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Ramba-Zamba auf dem Dorf

Die Museum- und Kulturscheune in Luchau legt ihr neues Programm vor. Darin tauchen nicht nur Altbekannte auf.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Luchau. Ella Morawietz’ Scheune ist nicht ganz leicht zu finden. Die Luchauerin hat das nicht abgehalten, hier eine Kleinkunstbühne zu etablieren. 2017 richtete sie erstmals Konzerte und Theateraufführungen aus. Nun hat sie ein neues Programm aufgelegt. Acht Veranstaltungen stehen an. Von der Lesung über Konzerte bis zu einem Adventsmarkt ist alles dabei.

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Diese Künstler gastieren in Luchau

Die Luchauerin, die als Künstleragentin arbeitet, ist überzeugt, dass sich ihre Scheune wieder füllen wird. Warum? Viele Städter sind in Dörfer wie Luchau gezogen, weil sie hier Ruhe, die Nähe zum Grünen und nette Nachbarn erwartet haben, erzählt sie. Doch die zu treffen, ist immer schwerer geworden, weil der Konsum im Dorf geschlossen hat, es keinen Bäcker und Fleischer mehr gibt. Und auch sonst gibt es wenig Gelegenheit für einen Plausch. „Es ist traurig, dass unsere Dörfer das alles verloren haben“, sagt sie. Man könne resignieren oder dem Trend etwas entgegensetzen. Und genau das habe sie mit dem Umbau der ungenutzten Scheune zu einer Kleinkunstbühne getan.

Hier könne man bei guter Musik, bei Lesungen oder anderen Veranstaltungen Nachbarn und gute Bekannte treffen, mit ihnen schwatzen und ein paar schöne Stunden verbringen. Das alles könne man in Dresden sicher auch haben, sagt sie. Die Autofahrt dauert nur 30 bis 40 Minuten. „Doch wer schafft es, sich aufzuraffen, um am Abend nach Dresden zu fahren.“ Offenbar immer weniger. Zumindest ihr und vielen Bekannten im Freundeskreis ginge es so. Deshalb holt sie die Künstler aufs Land. Das funktioniert, weil es Musiker und Entertainer gibt, die gern mal abseits der großen und bekannten Hallen Konzerte oder Lesungen geben wollen. Wenn man die dann noch kennt, so wie es bei der Künstleragentin Ella Morawietz der Fall ist, kann man diese auch für Luchau begeistern. So jedenfalls konnte sie Dirk Zöllner und Angelika Mann für Auftritte in Luchau gewinnen. Beide kennt sie seit Längerem. Die Luchauerin hofft, dass die beiden Künstler ihre Fans im Osterzgebirge mobilisieren können und ihre Scheune füllen, so ähnlich wie es die beiden Entertainer Alf Mahlo und Henriette Ehrlich vorgemacht haben. Sie zeigten zur Eröffnung der Scheune das Stück „Jägerstolz im Unterholz“ und sind in diesem Sommer mit dem Programm „Ramba-Zamba“ zu Gast.

Lesungen und Apfelfest

5. Mai, 20 Uhr, „Affenzahn“ - Musikalische Lesung mit Dirk Zöllner & André Drechsler, Eintritt: 18 Euro

22. Juni, 20 Uhr, „Dalibors Roadshow – die älteste Boygroup Oberhavels“ (Brandenburg); 10 Euro;

29. Juni, 20 Uhr, „Ramba-Zamba“ mit Henriette Ehrlich und Alf Mahlo, Eintritt: 18 Euro;

11. August, 20 Uhr, Arno Zillmer & Band, Ost West Rock, 12 Euro,

1. September, 20 Uhr, Heinz Erhard-Abend mit Hanno Loyda, 18 Euro;

15. September, 20 Uhr, Was treibt mich nur, musikalische Lesung mit Angelika Mann, 18 Euro;

28. Oktober, 14-20 Uhr, Apfelfest, Eintritt frei;

8. Dezember, 15-20 Uhr, Adventsgestöber, Eintritt frei;

Quelle: Veranstalter

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Die Luchauerin weiß, dass sie mit ihrem Projekt Scheune Nr. 19 ein gewisses finanzielles Risiko eingeht. Die Scheune hat gerade mal 80 Sitzplätze. „Wir bekommen keine Fördermittel“, sagt sie. Es gibt auch keinen Sponsor, der ihr und ihrem Mann finanziell unter die Arme greift. Beide gehen auf Risiko. „Ich habe mich darauf eingestellt, dass sich nicht alle Veranstaltung tragen werden“, sagt sie. Am Ende des Jahres soll aber eine schwarze Null erreicht werden. Ella Morawietz glaubt fest an den Erfolg ihrer kleinen Bühne. Um möglichst viele für das Programm zu gewinnen, bietet die Kulturscheune eine Jahresabokarte für 80 Euro an. Diese berechtigt zum Besuch aller sechs kostenpflichtigen Veranstaltungen.

Anderswo gebe es ähnliche Initiativen. In der Nähe von Kiel gibt es beispielsweise ein kleines Dorf mit etwa 20 Höfen. In der Adventszeit verwandelt sich der Ort zu einem kleinen Weihnachtsdorf. Das habe sie beeindruckt, sagt Ella Morawietz. Auch der Kunsthof Gohlis in Dresden sei ein Vorbild, an dem sie sich orientiert. Eins zu eins könne man aber keines dieser Konzepte übernehmen, sagt die Luchauerin.

Ein Unterschied zu beiden ist der Ansatz. Die Scheune Nr. 19 ist nicht nur eine Kleinkunstbühne, sondern auch ein Museum, in dem gezeigt wird, wie die Menschen vor rund 100 Jahren in und um Luchau lebten. Dazu hat Ella Morawietz Räume hergerichtet, in denen unter anderem eine Wohnstube, eine Küche und eine Waschküche nachgestellt wurden. Anfassen ist erlaubt. Und das gefällt vor allem den Kindern, die mit ihren Kindergartengruppen vorbeischauen. 2017 waren viele da. Für 2018 gibt es noch freie Termine.