merken
PLUS Pirna

Neues Leben im Rathener Diakonissenheim

Das Haus Felsengrund in Oberrathen war mal Kinderheim, mal Entbindungshaus. Wegen erheblicher Schäden wurde es 2010 gesperrt. Nun beginnt ein neues Kapitel.

Mit einem Firstfest wurde die Notsicherung von Haus Felsengrund in Rathen gefeiert. Das 1912 gebaute Objekt hat nun ein neues Dach, auch der Schwamm wurde bekämpft.
Mit einem Firstfest wurde die Notsicherung von Haus Felsengrund in Rathen gefeiert. Das 1912 gebaute Objekt hat nun ein neues Dach, auch der Schwamm wurde bekämpft. © Steffen Unger

Wenn in Rathen zur unrunden Stunde die Glocken geläutet werden, dann muss es einen besonderen Grund geben. Einen, der nicht alltäglich ist. Für die Stiftung Friedensburg und Felsengrund, die in Oberrathen ein christliches Tagungs- und Erholungszentrum betreibt, gab es kürzlich so einen Moment.

Denn die Stiftung plant ein Großprojekt. Der Gästehauskomplex am Elberadweg, der aktuell etwa 130 Betten umfasst, soll erweitert werden. Und zwar mit einem Haus, das zu den wohl geschichtsträchtigsten im Kurort Rathen gehört. Gemeint ist das Haus Felsengrund, das sich in direkter Nachbarschaft am Pötzschaer Weg befindet.

Anzeige
Wie werde ich reich und glücklich?
Wie werde ich reich und glücklich?

Mischa Spolianskys Kabarett-Revue »Wie werde ich reich und glücklich?« am 2. Juli 2021 auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch

Stiftung rettet zwei Diakonissenhäuser

Die denkmalgeschützte Villa wurde 1912 gebaut und ursprünglich als christliches Erholungsheim errichtet. Zusammen mit dem Haus Friedensburg gehörte es bis 2014 zu verschiedenen diakonischen Werken. Mit den Trägern wechselte die Nutzung. Mal war es Erholungsheim, mal Haushaltungsschule, dann wieder Kinder- und Entbindungsheim und Altersheim. Bekannt ist es bis heute als Diakonissenheim der Vandsburger Diakonissenschwesternschaft aus Ostpreußen. Einige der Diakonissinnen lebten hier, betreuten Kinder, Alte, Kranke, Schwangere.

"Die Mütter dieses Hauses gaben Menschen Raum und schufen einen Ort für Körper und Seele", beschreibt Uta Krusche Räder von der Stiftung Friedensburg und Felsengrund. Die ehemalige Pirnaer Superintendentin war als Kind mit ihrer Familie selbst im Haus Felsengrund zu Gast.

Als es 2014 zusammen mit dem Haus Friedensburg aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden sollte, gehörte Uta Krusche-Räder mit vielen weiteren Unterstützern zu einem Kreis, der nach einer Lösung suchte - und in der gemeinnützigen Stiftung fand. 2016 kaufte diese erst die Friedensburg, die heute als Gästehaus für Gruppen oder Soloreisende, für Bildungs- und Jugendarbeit genutzt wird. 2019 folgte das Haus Felsengrund.

"Wir wollten damals schon die Sanierung starten", sagt Architekt Matthias Börner, der im Stiftungsvorstand aktiv ist. Denn der Zustand war ruinös. Über Jahre drang Feuchtigkeit ins Gemäuer. Bis ins Erdgeschoss hatte sich der Hausschwamm ausgebreitet.

Lage am Elbhang macht Bau schwierig

Die Sanierung scheiterte 2019 jedoch am Geld. Denn es wurden keine Fördermittel bewilligt. Im November letzten Jahres dann die Wende: Das Landesamt für Denkmalpflege stellte rund 100.000 Euro Fördergeld aus dem Programm "Dächer dicht" zur Verfügung.

Das Geld wird derzeit verbaut. Seit dem Winter läuft die Dach- und Schwammsanierung. Der Dachstuhl wurde saniert, das Haus neu eingedeckt.

