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Deshalb reitet Winnetou nicht über die Felsenbühne Rathen

Im Sommer 2022 öffnet das Naturtheater wieder für Zuschauer und Zuhörer. Zuvor kämpfen die Bauleute noch auf engstem Raum.

Manuel Schöbel, der Intendant der Landesbühnen Sachsen ist begeistert von den Umbauten zur neuen Spielstätte.
Manuel Schöbel, der Intendant der Landesbühnen Sachsen ist begeistert von den Umbauten zur neuen Spielstätte. © Steffen Unger

Manuel Schöbel, dem Intendanten der Landesbühnen Sachsen ist die Freude anzusehen. Mit großen Gesten und lauter Stimme schwärmte er am Donnerstag zum Presserundgang von der neuen Felsenbühne. Damit wird sozusagen der Öffentlichkeit ein erster Blick in das Baugeschehen gewährt. Und, die Felsenbühne Rathen öffnet nicht nur nach zwei Jahren Umbau, sondern auch mit einem völlig neuen Konzept. Das steckt dahinter.

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Mitten im Nationalpark wird Europas schönstes Naturtheater umgebaut. So wirbt die Felsenbühne überall auf Plakaten für sich. Im Sommer 2022 soll dann die große Neueröffnung gefeiert werden. Ein Kraftakt der derzeit hinter den Kulissen abgeht. Nicht nur, dass aufgrund der Lage im Nationalpark bestimmte Auflagen zu erfüllen sind. Dazu kommt, dass es auf der Baustelle ziemlich eng ist und die Bauleute praktisch auf kleinstem Raum den Umbau bewältigen müssen. Und dann wäre noch der Kurort Rathen mit seinen Einwohnern und Touristen. Die sollen von dem Umbau so wenig wie möglich mitbekommen. Abgesehen von diversen kleinen Baufahrzeugen und zwei blauen Multicars, die ab und an durch den Ort rollen, ist nichts von dem Riesenprojekt mitten im Nationalpark zu hören. Und das hat auch seinen Grund. Oberhalb von Rathen, in Waltersdorf, haben die Firmen auf einer landwirtschaftlichen Fläche ihren Bauplatz eingerichtet. Bis dahin erfolgt in Rathen der An- und Abtransport von Material und Bauschutt mit kleinen Baufahrzeugen. Bürgermeister Thomas Richter schätzt ein, dass sich die anfänglichen Befürchtungen der Anwohner für den Kurort Rathen nicht bestätigt haben. In enger Abstimmung könne das Bauvorhaben zügig vorangetrieben werden, sagt er.

Teure Baulogistik

Architekt Lür Meyer-Bassin könnte sicherlich stundenlang über das Vorhaben berichten. Zum einen sei eine solche Baumaßnahme im Nationalpark in jeder Hinsicht eine Ausnahme. Und zum anderen sei es reizvoll an so einer einmaligen Stelle bauen zu dürfen. Nur die Gesamtbauzeit von 20 Monaten sei ziemlich sportlich. Doch man liege gut im Zeitplan. Die Baulogistik ist für ihn der wichtigste Punkt gewesen und nach dem Rohbau zugleich auch das teuerste Baulos. In enger Abstimmung mit dem Kurort Rathen habe man da einiges bewerkstelligen können. Und ein Blick auf die Baustelle lässt die Anforderungen auch an die Bauleute unschwer erkennen. Um zum Beispiel Beton zu mischen, konnte der nicht wie sonst üblich in einem großen Laster herangekarrt werden. Er wurde vor Ort in einem mobilen Betonwerk gemischt.

