Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Raser haben Katzen auf dem Gewissen

Anwohner der Naundorfer Straße bangen um ihre Haustiere. Die Einbahnstraße gleiche einer Rennstrecke.

Teilen
Folgen
NEU!
© Norbert Millauer

Von Peggy Zill

Coswig. Es passierte am Freitagabend vor einer Woche gegen 17.30 Uhr. Heike Reinhard war gerade im Garten und wollte die Wellesittiche reinholen, als zwei Autos auf der Naundorfer Straße angerast kamen. In der Einbahnstraße sind eigentlich nur 30 Stundenkilometer erlaubt. Als Reinhards Katze über die Straße lief, konnte der erste Fahrer noch ausweichen, der zweite überfuhr das Tier. Es war sofort tot. „Die hatten einen Affenzahn drauf“, erinnert sich die Coswigerin. Dass Freigänger-Katzen gefährlich leben, weiß Heike Reinhard. Sie ärgert sich aber, dass in der Engstelle so gerast wird. „Es geht ums Prinzip. Hier sind schließlich auch Kinder unterwegs.“

Auch Gabi Paffrath, die gegenüber wohnt, nimmt ihre Enkelkinder schon im Hof an die Hand, damit sie nicht auf die Straße rennen. Denn wenn sie das Tor öffnet, steht sie direkt auf der Straße. Es gibt keinen Fußweg auf dieser Seite.

Seit 18 Jahren wohnt sie in Kötitz. In dieser Zeit habe sie drei Katzen eingebüßt. Die Tiere lässt sie unterdessen nur noch nach hinten raus. Ein hohes Tor ohne Schlupflöcher sichert den Weg zur Straße. Es sind aber nicht nur die Raser, sondern auch die Falschfahrer, die den Anwohnern Angst machen. Aus Richtung Radebeul kommend, dürfen eigentlich nur Busse in die schmale Straße fahren. Weil man das Ende der Einbahnstraße aber sieht, hält sich nicht jeder dran. „Wer aus Radebeul kommt, sieht zu, dass er schnell hier durch kommt“, erklärt Paffrath. Besonders jetzt im Sommer, wenn viele ins Kötitzer Bad wollen, nutzen sie die Abkürzung. Aber auch nachts und in den frühen Morgenstunden seien viele Raser unterwegs. „Manchmal denke ich, ich wohne an der Autobahn“, beschreibt Gabi Paffrath. „Man hat den Eindruck, dass die sich hier richtige Rennen liefern.“ Nach dem Stadtfest sei ihr Nachbar nachts von einem Falschfahrer fast umgefahren worden. An die erlaubten 30 Stundenkilometer halten sich nur die wenigsten, bestätigt eine andere Nachbarin. Dass viele das Verbotsschild ignorieren, komme hingegen nicht so oft vor. Sie habe vor allem Probleme, wenn sie aus ihrer Einfahrt heraus will, weil die Straße schlecht einsehbar ist. „Und besonders die Motorradfahrer kommen angepfiffen. Das ist jedes Mal gefährlich“, so die Kötitzerin.

Beim Ordnungsamt haben sich Gabi Paffrath und Heike Reinhard schon beschwert. Das habe nichts gebracht. Nun will Gabi Paffrath zum nächsten Stadtrat im September. „Da erwarte ich eine ordentliche Antwort.“ Mit einem Nachbarn habe sie auch überlegt, eine Petition zu starten. Denn in den vergangenen Jahren sei es immer schlimmer geworden mit der Raserei. „So wie jetzt geht es nicht weiter“, sagt die 52-Jährige.

Von Autorennen in Kötitz will die Stadtverwaltung Coswig nichts wissen. „Dass eine Katze überfahren wurde, ist bedauerlich“, sagt Olaf Lier, Chef des Ordnungsamtes. Freigängerkatzen seien nun einmal wesentlich mehr Gefahren ausgesetzt. Im Nadelöhr an der Einbahnstraße sei die Verkehrsmenge stark reduziert, weil der Hauptverkehr über die Friedrich-List-Straße sowie die Hälfte des restlichen Verkehrs über die Hohe Straße geleitet wird. Ursprünglich war die Straße in beiden Richtungen befahrbar. Nun ist sie seit Jahren Einbahnstraße mit einer signalisierten Freigabe für den Bus in Gegenrichtung. Allerdings ist bekannt, dass sich nicht alle an die Vorschriften halten. „Das gilt übrigens auch manchmal für Anlieger. Hier helfen nur immer wieder Kontrollen aber auch gegenseitige Rücksichtnahme und vorausschauendes Fahren“, so Lier. Dass an der Naundorfer Straße völlig abartige Verhältnisse herrschen, könne er nicht bestätigen. „Wir haben in Coswig andere Straßen mit einem Mehrfachen an Verkehr und höheren Geschwindigkeiten, ohne dass es hier ständig zu Unfällen kommt.“