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Rechter Schläger aus der U-Haft entlassen

Seltsame Ermittlungen werfen kein gutes Licht auf die Arbeit des Operativen Abwehrzentrums.

Von Alexander Schneider

Kay H. gilt als Schläger mit rechtem Hintergrund. Im Januar soll der 32-Jährige auf einem Netto-Parkplatz in der Menageriestraße einen Autoreifen platt gestochen, den Hitler-Gruß gezeigt und danach einen Mann syrischer Herkunft geschlagen haben. Tage später soll er ohne Grund an einer Haltestelle an der Ecke Schäfer-/Löbtauer Straße auf einen libyschen Asylbewerber losgegangen sein, ihn geschlagen und mit rassistischen Parolen beleidigt haben.

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Seit gestern steht der Angeklagte vor dem Amtsgericht Dresden. Der mehrfach vorbestrafte Mann gab den Reifenstich und den Angriff auf den Mann mit dem Handy zu. Er habe sich von dem 75-jährigen Autofahrer bedroht gefühlt und angeblich Angst um seinen Hund gehabt. Zu dem Angriff auf den Libyer schwieg H. Ende Februar wurde er verhaftet. Wegen des fremdenfeindlichen Motivs ermittelte das Operative Abwehrzentrum (OAZ) gegen den Angeklagten, die sächsische Sonderermittlungseinheit für Straftaten von Rechts- und Linksextremen mit Sitz in Leipzig.

Die OAZ-Beamten lobten schon im März die Courage von Rany D., der auf dem Netto-Parkplatz sofort dem Autofahrer zu Hilfe gekommen war, nachdem H. den Audi des Rentners tiefergelegt hatte. Der Zeuge hatte den Täter gefilmt und war daher auch von ihm angegriffen worden. Dank der Handyaufnahmen konnte die Tat am Parkplatz mit aufgeklärt werden – und auch der Libyer will Kay H. auf diesen Aufnahmen wiedererkannt haben.

Doch genau das ist nun ein Problem. Denn die Video-Identifikation ist in den Akten nicht dokumentiert. H.s Verteidigerin Ines Kilian war entsetzt. Der zuständige OAZ-Ermittler, ein Kommissar, konnte gestern als Zeuge nicht einmal sagen, ob er dem Libyer das Video vor oder nach der üblichen „Wahllichtbildvorlage“ Verdächtiger gezeigt hatte. Peinlich. Hinzu kommt, dass der 26-jährige Libyer selbst gestern als Zeuge massiv widersprochen hatte. Er erzählte ganz andere Sachen als in seiner Polizeivernehmung. Kay H. wurde gestern aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.