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Dresden

Rätselhafter Zeuge aus Ulan-Bator

Im Prozess um geschmuggelte Pillen durch zwei mutmaßliche Diplomaten der Mongolei soll nun ein Überraschungszeuge geladen werden. 

Blick auf das Dresdner Landgericht
Blick auf das Dresdner Landgericht ©  Archiv/Robert Michael

Angeblich waren Munkhbat T. (53) und sein Fahrer Orgil E. (38) aus der Mongolei geschäftlich unterwegs, als sie im Dezember vergangenen Jahres auf dem Rastplatz Heideholz an der Autobahn 17 von der Polizei kontrolliert wurden. Sie wollten eine Firma besuchen mit dem Ziel, eine Getränkeabfüllanlage in ihrem zentralasiatischen Heimatland zu errichten. Es geht angeblich um einen Energydrink, bestenfalls, sagte einer der Männer, helfe der Getränke-Umsatz bei der Rettung des „Gobibären“. Das sei ihre Mission.

Seit Mitte August stehen die beiden Männer als Angeklagte vor dem Landgericht Dresden, weil die Fahrt nicht ganz sauber war. In ihrem Benz fand die Polizei 150.000 Pillen Lorazepam, ein Beruhigungsmittel, das die Männer, die sich mit Diplomatenpässen ausgewiesen hatten, eingeschmuggelt haben sollen. Die sieben Pakete waren nicht einmal versteckt, sondern lagen im Fonds der Limousine.

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Munkhbat T., er bezeichnet sich als Handelsattaché, hatte zum Prozessauftakt angegeben, er habe den Mercedes in Budapest an einer Tankstelle von einem Kumpel geliehen, um nach Berlin zu fahren: „In der Mongolei ist das ganz üblich. Man fragt, der andere gibt“, erklärte er mongolische Gepflogenheiten unter Freunden. Vom illegalen Inhalt der Pakete habe er jedoch nichts geahnt. T.s Diplomatenpass war abgelaufen, die Fahrzeugpapiere sogar eine Totalfälschung.

Überraschungsanruf geglückt

Kurz vor dem geplanten Ende des Prozesses beantragte T.s Verteidiger Ulf Weinhold, einen Zeugen zu vernehmen, der konkretere Angaben zu dem seinem Mandanten vorgeworfenen Deal machen könne. Denn: Sein Mandant T. habe bei der Kontrolle am Parkplatz Heideholz mit dem Mann gesprochen, von dem er das Auto in Ungarn übernommen habe. Diese habe am Telefon gesagt, T. müsse sich keine Sorgen machen, es handle sich bei den Pillen um „ganz normale Medikamente“.

Die technischen Voraussetzungen, den Zeugen in der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator per Videokonferenz zu befragen, seien gegeben. Das Gericht bat daher die Dolmetscherin, bei dem vermeintlichen Zeugen anzurufen – und die Frau hatte tatsächlich Erfolg.

Es ist nicht klar, ob wirklich jemand der Prozessbeteiligten erwartet hätte, dass jemand abheben würde. Doch die Dolmetscherin sprach mit einem Mann, der sich als der gesuchte Zeuge ausgab. Er sprach von einer anstehenden Reise nach Amerika, erklärte sich jedoch auch „prinzipiell bereit“, vorher nach Dresden zu kommen.

Der Prozess wird daher Mitte September fortgesetzt. Bis dahin hofft die Kammer darauf, dass die Polizei das Handy des Angeklagten prüft. Die von T. behauptete Kommunikation mit dem Zeugen sei darauf bislang nicht gefunden worden. „Leider“, so der Vorsitzende Richter Joachim Kubista, sei das Handy nur „sehr partiell“ bearbeitet worden.