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Raus aus dem Schlachthof, rein in den Stadtraum

"People say I'm different" - die Leute sagen, dass ich anders bin. Anya Jansen malte diese streitlustige Dame, der man im Sommer 2019 irgendwo in Dresden begegnen kann. © Foto: Ostrale Biennale

Die Ostrale Biennale wird man 2019 in diversen Dresdner Räumen entdecken.  

Die gute Nachricht: Die Ostrale Biennale will in Dresden bleiben, obwohl sie kein festes Quartier mehr hat. Nachdem die Stadt Chemnitz sich gegen die Ostrale entschieden hat, meldeten sich Institutionen in Dresden, die sich den bevorstehenden Sommer nicht ohne diese zeitgenössische Kunstausstellung vorstellen können. Die Messe, das Goethe-Institut, der Ausländerrat, das Kunsthaus Raskolnikow, das Projekttheater, die Feuerwache Loschwitz und die Transmedia Akademie Hellerau haben Hilfe zugesagt. Außerdem sollen darüber hinaus Freiflächen im Stadtgebiet mit Kunstwerken gestaltet werden, so zum Beispiel am Dresdner Hauptbahnhof. Aus der konzentrierten Ausstellung in den Futterställen und Heuböden soll so eine dezentrale Schau werden. Wer sie entdecken will, entdeckt im besten Fall sogar die Stadt neu, sei er nun Einheimischer oder Gast. Dresden, die gespaltene Stadt, könnte also 2019 schon einmal überzeugend zeigen, womit es in der Kulturhauptstadtbewerbung punkten will: Ein diskursives Miteinander. 

Grenzen spielerisch überwinden 

Aber nun kommt auch schon die weniger gute Nachricht: Um diese dezentrale Ausstellung vorzubereiten und einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, braucht die Mannschaft um Ostrale-Chefin Andrea Hilger personelle Verstärkung und mehr Geld: „Mit Spannung erwarten die Veranstalter der Ostrale Biennale als einer der größten temporären Ausstellungen zeitgenössischer Künste in Deutschland und Europa die anstehenden Haushaltsentscheidungen von Stadtrat und Kulturausschuss. Denn ohne eine Erhöhung der Förderung wird die Durchführung der Ostrale Biennale 2019 außerhalb des bisherigen Veranstaltungsortes nicht möglich sein“, heißt es in der am Mittwoch verbreiteten Pressemitteilung. In der Messe Dresden sollen – eine Einigung über machbare Konditionen vorausgesetzt – die Eröffnung und die Hauptausstellung der Ostrale stattfinden. Möglich wäre das allerdings nur während der Sommerferien. „Dank der dezentralen Räumlichkeiten unserer Partner im Stadtgebiet können wir Teile der Ausstellung auch außerhalb der Sommerferien zeigen. Wir freuen uns, dass wir dadurch wieder Schulklassen einladen können, deren Lehrer den Besuch seit Jahren gezielt in den Kunstunterricht einbauen“, sagte Andrea Hilger. Gemeinsam mit ihr bereiten Künstler und Kuratoren aus Kenia, Uganda, Israel, Malta, Großbritannien, Hongkong und Deutschland die Ausstellung vor, die am 3. Juli eröffnet werden soll. Unter dem Leitgedanken „ismus“ wollen sich Künstler aus aller Welt vor Ort mit den digitalen Strategien und den neuen Technologien befassen. Wenn Realität und Fiktion nicht mehr klar zu trennen sind, entstehen neue -ismen, die dazu führen, dass dogmatisch Grenzen gesetzt werden. Künstlerinnen und Künstler haben ihre eigene Sprache, darauf zu reagieren und solche Grenzen spielerisch zu überwinden.