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Reichsbürger findet neue Masche

Ein 27-Jähriger hat offenbar bewusst die Mehrwertsteuer von seinen Einkäufen abgezogen. Zu seinem Prozess erschien er nicht.

© Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Von Alexander Schneider

Mehr „netto vom Netto“ wird sich der 27-jährige Kunde nicht gedacht haben, als er im Juli 2017 zweimal nicht den vollen Kaufpreis für seine Lebensmittel zahlte. Er drückte den Netto-Kassiererinnen frech einen Haufen Kleingeld in die Hand und ging. Erst beim Nachzählen stellten die fest, dass der Kunde vom Kaufpreis – rechnerisch völlig korrekt – die Mehrwertsteuer abgezogen hatte. Er habe auch korrekt nach Produkt differenziert 7 beziehungsweise 19 Prozent abgezogen. Statt 22,95 zahlte er einmal nur 21,01 Euro, und beim zweiten Einkauf 1,25 statt 1,49 Euro.

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Bei dem Vorgehen könnte es sich um eine neue Reichsbürger-Masche handeln. Angehörige dieser Szene lehnen die Bundesrepublik und ihre Gesetze ab. Sie halten die BRD für eine Firma und akzeptieren auch Staatsbedienstete nicht. Am Montag sollte sich Julian R. wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht Dresden verantworten. Doch anders als die bestohlenen Kassiererinnen kam der 27-Jährige nicht. Die Frauen berichteten, der Kunde habe inzwischen Hausverbot. R. habe ihnen gesagt, bei Aldi und Konsum würde er auch keine Mehrwertsteuer zahlen.

Der Angeklagte wird nun eine Geldstrafe über 600 Euro per Strafbefehl erhalten. Dagegen kann er Einspruch einlegen, sollte er die Strafe nicht akzeptieren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werde gegen R. nach einem Fax an die Justiz im März 2018 auch wegen versuchter Nötigung ermittelt. Der 27-Jährige, der sich nach eigenen Angaben angeblich nicht der Reichsbürgerbewegung zugehörig fühlt, ist vielfach vorbestraft – allerdings für sehr typische Reichsbürger-Delikte, darunter Fahrens ohne Führerschein und ohne Versicherungsschutz, Urkundenfälschung, Betrug, Sachbeschädigung und Beleidigung.