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Rebellen vom See trotzen der Ermüdung

Seit inzwischen fünf Jahren begleitet ein Verein kritisch die bergtechnischen Arbeiten am Knappensee.

© Mirko Kolodziej

Von Mirko Kolodziej

Knappenrode. Hinterm Zaun tuckert langsam ein Boot vorbei. An Bord: Kein Freizeitkapitän, sondern jemand, der im Auftrag des Landes Sachsen an der bergtechnischen Sanierung des Knappensees mitwirkt. Zwischen Uferlinie und Zaun lag einst der Groß Särchener Strand. Sand ist hier weit und breit nicht mehr zu erblicken. Die Vegetation hat die Vorherrschaft auf der Fläche übernommen. Ein ähnliches Bild bietet vorm Zaun die Strandpromenade. Wo man früher Bratwurst und Eis kaufen konnte, steht das Unkraut hüfthoch. Und hier soll es einmal geben, was der jüngst beschlossene Masterplan für den Knappensee „zeitgemäße touristische Infrastruktur“ nennt?

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Es ist Nachmittag, und im nahegelegenen „Sunshinepark“ sitzen eine Handvoll Männer um einen Tisch. Der Freizeitpark ist unter den letzten Dingen, die am Ufer von der früheren touristischen Infrastruktur übrig geblieben sind. Die Männer am Tisch und ihre Mitstreiter hätten das große Tabula rasa am Ufer gern verhindert. Sie gehören zu den Knappenseerebellen, die vor genau fünf Jahren erstmals als Verein in Erscheinung traten. Einmal wöchentlich ist im „Sunshinepark“ Vorstandssitzung. – „Du bist einfach machtlos“, sagt einer der Männer. Die Knappensee-Sperrung ist seit Mai im fünften Jahr, und die Rebellen haben zusehen müssen, wie vom über Jahre liebgewordenen Freizeit-Idyll ein Stück nach dem anderen verschwand.

Die Bungalowsiedlung in Maukendorf ist niedergerissen, das Hotel Haink in Koblenz ebenso beseitigt wie die Hüttchen der Siedlung „Kleine Ostsee“ in Särchen oder der benachbarte Campingpark. Damit die Sanierer mit ihrer schweren Technik ans Wasser kommen, wurden großflächig Bäume gerodet und wuchtige Baustraßen aufgeschüttet. „Koste es, was es wolle“, sagt einer der Männer am Tisch. Nach Prognosen des Landes geht es um 112 Millionen Euro – Rekultivierung eingeschlossen.

Die Knappenseerebellen lassen nicht locker. Sie stellen dem sächsischen Oberbergamt und der LMBV, die hier als Projektträger beauftragt ist, Fragen. Sie machen Vorschläge. Sie diskutieren und streiten, verlangen einen Baustopp nach dem anderen.

Und sie finden die ganze Sanierung zumindest in ihren Umfängen immer noch ziemlich sinnlos. Rutschungsgefahr können sie nicht erkennen. Es sind inzwischen sehr viele Blätter Papier beschrieben, auf denen steht, warum das Seeufer aus ihrer Sicht eine derart intensive Bearbeitung nicht benötigt hätte. Nur: Das Oberbergamt argumentiert eben gegenteilig. Der Verein ist auch überzeugt, dass das Land auf falschen Rechtsgrundlagen arbeitet. Sehr viel Widerhall findet das seitens der Behörde jedoch ebenfalls nicht.

Die Vorstandsmitglieder räumen ein, dass ihr Kampf für die Sache ermüdend ist. „Es bleibt jenseits der Müdigkeit aber schon noch etwas zu tun“, sagt Axel Schneider. „Wichtig ist vor allem, wie es hier weitergeht“, erklärt Werner Petrick. Im Moment ringen die Rebellen um einen aktuellen Bauablaufplan. Werner Petrick hat beobachtet, dass es beim Abtrag des Ufers zwischen Koblenz und Särchen in der ersten Woche höchstens 20 Meter vorwärts ging. Ist die Seesperrung wie geplant tatsächlich Ende 2021 vorbei, so, wie es die LMBV im Juni versichert hat? Klar ist schon jetzt: Die Rekultivierung soll bis 2025 dauern. Es liegt auch die Forderung auf dem Tisch, den Strand in Groß Särchen im nächsten Jahr wieder zu öffnen. Warum soll hier nicht gehen, was in Friedersdorf am Silbersee geht? Die amtliche Befürchtung, dass die Sanierungsboote und bei Rutschungen entstehende Wellen für die Badegäste gefährlich werden würden, findet der Verein höchst abenteuerlich.

Die Vorstandsmitglieder sehen aber auch mit Sorge, wie die Strandpromenade verkommt, wie sich niemand um die Holzbrücke über das Alte Schwarzwasser kümmert, wie der Strand zuwuchert, die Parkplätze ohne Pflege sind und die verbliebenen Bäume ewig nicht verschnitten wurden. „Den Anrainergemeinden soll die Möglichkeit geschaffen werden, vorhandene Infrastruktur am See zu erhalten und zusätzlichen Aufwand zur Landschaftspflege zu finanzieren – und dies schnell, da der Verfall schon erheblich ist“, lautet die Forderung nach Geld vor allem für Lohsa sowie Wittichenau. Und mit dem Wiederaufbau, sagt Werner Petrick, könnte es eigentlich schon losgehen – etwa in Knappenrode, wo die Rütteldruckverdichtung schon seit zwei Jahren erledigt ist. Der Vorschlag der Knappenseerebellen: Zaun in Richtung Uferlinie versetzen und davor loslegen!

Am Sonnabend, dem 28. Juli, gibt es im „Sunshinepark“ den nächsten Knappenseetag, eine öffentliche Infoveranstaltung des Vereins. Sie beginnt um 10 Uhr.