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Rauschende Ballnacht

Hunderte sind zur ersten Walzernacht gekommen. Die meisten wünschen sich eine Wiederholung.

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© Andreas Weihs

Von Peggy Zill

Weinböhla. Er hat den Schlosseranzug heute gegen Hemd, Jackett und Fliege getauscht, sie trägt ein schickes schwarzes Kleid. „Wir haben uns vor 25 Jahren bei der Tanzstunde kennengelernt“, erzählt er. Die Schritte sitzen noch immer. Schon beim Eröffnungstanz „Wiener Blut“ dreht das Paar aus Weinböhla seine Runden auf der Tanzfläche direkt vor dem Zentralgasthof. Von der Idee der Walzernacht sind sie begeistert. „Das ist ein schöner Tanz und könnte jedes Jahr stattfinden“, meint sie.

Die Bedingungen sind aber auch ideal. Kein Wölkchen am Himmel, über 20 Grad und kurz vor dem Winzerstraßenfest sind die Weinböhlaer in Feierlaune. Organisator Andreas Weidmann war mit seiner Frau der Erste auf der Tanzfläche. Dass so viele Menschen kommen, hätte er nicht gedacht. „Alle meine Erwartungen sind übertroffen worden“, sagt er. Die reservierten Plätze waren schnell belegt und auch die Reservetische blieben nicht lange leer. Weidmann hatte die Idee für den Freiluft-Ball und gibt zu, anfangs selbst nicht unbedingt überzeugt gewesen zu sein. Um den 666. Geburtstag der Gemeinde zu feiern, beginnt das Festwochenende schon einen Tag früher. Alle Stände und auch der Rummel hinter dem Zentralgasthof sind bereits geöffnet.

Nun hört Weidmann von allen Seiten, dass es unbedingt eine Wiederholung geben sollte. Denn auch wer nicht tanzt, genießt das Konzert des Dresdner Residenzorchesters. Kernthema des Abends ist Johann Strauss. Über 150 Walzer hat der komponiert. Darunter auch der berühmte Kaiserwalzer. Ein älteres Paar steht an der Seite und beobachtet das Treiben auf der Tanzfläche. „Wir sind keine Tänzer“, sagt Gabriele Horn. Aber sie kenne die Melodien und erfreue sich so an der Musik. „Es wäre gut, wenn es das jedes Jahr geben würde“, sagt die Weinböhlaerin.

Dass Walzer nicht nur etwas für die ältere Generation ist, beweisen Jana Herrmann und Max Dreßler. Die beiden 19-Jährigen sind extra aus Radebeul gekommen und schweben professionell über die Tanzfläche. Zwei- bis dreimal pro Woche üben sie in der Tanzschule Linhart. Der Walzer gehöre da zum Standardprogramm. Solche Veranstaltungen würde es viel zu selten geben, finden die beiden. Sie hätten sich nur gewünscht, dass es noch mehr Tanzlieder gibt. Denn zwischendurch müssen die Tänzer immer wieder das Parkett verlassen, wenn die Solistin des Orchesters Operettenarien singt. Da bleibt dem Publikum aber noch immer das Schunkeln und Klatschen.

Nur Bürgermeister Siegfried Zenker (CDU) sucht man vergeblich unter den Tanzenden. Er hat eine gute Ausrede: Sein linker Arm liegt in einer Armschlinge. Deshalb sei er leider nicht imstande, einen „anmutigen Tanz“ aufs Parkett zu legen. Die Verletzung hat er sich ein paar Tage zuvor bei einem Sturz mit dem Fahrrad zugezogen. Den Weinböhlaern wünscht er ein fröhliches und beschwingtes Beisammensein und er bedankt sich bei Andreas Weidmann, dass dieser neben der kräftezehrenden Organisation des Winzerstraßenfestes auch noch den Walzerabend auf die Beine gestellt hat. Immerhin ein Bürgermeister ist auf der Tanzfläche zu finden: Jens Geiß aus der Partnerstadt Oftersheim ist mit Frau und Kind angereist. In vier Wochen wird er kirchlich heiraten. „Da müssen wir in Weinböhla noch ein bisschen das Tanzen üben.“ Dabei können sie sich beim Tanzclub Rot Gold aus Meißen etwas abschauen. Die Männer und Frauen zeigen zwischendurch, wie ein Walzer in der Vollendung aussieht.