der Neugasse?

Der Stadtrat wollte die Straße in beiden Richtungen eigentlich schon frei gegeben haben.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

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Meißen. Für die Stadtratssitzung am 31. Januar lag ein Beschlussvorschlag auf dem Tisch: „Der Stadtrat beschließt, die Neugasse zwischen der Einmündung Wettinstraße und der Einmündung Roßmarkt/Hahnemannsplatz für den Radverkehr in beiden Richtungen freizugeben.“ Das ist der Kern des gemeinsamen Vorschlags der Fraktionen von CDU und Freie Bürger/SPD/Grüne.

Danach soll künftig in Richtung Wettinstraße – Roßmarkt/Hahnemannsplatz ein Radfahrstreifen angelegt und durch eine farbige Markierung gekennzeichnet werden. Stadtauswärts, in Richtung Talstraße, sollen die Radfahrer mit den Autos gemeinsam im fließenden Verkehr mitgeführt werden. Allerdings war dieser Beschlussvorschlag dann wieder von der Tagesordnung der Stadtratssitzung genommen worden, weil es zuvor im Bauausschuss keinen Beschluss in der Sache gegeben hatte. „Es gibt Widerstände im Bauausschuss, manche dort wollen die Freigabe der Neugasse für den Radverkehr torpedieren“, sagt Heiko Schulze, der Chef der Fraktion Freie Bürger/SPD/Grüne. Im Bauausschuss wurde erklärt, dass es bis März mehrere Treffen mit Mitwirkenden des Arbeitskreises Radverkehr sowie mit Verkehrsexperten geben solle. Zusätzlich wollte Oberbürgermeister Olaf Raschke die Meinung der Bürger zu dem Thema hören und prüfen, ob eine Bürgerversammlung im Ratssaal abgehalten werden könnte.

Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung zum aktuellen Stand erklärte Michael Eckardt vom Büro des Oberbürgermeisters: „Zur Thematik gibt es keinen neuen Sachstand, da nach meiner Kenntnis bisher keine neuen Treffen der AG Radverkehr stattfanden. Die vom Oberbürgermeister in Aussicht gestellte Bürgerinformationsveranstaltung wird für einen noch zu bestimmenden Termin im April vorbereitet.“

Heiko Schulze erklärt, dass der Arbeitskreis Radverkehr noch zu keinem Thema wie der Neugasse so viel und intensiv beraten hat. In der Beschlussvorlage für den Stadtrat wird denn dazu auch ausgeführt: „Die verkehrliche Lösung basiert auf der gutachterlichen Einschätzung von Frau Dipl.-Ing. Maria Pohle, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für integrierte Verkehrsplanung und Stadtverkehrstechnik an der TU Dresden.“ Diese Einschätzung sei zudem vom Ordnungsamt und der Bauverwaltung auf ihre Machbarkeit hin überprüft worden.

Er habe sich in Heidelberg und Schwetzingen Radverkehrswege im Autogegenverkehr angesehen, „das ist dort völlig normal“, hatte Heiko Schulze gegenüber der SZ erklärt. Und Berlin würde ohne Dutzende solcher Regelungen den Straßenverkehr nicht bewältigen. Auf Nachfrage bei der Stadt Heidelberg erklärte die zuständige Mitarbeiterin, Lisa Grüterich: „Die Freigabe von Einbahnstraßen für Radfahrer im Gegenverkehr ist eine seit vielen Jahren bewährte Möglichkeit, ein engmaschiges Radwegenetz mit kurzen Wegen für die beliebte und umweltfreundliche Verkehrsart zu schaffen. Die Erfahrung zeigt, dass durch die Freigabe von Einbahnstraßen das partnerschaftliche Miteinander zwischen Auto- und Radverkehr gefördert wird.“

Schon 1997 ist die Bundesanstalt für Straßenwesen zum Ergebnis gekommen, dass die Unfallzahlen nicht gegen den Radverkehr in Einbahnstraßen sprechen. Im Gegenteil, sie sind in den entsprechenden Straßen sogar zurückgegangen. Lisa Grüterich: „Mittlerweile ist eine hohe zweistellige Zahl an Einbahnstraßen in Heidelberg für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben.“

Was Meißen betrifft, hat Heiko Schulze eine Befürchtung. „Wenn es nicht gelingt, die Neugasse für den Radverkehr zu öffnen, wird dies auch bei anderen möglichen Einbahnstraßen nicht geschehen.“