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Räckelwitzerin näht Hochzeitsroben im Akkord

Für Trachtenschneiderin Petra Kupke ist die Vogelhochzeit immer etwas Besonderes – beruflich aber auch privat.

© Mathias Schumann

Von Manuela Reuß

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Petra Kupke ist seit November im Hochzeitsstress. Nicht nur ihre Nähmaschine ratterte wochenlang, auch die Sticknadel glühte förmlich. Die Räckelwitzerin zauberte im Akkord grüne Myrthe und bunte Blumenranken auf Kinnschleifen, Schultertücher und Co. Sonntagabend – kurz vor knapp – wurden die letzten Satin-Schleifen für Braut und Brautjungfer fertig. Noch schnell zwei Tücher nähen und dann ist auch schon Ultimo. Gestern wurden die Hochzeitsroben nämlich abgeholt.

Die vier kompletten Festtrachten und drei Gehröcke, die auf dem Garderobenständer in Petra Kupkes Werkstatt hängen, bekommt beispielsweise die Kita in Ralbitz. „Für diese Einrichtung hab ich bisher noch nie genäht“, verrät die Maßschneiderin. Aber auch die Kindergärten in Crostwitz, und Ostro sowie die Räckelwitzer Grundschule meldeten Ende vorigen Jahres ihre Wünsche an. Am Ende kam eine lange Bestellliste zusammen. Darauf standen unter anderem 20 bunte Schürzen, ebenso viele bestickte Schultertücher und Kinnschleifen, eine Borta – das ist der Kopfschmuck – den die Braut trägt und natürlich die dazugehörigen Schleifen. Da mussten alle anderen Aufträge erst einmal warten. Zum Beispiel auch die 15 Westen, welche die Schmerlitzer Tanzgruppe in Auftrag gab. Die Vogelhochzeit – ein wichtiger sorbischer Brauch – hat Vorrang.

Aufwendige Stickereien

Seit 1995 nähte Petra Kupke Trachten für die Vogelhochzeit. Fast alle Kindergärten und Grundschulen in der Umgebung stattete sie in der Vergangenheit schon aus. „Standard war jeweils immer die Tracht für Hochzeitsbitter, Braut, Bräutigam, zwei Brautjungfern, zwei Patinnen und zwei Begleiter. Das ist sehr viel Arbeit“, sagt die Schneiderin. Denn sie muss die Festtagsgewänder nicht nur zuschneiden und nähen, sondern auch verzieren.

Die Stickereien sind meist viel aufwendiger als alles andere. Auch die Perlennetze für die Družkas – die Brautjungfern – fertigt sie selbst an. Bis zu 40 Stunden sitzt die Räckelwitzerin an einem. Wie viele Trachten sie im Laufe der Jahre genäht hat, kann sie längst nicht mehr zählen. Spaß macht es ihr immer wieder. Egal ob die Kleidung in Miniatur ausfällt – wie die für ihre Trachtenpüppchen, ob sie ein Brautjungferngewand für Kindergartenkinder schneidert oder eben eine sorbische Frauentracht.

Petra Kupke nähte, stickte, häkelte schon in jungen Jahren mit Hingabe. Ihr Lieblingsfach in der Schule hieß Nadelarbeit, ihr Traumberuf Schneiderin. Seit gut zwei Jahren hat die gelernte Industrieschneiderin auch einen Meisterbrief in der Tasche. Seitdem darf sie ausbilden. Das tut sie auch. Allerdings ist die Konstellation in ihrem Betrieb eine ungewöhnliche. Ihre Auszubildende ist „ein bisschen älter als ich“, verrät die Mittvierzigerin schmunzelnd. Für die Bischheimerin Carmen Siedler sei das Trachten nähen besonders spannend, weil etwas bis dato Unbekanntes. Ein Handwerk mit Seltenheitswert. Lernen kann man es nur bei wenigen Frauen, die es – so wie die Räckelwitzerin – noch beherrschen. Doch nicht nur das Trachten nähen hat es in sich. Auch das Anziehen der Tracht ist fast eine Wissenschaft. Petra Kupke beherrscht sie aus dem Effeff. Schließlich ist sie eine der Ankleidefrauen, die es in Räckelwitz noch gibt. Deshalb wird sie am Freitag ihr Geschäft zuschließen. So wie jedes Jahr Ende Januar. „Weil die Vogelhochzeit diesmal auf Sonntag fällt, feiern die Räckelwitzer schon Freitag.“ Da wird Petra Kupke in Grundschule sowie Kita gebraucht, um Kindern beim Anziehen helfen. „Meinen Lehrling nehm ich mit. Sie soll das kennenlernen“. Etwa anderthalb Stunden und rund 100 Stecknadeln benötigt Petra Kupke, bis bei einer Brautjungfer alle Trachtenteile angelegt sind. „Allein die Frisur braucht eine halbe Stunde.“ Sie muss sitzen. An ihr hängt der Kopfschmuck, erklärt die Schneiderin. „Wenn wir die Tradition nicht weitergeben, geht sie verloren“, betont sie. Es sei also wichtig, damit frühzeitig zu beginnen.

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