Architekt Lür Meyer-Bassin erläutert die logistischen Herausforderungen mitten im Nationalpark, mitten im Kurort.
Architekt Lür Meyer-Bassin erläutert die logistischen Herausforderungen mitten im Nationalpark, mitten im Kurort. © Steffen Unger

Neues Label, neues Programm

"Seit zehn Jahren beschäftigen wir uns mit der Planung und Realisierung des Umbaus der Felsenbühne Rathen. Mit der Sanierung erfüllt sich ein langersehnter Traum", sagt Manuel Schöbel. Dem Landesbühnen-Intendanten ist die Freude und Begeisterung über die neue Spielstätte anzusehen. Denn mit dem Umbau verbessern sich die Bedingungen für die Schauspieler, Musiker und das gesamte Ensemble. Und wer neu an den Start geht, tut das auch mit einem neuen Konzept. Unter dem neuen Label "Felsenbühnen Festspiele" vereinen sich künftig die gemeinsame Geschichte der Felsenbühne mit den Landesbühnen. Gleichzeitig weiten sich mit der Modernisierung auch die Möglichkeiten bei den Aufführungen. Und auf die dürfen die Besucher gespannt sein.

Auf den Freischütz wird man im kommenden Jahr vergeblich warten. Ekkehard Klemm, Chefdirigent der Elblandphilharmonie präsentiert hier mit Kerstin Weiße das druckfrische Plakat für die Felsenbühnen-Festspiele.
Auf den Freischütz wird man im kommenden Jahr vergeblich warten. Ekkehard Klemm, Chefdirigent der Elblandphilharmonie präsentiert hier mit Kerstin Weiße das druckfrische Plakat für die Felsenbühnen-Festspiele. © Steffen Unger

Näher am Publikum

Wenn am 6. Juni 2022 die Besucher die neue Felsenbühne sehen werden, wird ihnen wohl als Erstes das moderne mit Lärchenholz gestaltete Funktionsgebäude ins Auge fallen. Darin verborgen die gastronomische Versorgung. Die war vorher eher auf ländlichem Niveau. Jetzt sind die Ausgabetheken größer und bieten mehr Möglichkeiten, wenn sei von allen Besuchern in der Pause auf einmal gestürmt werden.

Der Orchestergraben ist verschwunden. Das ist wohl das größte Novum beim Umbau. Für die Musiker wurde auf der linken Bühnenseite ein Pavillon gebaut. Damit ist das Orchester künftig sichtbar, näher am Publikum dran. Mit dem Verschwinden des Orchestergrabens können wiederum auch die Schauspieler näher ans Publikum heranrücken, stehen sozusagen genau vor ihnen. Übrigens ist auch der Weg zur Felsenbühne saniert und so ausgebaut, dass sich an einigen Stellen auch die Gehbehindertentransporte begegnen können. Denn die wird es weiter geben. Und mit der Licht- und Tontechnik könne man ebenfalls noch eins draufsatteln, sagt Manuel Schöbel.

An den 1850 Sitzplätzen wird nicht gerüttelt. Die Bänke werden noch saniert.
An den 1850 Sitzplätzen wird nicht gerüttelt. Die Bänke werden noch saniert. © Steffen Unger

Nicht verändert wurde der Zuschauerbereich. Die Bänke werden zwar noch etwas erneuert. Auch an den 1.850 Sitzplätzen hält man fest. Um bei den Zahlen zu bleiben: Der Umbau wird etwa um die 15 Millionen Euro kosten.

Weder Freischütz und Winnetou

Ein Blick ins Programm zeigt, auch da wird sich für die Zuschauer einiges ändern. Auf den traditionellen Freischütz verzichtet man in 2022 gänzlich. Dafür gibt es mit dem "Fliegenden Holländer" ein Richard Wagner Stück. Und auch Winnetou wird in diesem Jahr nicht über die Bühne reiten. Das hat seinen einfachen Grund. Die Arbeit mit den Pferden könne sich nicht an die lange Bauzeit anschließen. Bevor diese wieder zum Einsatz kommen, brauche es etwas mehr Vorbereitungszeit. Dafür können sich die Besucher auf Aufführungen wie Leonard Bernsteins "West Side Story" freuen. Manuel Schöbel der selbst Regie führen wird, bezeichnet das als Meilenstein für die Bühne. "Das kalte Herz" ist mit dabei, wie auch "Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes", Carmina Burana und auch zwei Stücke für Kinder.

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Alle die nun schon gespannt auf die neue Felsenbühne sind, sollten sich den 6. Juni 2022 vormerken. Der Vorverkauf für das Programm 2022 beginnt am 15. Oktober.

Informationen und Karten online, telefonisch oder an der Kasse über die Landesbühnen Sachsen.

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