Das historische Haus Felsengrund in Rathen wurde 1912 als christliches Erholungsheim errichtet und als Beherbergungsstätte, Bildungsort, Entbindungshaus sowie Kinder- und Altenheim genutzt. 2010 wurde der Beherbergungsbetrieb wegen zu vieler Schäden geschlossen. Eine gemeinnützige Stiftung will der denkmalgeschützten Villa nun wieder neues Leben einhauchen.
Das historische Haus Felsengrund in Rathen wurde 1912 als christliches Erholungsheim errichtet und als Beherbergungsstätte, Bildungsort, Entbindungshaus sowie Kinder- und Altenheim genutzt. 2010 wurde der Beherbergungsbetrieb wegen zu vieler Schäden geschlossen. Eine gemeinnützige Stiftung will der denkmalgeschützten Villa nun wieder neues Leben einhauchen. © SZ
Seit Dezember läuft im Haus Felsengrund die Dach- und Schwammsanierung. Der Hausschwamm hatte sich über die Jahre bis ins Erdgeschoss ausgebreitet. Rund 280.000 Euro wurden nun in die Notsicherung investiert, darunter 100.000 Euro Fördergeld der Denkmalpflege.
Seit Dezember läuft im Haus Felsengrund die Dach- und Schwammsanierung. Der Hausschwamm hatte sich über die Jahre bis ins Erdgeschoss ausgebreitet. Rund 280.000 Euro wurden nun in die Notsicherung investiert, darunter 100.000 Euro Fördergeld der Denkmalpflege. © Steffen Unger
Das Haus ist theoretisch bereit für den Innenausbau. Bevor der beginnen kann, wird ein Nutzungskonzept erstellt, dass sich an den Räumlichkeiten orientiert. Die Zimmer im Haus Felsengrund sind teilweise keine acht Quadratmeter groß. Darin haben früher Diakonissinnen gelebt.
Das Haus ist theoretisch bereit für den Innenausbau. Bevor der beginnen kann, wird ein Nutzungskonzept erstellt, dass sich an den Räumlichkeiten orientiert. Die Zimmer im Haus Felsengrund sind teilweise keine acht Quadratmeter groß. Darin haben früher Diakonissinnen gelebt. © Steffen Unger
Pirnas ehemalige Superintendentin Uta Krusche-Räder gehört zum Stiftungsbeirat, die das ehemalige Diakonissenheim retten will. Sie hat als Kind mit ihrer Familie im Haus Felsengrund Urlaub gemacht und nicht nur deshalb eine besondere Beziehung zu dem Projekt.
Pirnas ehemalige Superintendentin Uta Krusche-Räder gehört zum Stiftungsbeirat, die das ehemalige Diakonissenheim retten will. Sie hat als Kind mit ihrer Familie im Haus Felsengrund Urlaub gemacht und nicht nur deshalb eine besondere Beziehung zu dem Projekt. © Steffen Unger

Etliche Ehrenamtliche haben die Arbeiten bei Aufbaurüstzeiten unterstützt. "Sie haben im Winter unter teils widrigen Bedingungen alles raus getragen, was nicht mehr gebraucht wird", sagt Matthias Börner. Wegen der Lage am Hang und an der schmalen Straße mussten die Container für Bauschutt auf dem großen Parkplatz in Oberrathen gestellt werden. "Der Weg vom Haus bis zum Parkplatz wird schnell lang, wenn man ihn 100-mal pro Tag geht", sagt Börner und bedankt sich bei den vielen Helfern.

Zimmer zu klein, Wände zu dünn

Der Schwamm ist bekämpft, das Dach dicht. Insgesamt flossen rund 280.000 Euro in die Notsicherung. Nun will die Stiftung den nächsten Schritt gehen. Es soll ein Nutzungskonzept für das Haus Felsengrund erstellt werden. "Wir müssen uns fragen, wofür es am besten geeignet ist", erklärt Architekt Matthias Börner beim Blick auf den Grundriss. Viele der Zimmer sind extrem kleine. Manche messen keine acht Quadratmeter. Es sind die ehemaligen Zimmer der Diakonissinnen. Die Wände zwischen den Räumen sind zudem sehr dünn. "Das werden wir so nicht lassen können", kündigt er an.

Ideen hat die Stiftung bereits. Eine Überlegung ist, das Haus Felsengrund als Lebensgemeinschaft neu aufleben zu lassen. Nach dem Prinzip, wie es in Klöstern praktiziert wird. Zum Beispiel mit festen Zeiten für Gebete. Für Familien, die gezielt nach diesem Konzept leben wollen. In den nächsten Monate wird das Konzept festgezurrt. Steht es, folgt der darauf abgestimmte Sanierungsplan.

Mehr zum Thema Pirna