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Reife Früchtchen

Auf der Plantage der Ilgens in Neuklingenberg sind die Cranberrys reif. Was macht die Beere so besonders?

© Frank Baldauf

Von Anja Ehrhartsmann

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Spannende Wettkämpfe im Stadion

Am 26. Mai weht ein Hauch von WM-Flair über den Rasen im Rudolf-Harbig-Stadion. Der Tag gehört den C-Jugend-Kickern und ihren Familien.

Neuklingenberg. Sie sind rund zwei Zentimeter groß, hell- bis dunkelrot gefärbt und schmecken säuerlich-herb: Cranberrys. Ines und Hermann Ilgen aus Dorfhain haben die kleinen Vitaminbomben seit Längerem für sich entdeckt und betreiben bereits im dritten Jahr eine kleine Plantage auf der Neuklingenberger Höhe. Am kommenden Wochenende beginnt die Erntezeit. Selbstpflücker zahlen sechs Euro pro Kilogramm.

Saftig und prall hängen die Beeren an den etwa 20 Zentimeter hohen Sträuchern. Ines Ilgen kniet auf dem schmalen Weg zwischen den Pflanzreihen und zupft mit beiden Händen die reifen Früchte ab. Nach und nach füllt sich ihr Körbchen. Die Beeren verarbeitet sie unter anderem zu Fruchtmus oder Chutney. Ihr persönliches Lieblingsrezept ist aber der Brotaufstrich. Da die Beeren viel Pektin enthalten, ein natürliches Geliermittel, fügt sie keinen Gelierzucker dazu, sondern verwendet einfachen Zucker oder Rohrzucker. „Drei bis vier Minuten in Wasser oder O-Saft köcheln lassen, dann platzen die Beeren auf und zeigen ihre spektakuläre Farbe.“ Je nach Vorliebe werden die Beeren dann zerdrückt oder püriert, dann kommt Zucker dazu und das Ganze wird in Gläser abgefüllt. „Ich hab’s auch schon mit Äpfeln gemischt, mein Favorit ist aber pur.“ Auch das Verarbeiten der Beere mache Spaß, da es keine Manscherei gebe. „Das Gute ist, dass sich die Beere ewig hält“, sagt Ines Ilgen. „Bis Weihnachten ist es kein Problem, solange man sie kühl und luftig lagert.“ Die Beeren können auch eingefroren werden. „Beim Auftauen sind die Beeren wie frisch, aber etwas weicher und eignen sich prima für Fruchtaufstriche.“

Schon vor Jahren ist ihr die Cranberry als getrocknete Frucht begegnet. Wie verhält sich das mit der frischen Ursprungsform, hat sie sich damals gefragt. Dabei stellte sie fest, dass es gar nicht so einfach ist, an frische Beeren zu kommen. Schließlich habe sie auch ihren Mann mit dem Thema infiziert. Das Ehepaar hat im heimischen Garten schließlich mehrere Versuchsbeete angelegt und herumprobiert. „Wir haben ja dann gesehen, was gut gewachsen ist“, sagt Hermann Ilgen. „Die Pflanze will einen nährstoffarmen und sauren Boden mit viel Humus und Sand. Eben wie im Hochmoor“, erklärt der Hobbygärtner. Als das Ehepaar Ilgen schließlich die richtige Mischung raus hatte, kauften sie das Grundstück in Neuklingenberg und 5 000 Pflanzen in Norddeutschland, der einzigen größeren Anbaufläche in Deutschland, und setzten die Pflänzchen auf der Neuklingenberger Höhe in die Erde. Seither gedeihen die Pflanzen prächtig.

Die Ilgens erwarten dieses Jahr sogar ein noch besseres Ernteergebnis als im Vorjahr. 500 Kilogramm wurden 2016 gepflückt. „Es ist mehr als im vorigen Jahr, aber ich kann es schwer schätzen“, sagt Hermann Ilgen. Rund 100 Selbstpflücker waren in der vergangenen Erntezeit da, das Ehepaar ist zuversichtlich, dass dieses Mal wieder ähnlich viele Pflücker kommen. „Wir hoffen, dass es Anfang Oktober noch mal ein paar Sonnentage hat.“ Denn dann bekommen auch die Beeren, die etwas tiefer im Strauch wachsen, mehr Farbe. Reif werden die Beeren aber so oder so.

Gepflückt werde von der Menge her alles zwischen einem und zwanzig Kilo, sagt Ines Ilgen. Die richtige Pflücktechnik gibt es aber nicht, vielmehr kommt es auf die Ausdauer an, denn geerntet wird hauptsächlich in der Hocke oder kniend. „Kniekissen kann man von hier ausleihen“, sagt sie. Mitbringen sollten die Pflücker aber ein Gefäß für die Beeren.

Zu ihren Kunden zählen die Ilgens viele Privatleute. „Es kommen viele zu uns, die die gesunde Wirkung der Beere kennen.“ Aber auch Restaurants sind auf den Geschmack bekommen. „Die Nachfrage ist größer, aber wir schaffen das vom Pflücken her nicht“, ist sich das Ehepaar einig.