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Reifenkiller auf dem Feld

In Putzkau hat jemand Holzasche, Nägel und viele andere spitze Gegenstände entsorgt. Landwirte sammeln sie stundenlang per Hand ein - neue Reifen für die Maschinen kosten Tausende.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Sachsens Landwirte mussten dieses Jahr länger warten als sonst, bis sie mit ihrer Technik auf die Felder konnten. Am Wetter können auch die Mitarbeiter der Landbewirtschaftung Wesenitztal in Putzkau nicht drehen. Doch pottsauer sind sie auf einen Zeitgenossen, der sie beim Start zu den Frühjahrsarbeiten ausbremste. Der hatte auf einem Rapsfeld in Putzkau auf etwa 25 Meter Länge nicht nur Holzasche entsorgt, sondern auch allerhand spitze Eisengegenstände: große Nägel, Palettenklammern, Cuttermesserklingen.

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Diese Nägel wurden auf dem Feld verteilt.
Diese Nägel wurden auf dem Feld verteilt. © privat

Die Asche sei nicht das Problem, sagt der Geschäftsführer des Putzkauer Agrarbetriebes Marco Birnstengel. Schon die alten Römer nutzten sie als Kaliumdünger. Ganz anders die „Beigaben“. Marco Birnstengel: „Wir haben zu dritt in über einer Stunde rund drei Kilo davon mit unseren Händen aufgesammelt. Natürlich konnten wir bei Weitem nicht alle Altlasten finden.“ Was wie ein schlechter Scherz klingt, stellt für die Landwirte eine große Gefahr dar. „Da wir nicht mehr mit Eisenreifen oder Vollgummirädern auf den Feldern fahren, gibt es einen todernsten Hintergrund. Ein Ackerschlepperhinterreifen kostet rund 2 500 Euro, ein Teleskopladerreifen 700 Euro. Über Ausfall- und Standzeiten und der hohen Unfallgefahren mit schwer beladener Großtechnik auf engen Straßen mag man gar nicht spekulieren“, sagt Marco Birnstengel. Die Gefahr, dass auf dem Feld Reifen beschädigt werden, bleibt bestehen. Denn zahlreiche spitze Gegenstände, die jetzt nicht gefunden worden sind, „schlummern“ noch im Putzkauer Boden.

Wer da über die Wintermonate auf dem Acker in Richtung Valtenberg seinen Müll entsorgte und nebenbei noch eine tiefe Fahrspur auf dem bestellten Feld hinterließ, ist nicht bekannt. Die Vermutung liegt nahe, dass der Betreffende die Entsorgungskosten sparen wollte – auf Kosten eines Kleinbetriebes! Marco Birnstengel vermutet Unachtsamkeit, nicht unbedingt Vorsatz, seinen Betrieb zu schädigen.

Die beiden Schwesterunternehmen Landbewirtschaftung Wesenitztal und Putzkauer Milch GmbH bestellen rund 800 Hektar Ackerland. Dort wachsen unter anderem Winter- und Sommergerste, Weizen, Raps und Lein. Hinzukommen 80 Hektar Grünland. Dass vor allem Gartenabfälle auf Feldern entsorgt werden, ist keine Seltenheit. Auch vor diesem Hintergrund richtete Marco Birnstengel im vergangenen Jahr auf seinem Betriebsgelände eine Grüngutannahmestelle ein. „Wenn es die nicht geben würde, würden wieder mehr Gartenabfälle auf den Feldern und an den Waldrändern entsorgt“, sagt er. Doch der aktuelle Fall an der Neukircher Straße ist bislang präzedenzlos.

Marco Birnstengel könnte Anzeige erstatten wegen einer Umweltstraftat, gegebenenfalls auch wegen versuchter Sachbeschädigung und Körperverletzung. Doch darauf möchte er möglichst verzichten. Er setzt stattdessen auf ein Gespräch und Einsicht des Verursachers. „Um eine Wiederholung oder Nachahmung auszuschließen, wäre es gut, wenn sich der „unüberlegte“ Verursacher bis Ende April bei mir meldet“, sagt der Landwirt. Bleibt die Frage, ob er die Courage hat, im Büro der Landbewirtschaftung Wesenitztal in Putzkau, Schmöllner Straße 13, vorzusprechen.