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Rathen investiert ins schnelle Netz

Die Gemeinde zahlt für schnelle Verbindung nach Oberrathen. Die großen Hotels auf der anderen Elbseite profitieren davon nicht.

© dpa

Von Gunnar Klehm

Kurort Rathen. Die Erleichterung über diese Information war Bürgermeister Thomas Richter (parteilos) noch in der Gemeinderatssitzung anzumerken. „Vor vier Tagen hat das Unternehmen sein Angebot zurückgezogen, Oberrathen ohne Fördermittel mit schnellem Internet zu versorgen“, sagte Richter. Was sich erst mal negativ anhört, dem kann die Gemeinde aber einiges abgewinnen.

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Die Firma wollte über Richtfunk-Technik den linkselbischen Teil der Gemeinde erschließen. Das Problem dabei: Nicht alle Haushalte waren mit der Technik sinnvoll zu erreichen. So entstanden weiße Flecken im Ortsteil. Diese Adressen dürfen mit Fördermitteln angeschlossen werden. Aber nur die. Der Staat darf sich nicht in den Markt mit Subventionen einmischen.

In Oberrathen gibt es nun keinen Markt mehr. Kein einziges Telekommunikationsunternehmen will die Häuser dort mit schnellem Internet versorgen. Die Ausgaben für Kabel und Anschlüsse wären zu hoch, um sie auf die Kunden umzulegen. Die kalkulierten Preise würde kein Oberrathener zahlen.

Um solche Gebiete trotzdem ans Netz anzuschließen, geben Bund und Freistaat Fördermittel, um diese sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke für die Unternehmen zu schließen. Aber nur, wenn die jeweilige Gemeinde zehn Prozent der nötigen Fördermittel selbst übernimmt. Das Geld geht an die Firma, die die Ausschreibung gewinnt. Doch das muss sich eine Gemeinde leisten können. Die Beraterfirma der Gemeinde hat sofort ermittelt, dass der Kurort nun 133 000 Euro aufbringen müsste, damit ein Teil der Bewohner Glasfaseranschlüsse ins Haus bekommt, die Übertragungsraten von 100 MBit ermöglichen und von den Telekommunikationsunternehmen vermarktet werden können.

Dass sich die Gemeinderäte in der Sitzung am Montag mit der Entscheidung schwertaten, hat nicht nur mit der Summe zu tun, sondern auch mit dem Fakt, dass Niederrathen davon so gut wie nicht profitiert. Hier will die Deutsche Telekom mit Verstärkern die Übertragungsrate in den vorhandenen Kupferkabeln erhöhen. Der Staat darf hier nicht in den Markt mit Subventionen eingreifen.

Doch auch in Niederrathen bleiben drei weiße Flecken, die die Telekom mit ihrer „Verstärkung“ nicht erreicht: die Häuser am Waltersdorfer Berg, am Amselsee und die Felsenbühne. Die dürfen nun subventioniert mit leistungsfähigerem Glasfaserkabel angeschlossen werden. Das paradoxe: Das Kabel wird durch den Amselgrund gelegt, die Wohnhäuser links und rechts dürfen aber nicht angeschlossen werden, um Telekom nicht den Markt zu nehmen. Die Räte entschlossen sich trotzdem, die drei Bereiche extra anzuschließen. Noch diese Woche werden die Fördermittel von Bund und Freistaat beantragt. Erst wenn die bewilligt sind, können die Arbeiten ausgeschrieben werden.