merken

Regel Nummer eins: miteinander reden

Die neue Friedensrichterin in Neustadt bringt fachliche Expertise mit und den Willen, Streitigkeiten unkompliziert zu lösen.

© Dirk Zschiedrich

Von Nancy Riegel

Neustadt. Ein anspruchsvoller Beruf, drei Kinder, einige Baustellen im Garten – Katja Heckmanns Alltag ist eigentlich schon jetzt gut gefüllt. Eine weitere Aufgabe kommt nun hinzu, mit der die 38-jährige Neustädterin schon immer geliebäugelt hat: Sie ist die neue Friedensrichterin in der Stadt. Sobald das Amtsgericht Pirna sie berufen hat, kann sie in der Schiedsstelle loslegen.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Traum-Ehrenamt Friedensrichter, das ist schon etwas Außergewöhnliches. Immerhin muss man sich als Streitschlichter viel Negatives anhören, das zwischen den zerstrittenen Lagern hin und her geschossen wird. Als Mutter von drei Kindern im Alter von vier, neun und zehn ist man zwar lautstarkes Zanken gewohnt. „Aber bei meinen Kindern bin ich einfach nur Mutti, nicht Sozialpädagogin.“ Als solche hatte sie schon mit diversen Altersgruppen zu tun. Studiert hat die gebürtige Reinhardtsdorferin in Görlitz und arbeitete danach für zwei Jahre als Jugendsozialarbeiterin im jetzigen ASB-Mehrgenerationenhaus. Danach wurde sie Fachreferentin beim Kinderschutzbund in Dresden. Später ging es beruflich wieder zurück nach Neustadt zum ASB und schließlich an die Asklepios-Klinik in Sebnitz zum Sozialdienst. „Damit bin ich zurück von einer Leitungsposition zur Arbeit mit Menschen, das hat mir gefehlt“, sagt die 38-Jährige.

Beim Sozialdienst hilft sie Patienten bei der Entlassung, organisiert zum Beispiel einen Platz im Pflegeheim oder eine Kinderbetreuung. Solche Themen spielen beim Amt des Friedensrichters keine Rolle. Hier geht es vielmehr um Nachbarschaftsstreitigkeiten, wie Grundstücksgrenzverletzungen oder Lärmbelästigung. Der Streitschlichter soll versuchen, die Sache zu klären, damit sie nicht vor Gericht landet. Da kann Katja Heckmann wieder auf ihre berufliche Erfahrung zurückgreifen. Denn sowohl in der Klinik als auch in der Schiedsstelle sind Einfühlungsvermögen und Geduld von Bedeutung, aber auch Kenntnis über Recht und Gesetz. Bereits ohne einen Streit geschlichtet zu haben, kann sich die 38-Jährige vorstellen, wo das Hauptproblem bei vielen Konflikten liegt: „Oftmals ist gar nicht die Hecke, die beim Nachbarn über den Zaun wächst, das eigentliche Problem, sondern, dass die Parteien nicht miteinander reden“, sagt sie. Dass sie solche Meinungsverschiedenheiten lösen kann, davon ist auch der Neustädter Stadtrat überzeugt. In der letzten Sitzung wurde sie einstimmig gewählt. Allerdings war sie auch die einzige Bewerberin.

Der vorherige Friedensrichter Lothar Hoffmann war wegen seiner politischen Gesinnung umstritten. Er trat unter anderem als Redner bei Pegida auf und hetzte bei Facebook gegen Flüchtlinge. Er trat von seinem Ehrenamt zurück, um sich stärker für die AfD zu engagieren. Die Geschichte hat Katja Heckmann zwar verfolgt, lässt sich davon aber nicht beeinflussen. „Ich gehe unpolitisch und rein objektiv an die Streitigkeiten heran.“

Ganz unpolitisch war sie zumindest früher nicht. Als sie noch in Reinhardtsdorf wohnte, war sie Mitglied der Wählervereinigung im Gemeinderat. Sie wollte ihre Gemeinde mitgestalten, sagt sie, und organisierte auch einmal die große Kirmes. Seit knapp zwei Jahren wohnt sie mit ihrem jetzigen Mann, dem Gemeindewehrleiter Holger Heckmann, und den drei Kindern in einem Haus in Neustadt-Anbau. Im Garten gebe es noch einiges zu tun, sagt sie entspannt – nach dem Motto: Das Loch in der Erde kann warten, das Ehrenamt nicht.