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Ratlosigkeit bei Rasenball

Momentan gleichen die roten Bullen mehr den Ochsen vorm Berge, wie sie so vom sechsten Tabellenplatz hinauf schauen zur Spitze der zweiten Liga. Sportdirektor Rangnick steht unter Zugzwang.

© dpa

Von Anne Grimm und Gerald Fritsche

Leipzig. Ziel verfehlt - und nun? Beim ambitionierten Fußball-Zweitligisten RasenBallsport Leipzig gibt es nach dem verpassten Aufstieg ins Oberhaus viele offene Fragen. Bleibt Achim Beierlorzer trotz der zuletzt blutleeren Auftritte des Teams verantwortlicher Coach oder zaubert Sportdirektor Ralf Rangnick einen bislang noch nicht im Fokus stehenden Fußballlehrer aus dem Ärmel? Wer beerbt den zum FC Bayern München wechselnden Joshua Kimmich in der Schaltzentrale?

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Rangnick lässt sich bisher nicht in die Karten schauen. Die Trainerfrage beantwortet der 56-Jährige seit Wochen mit dem Satz „es soll so schnell wie möglich eine Lösung gefunden werden.“ Bezüglich der Neuzugänge meinte er nur: „Wir werden keinen Mittelstürmer mehr verpflichten.“ Klar ist: Einige der Aufstiegshelden aus den vergangenen Jahren müssen und wollen ihre Koffer packen. Dazu gehört Kapitän Daniel Frahn. Die Verteidiger Niklas Hoheneder und Sebastian Heidinger stehen nur noch selten im Kader und sind zwei Wackelkandidaten, deren Verträge im Sommer auslaufen.

Die Ehrenrunde, die RB Leipzig im nächsten Spieljahr in der 2. Bundesliga dreht, hat sich der junge Verein vor allem selbst zuzuschreiben. Hoch anrechnen muss man den Verantwortlichen, dass nach dem Aufstieg nicht einfach die Schatulle geöffnet und Unmengen Geld für neue Spieler ausgegeben wurde. Der ehemalige Trainer Alexander Zorniger vertraute weitgehend der jungen Mannschaft, die durch die 3. Liga gestürmt war, obwohl längst nicht alle Akteure schon aufgrund ihres Alters gehobenes Zweitliga-Niveau hatten.

10 Millionen verpufft

Als in der Winterpause der Aufstieg möglich war, wollte Rangnick diesen um jeden Preis. Für rund zehn Millionen Euro wurden international erfahrene Spieler wie Emil Forsberg und Omer Damari für die Offensive verpflichtet - auch weil sich der wuchtige US-Stürmer Terrence Boyd erneut verletzte. Gleichzeitig aber wurden die Warnungen von Zorniger, die Mannschaft brauche noch ein weiteres Zweitliga-Jahr, um zu reifen, einfach ignoriert.

Nach der Niederlage im ersten Spiel des Jahres 2015 beim FC Erzgebirge Aue trennten sich RB und Zorniger. Praktisch aus dem Nichts wurde Beierlorzer vom U17-Trainer ins höchste Amt befördert. Der 47-Jährige sorgte kurzzeitig für frischen Wind, doch ausgerechnet im Saisonendspurt verpufften die Akzente. Das frustrierende 0:1 beim FC St. Pauli und die 0:4-Schlappe daheim gegen den SV Sandhausen lassen auch seine Zukunft als Cheftrainer offen.

Verstärkung aus Österreich

Damit heißt es im Sommer: Neustart in Liga zwei. Wer diesen mit welchem Spielerkreis bewältigen wird, scheint derzeit noch völlig offen. Zumal der externe Markt laut Rangnick „überschaubar und in den letzten Wochen nicht voller geworden ist.“ Nach den Absagen der bevorzugten Fußballlehrer Thomas Tuchel und Markus Gisdol ist die Trainerfrage aktueller denn je. Als möglicher Kandidat kommt Sascha Lewandowski ins Spiel, der nach Informationen in der Montag-Ausgabe des Fachmagazins „kicker“ seinen Vertrag als Nachwuchschef bei Bayer Leverkusen zum Sommer gekündigt hat. Der bundesligaerfahrene 43-Jährige wäre einer nach dem Geschmack Rangnicks. Er hat bewiesen, dass er junge Spieler formen kann.

Der Sportdirektor wird die Qualität der Mannschaft nochmals erhöhen. Mit Bremens Stürmer Davie Selke ist ein hochkarätiger Neuzugang bereits verpflichtet, für die anderen Mannschaftsteile inklusive der Torhüter-Position, besteht weiteres Interesse. Bei RB Salzburg stünden die verliehenen Rohdiamanten Massimo Bruno und Marcel Sabitzer parat. Vom konzerneigenen Club aus Österreich wurde in den vergangenen Wochen in verschiedenen Medien auch immer wieder Stefan Ilsanker als potenzielle Verstärkung für Leipzig gehandelt. (dpa)