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Rauch überm Gewerbegebiet

Bei dem Großeinsatz der Feuerwehren am Rothenburger Flugplatz war der Digitalfunk wieder einmal schlecht.

© Danilo Dittrich

Von Frank-Uwe Michel

Ernst wurde es für die Kameraden der Rothenburger Feuerwehr am Dienstagnachmittag zur besten Feierabendzeit kurz nach vier. „Schon bei der Einsatzmeldung hatte sich angedeutet, dass es etwas Größeres werden würde“, erzählt Torsten Juckel. „In der Alarmierung hieß es, dass eine Explosion mit Brandfolge bekämpft werden müsse. Wenn so etwas durchgegeben wird, kann man davon ausgehen, dass es kein Pillepalle ist.“ Und diese Vermutung sollte sich bestätigen.

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Als der Stadtwehrleiter am Ort des Geschehens bei der Firma Eko Energy auf dem Gewerbegebiet am Flugplatz eingetroffen war und sah, was die Ursache für die schon von Weitem sichtbare Rauchsäule war, leitete er sofort die Nachalarmierung weiterer Wehren ein. Insgesamt kümmerten sich in den folgenden Stunden etwa 50 Feuerwehrleute aus Rothenburg, Lodenau, Steinbach, Nieder-Neundorf, Neusorge, aber auch aus Horka und Niesky um die Bekämpfung des Brandes.

Kein gewöhnlicher Einsatz

Für Torsten Juckel und seine Mitstreiter sollte dies kein gewöhnlicher Einsatz werden, immerhin hatte eine Verpuffung in den Trocknungsanlagen dafür gesorgt, dass sich die Holzspäne, die später zu Pellets verarbeitet werden, entzündeten und auch ein Pelletsilo in Mitleidenschaft zogen. Zur Ursache der Verpuffung wollte sich der Rothenburger Feuerwehrchef nicht äußern. „Natürlich kann die anhaltende Trockenheit die ganze Sache begünstigt haben. Dass sie dafür ausschlaggebend war, glaube ich aber nicht“, so der Experte. Generell gebe es bei Stäuben in hoher Konzentration und unter bestimmten Bedingungen immer eine gewisse Verpuffungsgefahr. Darüber hinaus sei auf dem Firmengelände am Stadtrand von Rothenburg genügend brennbares Material vorhanden gewesen.

Massiver Löschwasserbedarf

Auf Grund der großen Rauchentwicklung und des fortschreitenden Brandes hatten die beteiligten Feuerwehren „einen massiven Löschwasserbedarf“, schildert Juckel. Das Wasser dazu wurde aus einem Unterflurhydranten des Flugplatzes geholt. „Im Verlauf des Einsatzes haben wir dann auch mit Schaummitteln gearbeitet.“ Allerdings sei der Zugang zum Brandherd nicht einfach gewesen, weil zumindest das Silo ein geschlossener Behälter war. Zudem seien durch die Explosion brennende Teile in die Umgebung geschleudert worden, die bei den durch den Wind verstreuten Holzspänen an verschiedenen Stellen zu Bodenbränden geführt hätten. „Auch auf der Verpackungshalle war brennendes Material gelandet, das wir aber schnell löschen konnten“, erklärt der Rothenburger Stadtwehrleiter. Gegen 19 Uhr seien die ersten Einsatzkräfte wieder abgerückt. Die nächtliche Brandwache habe man den Mitarbeitern der Firma Eko Energy übergeben, aber eine aufgebaute Schlauchleitung vor Ort belassen, mit der die Bekämpfung eventuell plötzlich auflodernder versteckter Glutnester unkompliziert möglich gewesen wäre. Nach Informationen von Torsten Juckel kam es dazu aber nicht. Wohngebiete seien während des gesamten Brandes nicht bedroht gewesen.

Trotz des insgesamt problemlosen Feuerwehreinsatzes lief nicht alles so glatt, wie sich das die Kameraden gewünscht hätten. „Wir hatten ziemliche Schwierigkeiten mit dem Digitalfunk“, macht der Rothenburger Stadtwehrleiter klar. „Der Empfang am Flugplatz war einfach schlecht.“ Und er erklärt die Situation: „Digitalfunk funktioniert ähnlich wie das Handynetz. Die Geräte müssen sich einwählen können. Aus der Vergangenheit wissen wir natürlich, dass es um die Netzverfügbarkeit im Grenzgebiet zu Polen nicht zum besten bestellt ist. In diesem Fall hat es uns an der optimalen Durchführung unseres Einsatzes gehindert“, so Juckel. Netzverfügbarkeit vorausgesetzt, hätte er schon bei der Anfahrt in Richtung Gewerbegebiet einige Anweisungen geben können. Zeit, die dann während des Einsatzes aufgewendet werden musste. Auch die Verständigung unter den einzelnen Trupps sei mit dem Digitalfunk schwierig gewesen. „Bei einer so großen Einsatzstelle bekommt jeder Abschnitt einen eigenen Funkkanal. Wenn das nicht funktioniert, gibt es Kommunikationsprobleme“, unterstreicht der Feuerwehrchef aus der Neißestadt.

Leitstelle nur zeitweise erreicht

Die Leitstelle habe er nur zeitweise erreichen können. „Dazu musste ich zum Auto gehen und das Funkgerät des Fahrzeuges nutzen. Die Zeit dazu hat man während eines laufenden Einsatzes nur selten.“ Deshalb sei es auch keine Option gewesen, das Auto als eine Art Relaisstation zu nutzen, um sich mit den einzelnen Trupps zu verständigen. Juckel hofft, dass der Freistaat in nächster Zeit für Verbesserungen beim grenznahen Digitalfunknetz sorgen kann.

Um die Ursache für die Verpuffung und den nachfolgenden Brand zu klären, soll laut Polizei ein Brandursachenermittler zum Einsatz kommen. Den verursachten Schaden habe das Unternehmen auf mehrere 10 000 Euro geschätzt. Zu einer Stellungnahme war die Firma auf Anfrage am Mittwoch nicht bereit. Die Firma Eko Energy stellt aus Holzspänen Pellets her, die wegen des nachwachsenden Rohstoffs Holz als klimafreundlich gelten.