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Regional ist das neue Bio

Der Getränkehandel Mierisch in Niederhäslich bietet in seinem neuen Hofladen jetzt auch Bissfestes an – und etwas zum Schmunzeln.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Carina Brestrich

Niederhäslich. Alexander Frenzel bekommt dieser Tage wenig Schlaf. Schon früh ist der Inhaber des Getränkehandels Mierisch in Niederhäslich auf den Beinen. Schließlich gibt es bis zur Eröffnung seines neuen Hofladens diesen Sonnabend noch eine Menge zu tun: Regale fertig bestücken, Preisschilder anbringen, Handwerker dirigieren – und ganz nebenbei den Laden schmeißen. Im laufenden Betrieb ist der Getränkeladen vorige Woche in den direkt angrenzenden Neubau gezogen. Seit Montag ist dort geöffnet – auch wenn noch nicht alles perfekt ist. „Wir können es uns nicht leisten, den Laden zuzumachen. Wir müssen für unsere Kunden da sein“, sagt Frenzel.

Vor drei Jahren hat der 34-Jährige das Geschäft von seinem Großvater übernommen. Seither hat sich einiges verändert: ein neues Lagersystem, ein größeres Sortiment – und nun also ein neuer Laden. Er ersetzt die alte Ladenfläche, die sich über drei alte, umgebaute Garagen erstreckte. Die waren noch übrig aus der Zeit, als sein Großvater ein Gütertaxi-Unternehmen betrieb.

„Über die Jahre ist die alte Ladenfläche fast aus den Nähten geplatzt“, sagt Frenzel. Deshalb entschied sich der Unternehmer, neu zu bauen. Wo der Großvater zuletzt noch Eulen und Käuze in Volieren hielt, ist innerhalb eines reichlichen Jahres ein Flachbau entstanden. Auf insgesamt fast 200 Quadratmetern gibt es jetzt mehr Platz und Übersicht – nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter. „Die alten Räume waren recht verwinkelt. Da ist es nicht so leicht, den Überblick zu behalten“, erzählt Frenzel, der mit seinem Getränkehandel auch Firmen und Pflegeheime beliefert.

Kooperation mit Gut Pesterwitz

Doch nicht nur mehr Überblick bietet der neue Hofladen. Alexander Frenzel hat nun auch genug Platz, um nicht-flüssige Lebensmittel anzubieten. Eigentlich ist der Getränkehandel vor allem für sein großes Sortiment an Bierspezialitäten bekannt. Eier aus Großopitz und Dosenprodukte standen aber bisher schon in den Regalen. Nun kommen weitere Lebensmittel aus der Region hinzu. Fleisch liefert der Landwirtschaftsbetrieb Bernhard aus Somsdorf. Wurst gibt es in Gläsern aus Radeburg, Süßes kommt vom Imker aus Rabenau und vom Marmeladenmädchen aus Dresden-Löbtau. Nach einem Lieferanten für Käse sucht Alexander Frenzel derzeit noch.

„Regionalität ist das neue Bio“, sagt der Getränkehändler. Inzwischen biete jeder Discounter Bio-Produkte: „Bei Produkten aus der Region wird es in den Regalen dann schon dünner“, sagt Frenzel. Doch die Nachfrage sei da. Nicht zuletzt auch, weil der Tante-Emma-Laden und der Fleischer um die Ecke zugemacht haben. „Die Leute wollen die Erzeuger vor Ort unterstützen“, sagt Alexander Frenzel. Deshalb nehme der Getränkehandel von den Kunden auch Vorschläge über gewünschte Produkte „von hier“ entgegen.

Wie gut Regionales ankommt, das weiß der Chef vom Gut Pesterwitz, Lars Folde, nur zu gut. Allein mit seinen Äpfeln beliefert der Hof insgesamt 42 Kunden bis ins Erzgebirge. Auch der Getränkehandel Mierisch hat künftig Obst und Gemüse vom Gut Pesterwitz im Sortiment. Die Kooperation bietet Lars Folde die Möglichkeit, seine Erzeugnisse auch am anderen Ende der Stadt anzubieten. „Die Kunden wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen“, sagt er. Das zeigt die Beliebtheit des eigenen Hofladens. Dort bietet Familie Folde neben ihren auch die Produkte anderer regionaler Erzeuger an.

Göttliches Bier

Ein regionales Produkt soll bald sogar aus eigener Herstellung kommen. Alexander Frenzel will im alten Ladengeschäft eine Brauerei hochziehen. Windberg-Brauerei soll sie heißen. Die Idee dazu hatte er bei einem Kino-Abend mit Kumpels. Professionelle Unterstützung bei seinem Vorhaben bekommt er von der Hausbrauerei Schwingenheuer in der Dresdner Neustadt. „Der Chef plant mir die Anlage“, sagt Frenzel. Wann das erste Bier aus eigener Produktion gekostet werden kann, das kann Alexander Frenzel noch nicht sagen. „Die Brauerei soll in Ruhe wachsen.“

Übrigens: Schmunzeln dürfen die Kunden im neuen Laden auch. Für die Wandgestaltung neben dem Eingang hat sich Frenzel von Michelangelos berühmtem Fingerzeig aus der Sixtinischen Kapelle in Rom inspirieren lassen. Im Laden ist das Fresko in etwas abgewandelter Form zu sehen: Gott und Adam stoßen dort mit Bier an.

Der Hofladen des Getränkehandels Mierisch, Am Dorfplatz 20, hat zu folgenden Zeiten geöffnet: Mo. bis Fr. 9–19 Uhr, Sa. 9–14 Uhr, So. 9–12 Uhr.

Am Sonnabend, 28. Januar, wird die Eröffnung des Hofladens groß gefeiert. Dazu gibt es Essen aus der Feldküche, eine Tombola und Kinderschminken. Beginn: 15 Uhr.