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Ran an die Betten

Schmiedeberger Schüler können für einen Tag in die Hotelbranche schnuppern. Das ist mehr als ein Ferienspaß.

© Frank Baldauf

Von Mandy Schaks

Altenberg. Wie bei einer Sternwanderung treffen die Schülergrüppchen im Ahorn Waldhotel Schellerhau ein. Sie kommen aus Bärenfels und Zinnwald – aber nicht zu Fuß. So jung sie sind, haben sie schon ihren eigenen Shuttle-Service. Zumindest für einen Tag. Im Restaurant Talblick erwartet die 15 Mädchen und Jungen bereits eine gedeckte Kaffeetafel.

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Die Führungsriege des größten Gästehauses im oberen Osterzgebirge steht für die Jungschen Spalier. Selbst die Chefs von den ebenfalls renommierten Häusern Lugsteinhof in Zinnwald und Naturhotel Gasthof Bärenstein haben sich mitten in der Herbstferienzeit losgeeist und machen den Jugendlichen ihre Aufwartung. Das lässt ahnen: Hier und heute geht es um viel. Und in der Tat: Die Unternehmer wissen, vor ihnen könnte ihr künftiges Fachpersonal sitzen. Oder zumindest die nächste Ausbildungsgeneration.

Der Markt um Nachwuchskräfte ist inzwischen hart umkämpft. Die Gastronomen und Hoteliers stehen im Wettbewerb mit anderen Branchen. Es ist oft schon ein tägliches Ringen, die Gästehäuser am Laufen zu halten. Das Ahorn Waldhotel in Schellerhau konnte dieses Jahr zwar endlich mal wieder alle sieben Lehrstellen besetzen, „größtenteils mit Jugendlichen aus der Region“, freut sich Direktorin Ines Schubert. Doch ihr Lächeln weicht zugleich einem sorgenvollen Blick: „Fünf Jobs sind zurzeit unbesetzt.“ Das Haus, in dem 70 Mitarbeiter beschäftigt sind, hat immer wieder Bedarf an Fachkräften. Das ist auch im Lugsteinhof in Zinnwald so, in dem um die 45 Leute in Lohn und Brot stehen.

„Es wird immer schwieriger, Personal zu finden“, sagt Hotel-Chef Jochen Löbel. Rannten ihm früher die Bewerber die Bude ein, kann er seit acht Jahren schon nicht mehr alle vier Lehrstellen – zwei zum Koch, zwei zu Hotelfachleuten – besetzen. Was hat er nicht alles schon probiert! Selbst junge Spanier und Polen versuchten sie, beruflich zu entwickeln. Doch immer wieder tut sich eine Lücke auf, die bisher der Lugsteinhof, wie inzwischen viele Gaststätten und Hotels im oberen Osterzgebirge, mit tschechischen Arbeitskräften schließen konnte. Meistens kommen sie aus der Hotelfachschule Teplice, mit der der Wirtestammtisch Altenberg/Geising seit Jahren kooperiert und einen Praktikumsaustausch pflegt. Aber auch das erschöpft sich, weiß nicht nur Jan Kempe, Inhaber vom Naturhotel Gasthof Bärenfels. „Auch der tschechische Markt gibt nicht mehr allzu viel her.“ Deshalb greifen sie nach jeder Chance, um auf sich aufmerksam zu machen, zu zeigen, dass sie auch ausbilden.

Pilotprojekt für Berufswerbung

Die Oberschule Schmiedeberg, die seit Jahren eng mit der Wirtschaft verbunden ist, und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) wollen der jungen Generation bei der Berufswahl und der Gastrobranche bei der Nachwuchssuche helfen und haben deshalb ein Pilotprojekt aufgelegt. In der Sächsischen Schweiz läuft das schon seit Jahren mit Erfolg. Interessierte Schüler werden von Dehoga-Regionalverband und Hoteliers zu einer Dampfschifffahrt und zweitägigem Schnupperkurs in Gästehäusern eingeladen. „So können sie sich austesten und gezielt ausprobieren“, sagt der neue Geschäftsführer des Regionalverbandes Thomas Pfenniger. Die Oberschule Schmiedeberg saß dort auch schon mit im Boot. Da das Osterzgebirge mit zum Regionalverband gehört, will Pfenniger auch hier mit Unterstützung der Barmer Hilfe geben. „Wenn wir hier keine Verantwortung übernehmen, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn in immer mehr Gastronomiebetrieben die Lichter ausgehen“, sagt er. In der Oberschule Schmiedeberg fand er dafür einen sehr engagierten und aufgeschlossenen Partner, der mit Sandra Dietrich sogar eine Praxisberaterin von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft Dresden vor Ort hat. Und sie hatte gar keine Mühe, mitten in der Ferienzeit 15 Mädchen und Jungen aus den siebenten und achten Klassen zu finden, die mal in einem der drei großen Hotels einen Tag hinter die Kulissen blicken wollen.

„Ich dachte, Gastronomie ist nur Küche“, sagt Max danach. „Aber das ist ja noch viel mehr wie Restaurantfachmann.“ Überrascht hat ihn bei seinem Schnuppertag im Gasthof Bärenfels, dass Eis ohne Farbstoffe hergestellt werden kann und sogar für Veganer gekocht wird. Und Justin fand interessant, dass Gastronomie mit Teamplay zu tun hat, also dem Zusammenspiel der Mitarbeiter, die gegenseitig Aufgaben übernehmen und sich dadurch die Arbeit erleichtern.

Die Hotelmanager sind am Ende erstaunt über so viel Engagement in der Ferienzeit und solch kluge Worte nach einem Probetag, bei dem die Schüler in der Küche mithelfen, Cocktails mixen und Servietten falten durften. Natürlich gab es auch Spaß beim Kegeln oder Fußball-Billard. Als Lohn bekommen sie eine Urkunde, die sie mit in ihre Bewerbungsmappe stecken können. Außerdem erhalten sie einen Gutschein für ein zweiwöchiges Praktikum in einem der drei Hotels, für das es eine Anerkennung von 100 Euro pro Woche geben wird.