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Rätselraten nach dem Brähmig-Rücktritt

Seit 1994 war der CDU-Politiker Klaus Brähmig Vorsitzender des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz. Bis er am Dienstagabend viele Mitglieder des wichtigen Verbandes mit einer Ankündigung überraschte. © Daniel Förster

Der Abschied kommt nach 25 Jahren als oberster Touristiker in der Sächsischen Schweiz. Danach sah es kurz zuvor nicht aus.

Es ist ein Bild, in dem sich Klaus Brähmig vermutlich bestens widerspiegelt sieht. Das Foto illustriert den Geschäftsbericht 2018 des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz an prominenter Stelle und zeigt den früheren CDU-Bundestagsabgeordneten in einem Kahn, das Ruder fest in der Hand. Er lenkt und treibt an. Im Begleittext schreibt er: „Ich werde mich, sofern dies gewünscht wird, weiterhin im Ehrenamt für die Heimatregion mit meinem Netzwerk gern verwenden.“ Das kann man getrost als Bewerbung um eine Wiederwahl als Vorsitzender lesen.

Doch davon ist am Dienstagabend nichts mehr übrig. In der Mitgliederversammlung des Tourismusverbandes in Königstein wirft der Papstdorfer hin. „Herr Brähmig hat mündlich angekündigt, dass er bei der nächsten Wahl nicht mehr zur Verfügung stehen wird“, wird später sein Stellvertreter Thomas Kunack, zugleich Bad Schandaus Bürgermeister, berichten. Gründe dafür nennt Klaus Brähmig in der Sitzung ebenso wenig wie danach, als die SZ ihn anruft und danach fragt. Fakt ist: Die Neuwahl des Vorstands und des Vorsitzenden stand bereits am Dienstag auf der Tagesordnung. Die wurde aber verschoben, um das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Bad Gottleuba-Berggießhübel im Januar abzuwarten. Der Antrag kam vom scheidenden Bürgermeister Thomas Mutze, der zugleich Mitglied im Vorstand des Tourismusverbandes ist. Brähmig wollte trotzdem eine Abstimmung, die Mitglieder stimmten aber für Mutzes Antrag. Hat das Brähmig so sehr erzürnt? Oder gab es zuvor noch andere Konflikte? Eine reine Affekthandlung war der Rücktritt offenbar nicht. Ein Teilnehmer der Sitzung berichtet jedenfalls, Brähmig trug eine vorbereitete Rede vor, in der er seinen Rückzug ankündigte.

Dieser Schritt überrascht umso mehr, als dass Brähmig als äußerst erfolgreich gilt. In seiner Zeit in der Politik setzte er vieles in Bewegung, um die Tourismusregion zu stärken. In diesem Jahr gelang der Lückenschluss im Elberadweg bei Königstein, er beförderte die Einführung einer Gästekarte, brachte die Sächsische und die Böhmische Schweiz näher zusammen und forcierte die Vermarktung des Elbsandsteins als Urlaubsziel im Winter. Als Nächstes hat er sich zum Ziel gesetzt, die Sächsische Schweiz als „eine der besten nachhaltigen Tourismusregionen“ zu positionieren.

Ob und wie der 61-Jährige an der Verwirklichung dieser Ziele mitwirken wird, bleibt zunächst offen. Sein zweiter Stellvertreter im Vorstand, Dieter Schröter, Inhaber des Bastei-Hotels, sagt: „Klaus Brähmig hat seine Arbeit ausgezeichnet gemacht. Ich bedauere seine Entscheidung, auch wenn das der normale Weg des Lebens ist.“ Er habe als Unternehmer mit Brähmig gut zusammengearbeitet und hoffe, dass dieser seine Erfahrung weiter einbringen werde. „Alles andere wäre schade.“

Der Unternehmer Sven-Erik Hitzer (u.a. Winterdorf Schmilka und Restauration auf der Festung Königstein) sagte zur SZ, er wünsche sich eine neue Weichenstellung für den Tourismus. „Wir müssen neue Wege finden, um unsere Tourismusregion wertiger zu vermarkten. Und wir müssen endlich Mut zum Preis haben“, sagt er. Seit Jahren steigen die Urlauberzahlen – da sind bei steigender Qualität auch höhere Preise durchsetzbar. Außerdem brauche man mehr innovative Ideen.

Bastei-Chef Dieter Schröter weiß unterdessen um die komplexen Wünsche und Interessen, mit denen der Verband tagtäglich konfrontiert wird. Damit der Nachfolger in Brähmigs große Fußstapfen treten kann, brauche man eine Persönlichkeit, die „moderat und intelligent“ ihren Job macht. Eine, die fachlich, menschlich und gesellschaftspolitisch zu den Aufgaben passt. Noch ist aber die Neubesetzung Zukunftsmusik. Brähmig bleibt bis auf Weiteres Vorsitzender, so sein Stellvertreter Thomas Kunack. Die Neuwahl muss in den nächsten sechs Monaten angesetzt werden.