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Ran ans Netz

Früher waren viele froh, eine eigene Kläranlage zu besitzen. Das hat sich offenbar geändert – auch in Wilsdruff.

Andreas Clausnitzer leitet den Abwasserzweckverband Wilde Sau. In den nächsten Jahren will er das zentrale Entsorgungsnetz auf Kleinopitz ausweiten.
Andreas Clausnitzer leitet den Abwasserzweckverband Wilde Sau. In den nächsten Jahren will er das zentrale Entsorgungsnetz auf Kleinopitz ausweiten. © Andreas Weihs

Der Abwasserzweckverband Wilde Sau möchte sein Netz erweitern. Das kündigt Verbandschef Andreas Clausnitzer gegenüber der Sächsischen Zeitung an. Das dürfte viele freuen. Denn wegen neuer Vorschriften ist die eigene Kläranlage zu einer ziemlich teuren Sache geworden.

Michael Uhlmann kann sich über die Nachricht nicht freuen. Er findet, dass die großen Orte im Stadtgebiet bevorzugt werden. Denn die sind schon lange am zentralen Abwassernetz. Kleinopitz, wo er wohnt, aber auch andere kleinere Ortschaften hätten bisher das Nachsehen gehabt. Trotz wiederholten Vor-Ort-Terminen mit der zuständigen unteren Wasserbehörde habe der Abwasserzweckverband den Abschluss seines Heimatortes an das zentrale Netz zu lange herausgezögert, findet er. Damit seien den Kleinopitzern hohe Kosten entstanden. „Denn wir mussten sehen, wie wir das gereinigte Abwasser auf den kleinen Grundstücken verrieseln lassen“, schreibt Uhlmann. Das sei sehr schwierig, denn der Boden in Kleinopitz ist sehr lehmhaltig.

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Andreas Clausnitzer kann die Kritik nur bedingt nachvollziehen. Jemand, der in Kleinopitz groß geworden ist und seit Jahren dort wohne, könne sich ungerecht behandelt fühlen, weil Grumbach, Wilsdruff oder Kesselsdorf am zentralen Netz hängen. Anders sei es mit denen, die erst später dorthin gezogen seien. Sie hätte wissen müssen, dass der Abwasserzweckverband entschieden hat, Kleinopitz aus wirtschaftlichen Gründen nicht ans zentrale Abwasserentsorgungsnetz anzuschließen. Dort wohnen zu wenige Menschen, zudem ist die Topografie schwierig, erklärt Clausnitzer. Deshalb habe man sich beim Erarbeiten des Abwasserentsorgungskonzeptes für eine dezentrale Lösung für Kleinopitz entschieden.

Das ist kein Einzelfall: Auch in den Wilsdruffer Ortsteilen Helbigsdorf, Birkenhain, Blankenstein, Kaufbach und Kleinopitz gibt es keine zentrale Entsorgung, währenddessen es in Limbach, Mohorn, Grumbach, Grund und Herzogswalde sowohl eine zentrale Entsorgung wie auch Kleinkläranlagen gibt. Im Wilsdruffer Stadtgebiet wird von 3 700 der 5 000 Haushalten das Abwasser ins zentrale Netz eingespeist. Das sind rund 74 Prozent. Das liegt unter dem Kreisdurchschnitt. Hier sind etwa 90 Prozent aller Haushalte an zentralen Abwassernetzen angeschlossen.


Heftige Diskussionen in Limbach

Bis 2010 waren viele, die eigene Anlagen haben, damit auch zufrieden, sagt Clausnitzer. Doch dann hat der Gesetzgeber die Vorgaben verschärft. Die Kläranlagen mussten bestimmte Vorschriften erfüllen. Das gilt auch für das Wilsdruffer Stadtgebiet. „Die Anlagen, die dem Stand der Technik entsprechen, werden durch Wartungsfirmen zweimal jährlich gewartet“, erklärt Clausnitzer. Dabei werden auch die Ablaufwerte geprüft. Die regelmäßigen Wartungen wiederum werden vom Betriebsführer des Zweckverbandes, der Stadtentwässerung Dresden GmbH, überprüft. Doch nicht nur das verursache Kosten. Hinzu kommen Stromkosten, die Wartung und die Kosten für die Entsorgung.„Viele merkten, dass es doch teuer ist, eine Kläranlage zu besitzen.“ Er könne sich noch gut an eine Diskussion in Limbach erinnern, bei dem der Verband darum geworben hatte, eine zentrale Entsorgung auf dem Weg zu bringen. Dort bekam er Dinge zu hören, die er heute nicht zitieren wolle. Später traf er den Mann noch mal. Dann klagte er, dass man keine flächendenkende zentrale Entsorgung im Ort habe, so Clausnitzer. Zumindest für einen Teil der Kleinopitzer eröffnen sich jetzt neue Möglichkeiten. Der Zweckverband wird das Gewerbegebiet im Norden des Dorfes an das zentrale Netz anschließen. Eine Druckleitung dafür wurde schon vor zwei Jahren verlegt. Nun sei der nächste Schritt geplant. Um das Gewerbegebiet anzuschließen, muss noch ein etwa 200 Meter langer Kanal verlegt und eine Pumpstation errichtet werden.

Damit will der Abwasserzweckverband in diesem Jahr beginnen. 2020 soll die Maßnahme beendet werden. Im Umfeld dieses Pumpwerkes ließen sich 14 Grundstücke an das zentrale Netz anschließen. Mittelfristig könnte man in Kleinopitz ein Kanalnetz errichten. „Damit können wir etwa 50 Prozent der 183 Grundstücke erreichen“, sagt Clausnitzer. Die befinden sich auf der westlichen Seite des Dorfes. Die Anschlüsse könnten aber erst nach Änderung des Abwasserentsorgungskonzeptes und dem Verlegen weiter Kanäle erfolgen, sagt Clausnitzer.

Der östliche Teil von Kleinopitz liegt topografisch ungünstig in einer Senke, so der Abwasserchef. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre hier eine Erschließung nur mit sehr hohen Kosten verbunden. Und die wolle der Abwasserverband nicht auf die anderen Bürger umlegen.

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