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Rasanter Aufstieg

Die AfD zieht im Wahlkreis Bautzen an allen vorbei. Zwischen den Verlierern gibt es aber noch einen weiteren Gewinner.

© Uwe Soeder

Von Sebastian Kositz

Bautzen. Der Begriff vom politischen Erdbeben mag abgegriffen erscheinen – zutreffend ist er aber allemal. Im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren haben sich die Verhältnisse in Sachsen, vor allem aber im Wahlkreis Bautzen I, fundamental verschoben. Die AfD triumphiert und liegt bei den Zweitstimmen deutlich vor der CDU. Jahrelang hatte die Union zuvor die Region dominiert. Doch nicht nur die CDU, auch die anderen politischen Lager schnitten deutlich schlechter ab als noch 2013. Die Sächsische Zeitung hat die Wahl analysiert.

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Der Senkrechtstart: Jeder dritte Wähler stimmt für die AfD

Die hohen Werte hatten schon sich vor der Wahl abgezeichnet – das starke Ergebnis hat dennoch überrascht. Mit 32,8 Prozent bei den Zweitstimmen zählt der Wahlkreis Bautzen I zu den Hochburgen der AfD in Sachsen. 2013 landete die AfD noch bei sieben Prozent. Zudem holte deren Bewerber Karsten Hilse das Direktmandat. In Großdubrau, Nebelschütz und Oßling brachte es die AfD gar auf mehr als 40 Prozent. Vergleichsweise schwach war die AfD in den sorbischen Gemeinden Crostwitz, Nebelschütz, Panschwitz-Kuckau oder Ralbitz-Rosenthal. Auffällig: Nicht nur auf den Dörfern, auch in Bautzen, Kamenz, Bischofswerda und Hoyerswerda ist die AfD vorn.

Der Einbruch: Die CDU fährt das schlechteste Ergebnis seit 1990 ein

Noch vor vier Jahren befand sich die Union im Wahlkreis Bautzen in einem Hoch. Mit 45 Prozent bei den Zweitstimmen hatte die CDU das beste Ergebnis seit 1994 eingefahren. Dieses Mal auch ein Superlativ, allerdings unter verkehrten Vorzeichen. Noch nie erhielt die CDU weniger Stimmen, verpasste ein Kandidat der Union gar das Direktmandat. Lediglich die sorbischen Orte, in denen die AfD ihre geringsten Zustimmungswerte einfuhr, erwiesen sich als Festung der Christdemokraten. Über 50 Prozent holte die CDU allerdings nirgendwo. Vor vier Jahren schaffte sie das noch in jeder dritten Gemeinde. In jedem Ort hat die CDU verloren, mancherorts hat sich der Stimmenanteil sogar halbiert. Die miesesten Ergebnisse holte die Union in Neukirch bei Kamenz, in Oßling und in Obergurig mit jeweils nur 23,3 Prozent.

Die Ernüchterung: Die Linke büßt Stimmenanteile und Platz zwei ein

Mit 20 Prozent waren die Linken 2013 noch zweistärkste Kraft hinter der Union. Zwar sind die Verluste weniger dramatisch als bei der CDU. Magere 14 Prozent sind dennoch ernüchternd. Auch für die Linken ging es in sämtlichen Städten und Gemeinden abwärts – auch in den traditionellen Hochburgen in und um Hoyerswerda sowie in Kamenz. In Hoyerswerda hatte die Linkspartei vor vier Jahren mit fast 27 Prozent ihren Spitzenwert geholt. Den kassierten die Linken auch dieses Mal in Hoyerswerda – allerdings mit überschaubaren 20 Prozent. Ohnehin liegen die Stärken der Linken eher in den Städten. In vielen Dörfern waren die Ergebnisse nur einstellig.

Der Bedeutungsverlust: Die SPD ist in der Region nur noch einstellig

Im Bund noch immer die zweitstärkste Kraft, im Wahlkreis Bautzen verliert die SPD indes weiter an Bedeutung. Nur noch neun Prozent – das ist das schlechteste Ergebnis seit 1990 und erstmals nur noch einstellig. Wie die Linken tun sich auch die Sozialdemokraten in den Dörfern schwer, kamen vielerorts hinter der FDP sogar nur auf Platz 5. Mit zwölf Prozent der Zweitstimmen ist in Hoyerswerda die Zustimmung am größten, auch in Bischofswerda, Burkau, Großharthau, Lauta, Pulsnitz und Steina reichte es gerade so zur Zweistelligkeit.

Das Comeback: Die FDP profitiert vom Aufwärtstrend im Bund

Die FDP ist neben der AfD der einzige Gewinner des Sonntagabends. Die Liberalen schafften bundesweit bequem den Wiedereinzug ins Parlament – und auch im Landkreis Bautzen konnten sie ihre Zustimmungswerte von 3,1 auf 7,6 Prozent mehr als verdoppeln. Mit 10,7 Prozent holte die FDP ihren besten Wert in Nebelschütz. In Oßling kreuzten unterdessen nur 5,2 Prozent der Wähler die FDP an.

Die Abgekoppelten: Grüne bleiben in der Region faktisch bedeutungslos

Im Bund bringen es die Grünen auf neun Prozent – im Landkreis Bautzen hat die Partei indes keine weitere Bedeutung. Mit nur 2,4 Prozent liegen die Grünen noch einmal leicht unter dem Ergebnis von vor vier Jahren. In den Dörfern haben es die Grünen traditionell schwer – wenngleich das beste Ergebnis mit fünf Prozent in Räckelwitz eingefahren werden konnte.