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Deutschland & Welt

Rebellion der Klimaaktivisten

Extinction Rebellion wollte Berlin blockieren. Doch es gab kaum Staus und keine Festnahmen. Ganz anders in der Heimat der radikalen Klimaschützer.

Aktivisten der Klimabewegung "Extinction Rebellion" haben den Potsdamer Platz blockiert. Am Abend wurde die Kreuzung geräumt.
Aktivisten der Klimabewegung "Extinction Rebellion" haben den Potsdamer Platz blockiert. Am Abend wurde die Kreuzung geräumt. © Wolfgang Kumm/dpa

Berlin/Amsterdam/London. Mit Straßenblockaden an der Siegessäule und am Potsdamer Platz in Berlin haben etwa 3000 Demonstranten von Extinction Rebellion für mehr Klimaschutz protestiert. Zu Beginn der Demonstrationswoche der Klimaaktivisten blieben die Auswirkungen der Straßenblockaden in Berlin überschaubar. In dem Aufruf zum gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Klimakrise hatte es geheißen: "Wir blockieren Berlin, Paris, New York, Amsterdam, London." Das große Verkehrschaos blieb in Berlin aber aus. Trotzdem gab es Kritik vom Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und aus dem Kanzleramt.

Die Berliner Polizei ließ die Aktivisten zunächst gewähren - obwohl die Demo an der Siegessäule mit etwa tausend Teilnehmern nicht angemeldet war. Durch die Sperrungen hätten Autofahrer auf den Umfahrungen bis zu 20 Minuten länger gebraucht, hieß es aus der Verkehrsinformationszentrale. In der Stadt sind gerade Schulferien, dadurch sind weniger Autos unterwegs als üblich.

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Am frühen Abend begann die Polizei am Potsdamer Platz damit, die Kundgebung der Klimaaktivisten zu räumen. Nachdem die Beamten zunächst Möbel von der Straße entfernten, die die Demonstranten zuvor aufgebaut hatten, wurden die ersten Aktivisten fortgetragen. Anschließend überprüften die Beamten deren Personalien.

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Am Großen Stern in Tiergarten müssen sich Autofahrer auch in der Nacht zum Dienstag auf weitere Behinderungen einstellen. Eine Sprecherin der Gruppe kündigte an, dass Aktivisten an der Siegessäule übernachten wollen. Dort legten sich Menschen am frühen Abend nebeneinander und steckten ihre Arme in Plastikrohre, um sich so miteinander zu verbinden.

In London und Amsterdam gab es am Montag zahlreiche Festnahmen. Die Aktivisten hatten in der britischen Hauptstadt etliche Straßen und auch mehrere Themse-Brücken blockiert. Es wurden mindestens 135 Menschen festgenommen. Extinction Rebellion (auf Deutsch etwa: Rebellion gegen das Aussterben) kommt ursprünglich aus Großbritannien. Nach eigenen Angaben gibt es die Gruppe seit November vorigen Jahres auch in Deutschland. Sie fordert unter anderem, dass die nationalen Regierungen sofort den Klimanotstand ausrufen.

Scheuer nannte die Straßenblockaden "unsäglich". "Sie blockieren frühmorgens Leute, die zu ihrer Arbeit fahren und die dafür sorgen, dass jeden Tag in Deutschland Wohlstand erwirtschaftet wird", sagte Scheuer im niederbayerischen Bad Birnbach. Kritisch äußerte sich auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Es sei in Ordnung für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. "Aber wenn man gefährliche Angriffe in den Straßenverkehr ankündigt, das geht natürlich gar nicht", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin".

Die AfD forderte ein "konsequentes Durchgreifen" der Polizei gegen die Klima-Aktivisten, die die ganze Woche protestieren wollen. "Zehntausende Autofahrer standen heute Morgen im Stau, weil eine wirre Endzeitsekte sich selbst ermächtigt hat, Verkehrsknotenpunkte in Berlin zu besetzen", erklärte Vize-Parteichef Georg Pazderski. Das sei Nötigung und habe mit Recht auf Versammlungsfreiheit nichts zu tun.

Die Amsterdamer Polizei nahm etwa 50 Demonstranten bei einer Blockade-Aktion in Gewahrsam. Die Demonstranten hatten am frühen Montagmorgen eine wichtige Durchgangsstraße versperrt und Dutzende kleine Zelte aufgestellt. Die Stadt hatte die Protestaktion aber an dieser Stelle verboten.

Auch in Paris blockierten Aktivisten einen Verkehrsknotenpunkt in der Innenstadt. Sie hätten rund um den Place du Châtelet nahe der Seine Strohballen aufgestellt und sich auf die Straße gesetzt, wie die Zeitung "Le Parisien" berichtete. Auch in Australien und Neuseeland demonstrierten Hunderte Aktivisten, Dutzende wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte.

Mit Blockaden und anderen Protestaktionen will die Umweltschutzbewegung weltweit in zahlreichen Großstädten auf die drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen.
Mit Blockaden und anderen Protestaktionen will die Umweltschutzbewegung weltweit in zahlreichen Großstädten auf die drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen. © dpa

In Berlin erhielten die Aktivisten Unterstützung von Carola Rackete, die als Flüchtlingsretterin bekannt gewordene Kapitänin. "Es ist mehr als Zeit, dass die Regierung die Wahrheit sagt und den ökologischen Notstand ausruft", forderte Rackete bei ihrer umjubelten Rede an der Siegessäule. Sie sei froh, dass sich Extinction Rebellion dazu entschlossen habe, "die ganze Woche hier zu bleiben, um Berlin Tag und Nacht zu blockieren". Luisa Neubauer von Fridays for Future sprach am Potsdamer Platz. "Wir brauchen Menschen, die in Massen, in nie dagewesenen Massen auf die Straßen gehen und anfangen, Teil der Lösung zu werden."

Aktionen sollte es unter anderem auch in Paris, Madrid, New York und Buenos Aires geben. Anders als andere Bewegungen wie Greta Thunbergs Fridays for Future, sind die Aktivisten von Extinction Rebellion nach eigenen Angaben bereit, Gesetze zu brechen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Die FDP warnte vor antidemokratischen Zügen der Bewegung. "Über die extremen Forderungen zum Klimaschutz hinaus stellen Aktivisten der Gruppierung offen die Demokratie in Frage", sagte Parteichef Christian Lindner der dpa. "Klimaaktivisten und Grüne sollten sich von den antidemokratischen und teils totalitären Äußerungen aus dieser Gruppierung distanzieren." (dpa) 

Australien, Sydney: Ein Mann wird von zwei Polizisten an den Armen über eine Straße gezogen.
Australien, Sydney: Ein Mann wird von zwei Polizisten an den Armen über eine Straße gezogen. © dpa