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Räumungsklage gegen Sternekoch

Dieter Maiwert zog weg vom Weißen Hirsch. Jetzt wird klar, dass es Streitigkeiten mit den Vermietern gab.

© Ronald Bonß

Von Julia Vollmer

Es ist eine Geschichte, von der es zwei Varianten gibt und nur einen Fakt, auf den sich beide Seiten einigen können. Es gibt eine Räumungsklage gegen Sternekoch Dieter Maiwert. Diese wurde in der vergangenen Woche am Landgericht verhandelt. Das ist der Fakt, ab hier beginnen die beiden Versionen, in denen es nur wenige Übereinstimmungen gibt.

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Die erste Variante stammt von Regina Arnold und sie beginnt im Sommer 2017. Damals zogen ihre neuen Mieter in die Villa Herzog auf dem Weißen Hirsch ein. Ihre Namen: Dieter Maiwert und seine Lebensgefährtin Madeleine Maaßen. Sie eröffneten das Restaurant „Maiwerts“. Klein wollten sie anfangen, mit wenigen Plätzen, dafür mit gehobener Küche. „Wir haben erst bei der Eröffnung erfahren, dass Herr Maiwert und seine Freundin eine Insolvenz hinter sich haben“, so Regina Arnold. Schon nach kurzer Zeit habe es die ersten Probleme gegeben, erzählt Arnold, die zusammen mit ihrem Mann die Villa Herzog und noch weitere Objekte in Dresden vermietet. „Herr Maiwert hat in den 13 Monaten seit der Eröffnung im Juni 2017 nur einmal seine Pacht bezahlt.“ Wie hoch diese genau ist, will sie nicht kommentieren. Als Maiwert seine Pacht auch bis Januar 2018 nicht zahlte, kündigte die Familie ihm im Januar. Als er nicht auszog, reichten sie die Räumungsklage ein. Sechs Monate mussten sie bis zu dem Gerichtstermin im Juli warten. „Wir sind immer noch unter Schock, das uns so etwas passiert ist“, sagt Regina Arnold. Sie und ihr Mann hätten vor Maiwerts Einzug rund 80 000 Euro in die Sanierung der Villa Herzog auf der Kurparkstraße gesteckt, Wände gestrichen und die Küche komplett erneuert.

Die zweite Version der Geschichte stammt von Dieter Maiwert selbst und von seinem Anwalt Nico Michalowski. Dem Sternekoch sei noch vor der Eröffnung seines Restaurants versprochen worden, dass er das Hotel, das in der Villa Herzog untergebracht ist, mit übernehmen kann. Vorher betrieb es die Familie selbst. „Das überlegte sich die Familie zum Jahreswechsel anders“, so Michalowski. Ohne die Pension sei das Restaurant nicht wirtschaftlich, daher musste der Gastronom das „Maiwerts“ schließen und zog um auf den Golfplatz nach Wilsdruff. Auch das sieht Regina Arnold anders. Es habe nie ein Versprechen oder einen Vertrag für die Übernahme gegeben. Maiwert und sein Anwalt sehen aber einen Schadensersatzanspruch für sich. „Dieser dürfte uns zustehen, da Herrn Maiwert die bereits zugesicherte Übernahme des Hotelbetriebes ohne Begründung verweigert wurde“, sagt sein Anwalt.

Auch beim Thema Pacht gehen die Angaben auseinander. Dieter Maiwert habe nur einmal die Monatspacht von 3000 Euro gezahlt, jetzt seien noch rund 24 000 Euro offen, so der Anwalt. Der 60-Jährige habe deshalb nicht gezahlt, weil ihm versprochen wurde, dass er für die Frühstückbewirtung der Hotelgäste bezahlt werden sollte, was nie passiert sei. Maiwert sieht auch darin seinen Schadensersatzanspruch begründet. Regina Arnold wiederum argumentiert, sie habe die Frühstückbewirtung nicht bezahlt, da die Pacht offen war. Und der Anwalt führt noch ein Argument an, warum aus seiner Sicht keine Pacht mehr offen ist: Maiwerts Investitionen in die Räume, um das Restaurant überhaupt in Betrieb nehmen zu können. Wie hoch diese waren, sagt er nicht.

Michalowski hofft nun auf eine schnelle Einigung zu den übrigen Punkten. Noch immer lagern einige Arbeitsmaterialien des Kochs in den Räumen der Villa, die müssten noch herausgegeben werden. Eines ist dem Anwalt noch wichtig: „Herr Maiwert ist nicht zahlungsunfähig.“ Das Insolvenzverfahren aus Bayern spiele in diesem Fall keine Rolle. Die Lebensgefährtin und heutige Geschäftspartnerin Madeleine Maaßen musste mit dem „Maiwerts“ am Tegernsee Insolvenz anmelden.

Die Gerichtsverhandlung zum Fall auf dem Hirsch endete laut Nico Michalowski mit einem Vergleich. Maiwert ist ausgezogen. Wie es im Streit um die Pacht weitergeht, bleibt abzuwarten. Landgerichts-Sprecherin Corinna Michaelis bestätigt, dass es ein Verfahren Maiwert gegen Lothar Arnold, dem Mann von Vermieterin Regina, gibt. Details verrät sie nicht.

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Der Koch selbst kommentiert zurückhaltend. „Es gibt wechselseitige Ansprüche, den Rest muss der Richter entscheiden“, sagt er. Er möchte sich auf seinen Neustart mit dem „Maiwerts“ auf dem Golfplatz konzentrieren. „Wir formieren uns gerade.“ Mit Neuanfängen kennt er sich aus. Das „Maiwerts“ auf dem Hirsch und das in Wilsdruff waren nicht die ersten Restaurants unter diesem Namen. 2013 musste er seinen Laden laut Süddeutscher Zeitung am Elbacher Gütel nahe des Starnberger Sees wegen Brandschutzmängeln schließen. 2017 schließlich schloss er das Lokal am Tegernsee nach der Insolvenz.