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Rätsel um Flüchtlingszahlen

In Niederau seien 784 Leute untergebracht, wird mitgeteilt. Am nächsten Tag sind es nur noch 461. Wo sind die anderen?

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© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Niederau. .Nach den der SZ vorliegenden Zahlen befinden sich in der Erstunterkunft für Flüchtlinge im ehemaligen Real-Markt derzeit 784 Menschen. Damit ist die Unterkunft schon nach einer Woche vollständig belegt. Die Landesdirektion hatte davon gesprochen, dass zunächst 500, später zwischen 600 und 800 Asylbewerber in Niederau untergebracht werden sollen. Allerdings gibt es Bedenken der Feuerwehr. Der Brandschutz könne nur bei einer Belegung mit bis zu maximal 650 Menschen gewährleistet werden, heißt es.

In der Landesdirektion ist dieses Problem bekannt. „Wir suchen nach Lösungen, wie sie zum Beispiel in der Zeltstadt in Dresden praktiziert wurden. Das Problem könnte durch zusätzliche Brandwachen gelöst werden“, sagt Holm Felber, Pressesprecher der Landesdirektion. Er bestätigt auch, dass es in Niederau wie in anderen Erstunterkünften eine starke Fluktuation gibt. So sollen rund 200 Flüchtlinge, die teils noch nicht registriert sind, spurlos verschwunden sein. Es gebe für die Registrierung nur zwei Anlaufstellen in Chemnitz und Dresden. „Vielen ist die Wartezeit zu lang. Sie machen sich dann auf zu Verwandten, die in Deutschland leben“, so Felber. Täglich führt das Deutsche Rote Kreuz Anwesenheitskontrollen durch. Wenn Asylbewerber über mehrere Tage fehlten, würden die Betten neu belegt.

Merkwürdig: Nach der Anfrage der SZ bei der Landesdirektion kommt wenige Stunden später die neue Statistik. Und siehe da: Plötzlich sind in Niederau nur noch 461 Flüchtlinge untergebracht.

„Unnötige Provokation“

Landrat Arndt Steinbach (CDU) kritisiert die hohe Zahl an Flüchtlingen in Niederau sowie im Landkreis. „Wenn tatsächlich mehr als 1800 Asylbewerber in Erstaufnahmeeinrichtungen im Landkreis Meißen sind, halte ich diese Zahl für grenzwertig. Insbesondere in Niederau sollte der Freistaat sich an die von ihm angekündigten 500 Plätze halten. Alles andere ist für mich eine unnötige Provokation der Anwohner und Einwohner. Dafür hätte ich kein Verständnis“, sagt er. Inzwischen wurden in Niederau mehrere Container aufgestellt. Es handele sich aber nicht um Unterkünfte, sondern um Sanitär- und Duschgelegenheiten, so Felber.