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Räumungsverkauf bei Strieglers

Die Familie zieht sich aus dem bekannten Sportgeschäft zurück. Was daraus wird, ist offen.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Badehosen und Bikinis auf der einen Seite, warme Mützen und Sportunterwäsche auf der anderen Seite: Matthias Striegler und seine Frau Gudrun Striegler werden förmlich eingerahmt. Sie stehen und sitzen hinter der Verkaufstheke im sogenannten kleinen Laden des Traditionsgeschäfts. Durch die vordere Scheibe geht der Blick auf Meißens Touristenmeile Nummer eins.

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Sechs Tage die Woche hat das Ehepaar im Erdgeschoss des Hauses Elbstraße 2 verbracht, in den vergangenen knapp 19 Jahren, von früh an bis manchmal spät am Abend. Im März soll damit Schluss sein. „Es reicht jetzt“, sagt Matthias Striegler, seine Frau nickt. Die beiden Meißner Geschäftsleute möchten ihren Kunden nacheifern. Die kommen oft ins Geschäft, um sich für eine große Reise auszustatten. Da werden Trekkinghosen für eine Wanderung durch Kanadas Wildnis gebraucht. Ein anderer Besucher kauft Schwimmflossen, weil er auf den Malediven schnorcheln möchte.

Das Telefon klingelt. An diesem Vormittag wird das noch oft passieren – gefühlt im Abstand von fünf Minuten. Mit den meisten Anrufern ist Matthias Striegler per Du. Diesmal geht es um ein Paket-Angebot für Abfahrtsski. Schnell wird man sich handelseinig. Gudrun Striegler führt inzwischen das Gespräch weiter.

Sehr arbeitsreiche und spannende Jahre seien das seit 1997 gewesen, sagt sie. Jahre mit vielen Höhen, aber auch einigen Tiefen. Beide brachten bereits Erfahrung aus verschiedenen Bereichen des Handels mit. Zuerst in der HO-Fleischerei, dann als „fliegende Händler“, später mit Niedrigpreisartikeln unter der Marke Meitex. Die Idee zum Sportgeschäft kam bei einem Rundgang durch die Stadt. Während der rechtselbische Teil durch das Geschäft von Siggi Lässig versorgt war und ist, fehlte linkselbisch in der Altstadt ein ähnliches Angebot.

Strieglers zögerten nicht lange. Sie legten sich fest und setzten ihre Idee in die Tat um. Mit Sport 2 000 fand sich ein leistungsstarker Partner, der für Qualität und gute Preise steht. Allein in Deutschland haben sich über 900 Händler mit mehr als 1 200 Verkaufsstellen in dem Einkaufsverbund zusammengeschlossen – europaweit sind es derzeit 3 520.

Als das Gespräch auf die Anfangszeit kommt, gerät Matthias Striegler ins Schwärmen. Goldene Jahre müssen das gewesen sein. Der Nachholbedarf bei den Sachsen war riesig – von Abfahrtsski bis Zielscheibe. Nach der Mangelwirtschaft in der DDR konnte endlich jeder das beste Material für sein Hobby im Laden erwerben. Neue Sportarten wie Nordic Walking kamen auf und wurden ausprobiert. Plötzlich wollten alle mit zwei Stöcken durch den Stadtpark laufen. Der Chef betätigte sich als Reiseveranstalter, organisierte legendäre Ski-Urlaube nach Tirol.

Viele Stammkunden konnte das Sportgeschäft damals durch Qualität bei der Ware und kompetente Hilfe beim Einkauf an sich binden. Das ist bis heute so geblieben. „Die meisten Sportsachen und Sportgeräte müssen individuell auf die Kundin oder den Kunden angepasst werden. Da muss probiert werden, und ein Fachverkäufer sollte beratend zur Seite stehen“, sagt Matthias Striegler. Andernfalls würden die Kunden keine lange Freude an ihrem Kauf haben.

Im Laufe der Jahre wuchs sich das Sortiment immer weiter aus. Der urige Skikeller kam hinzu. Die Hersteller taten und tun das ihre dazu. Immer neue Varianten und Zwischengrößen werden erfunden. Die Kunden sind kritischer und anspruchsvoller geworden.

„Sie fragen mehr nach, informieren sich besser und geben sich nicht gleich zufrieden“, sagt der Geschäftsmann. Deshalb schule das Sportgeschäft regelmäßig seine Verkäufer, habe in der Vergangenheit immer wieder ausgebildet.

Im Service und der Beratung sehen die Ladeninhaber den großen und entscheidenden Unterschied zum anonymen Einkauf im Internet. Das fehle dort. Ärgerlich sei es deshalb, wenn sich Leute im Geschäft alle Informationen holten, den Kauf dann aber übers Internet abwickeln.

Trotzdem, wenn sie noch einmal die Wahl hätten, die Strieglers würden sich wieder für ihren Weg entscheiden. Wir haben diesen Schritt nicht bereut, sagen sie. Es sei der Umgang mit den Kunden, der den Alltag so lebendig und spannend mache. Für ihr Geschäft und ihre Mitarbeiter hoffen sie, dass sich ein Nachfolger findet, der das genau so sieht.

Ab Montag, dem 1. Februar, 9 Uhr, startet der Räumungsverkauf.