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Politik

Gratis-Tests für alle Reiserückkehrer

Sorgen Rückkehrer aus dem Urlaub für eine zweite Corona-Welle? Bund und Länder reagieren nun.

Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, sollte einen Test machen, um nicht in häusliche Quarantäne zu müssen.
Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, sollte einen Test machen, um nicht in häusliche Quarantäne zu müssen. © Steve Parsons/PA Wire/dpa

Berlin. Alle Auslandsurlauber können sich künftig nach der Rückkehr in Deutschland kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Das soll an Flughäfen und Seehäfen geschehen, aber auch in ihren Heimatorten. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Freitag bei einer Schaltkonferenz.

An Flug- und Seehäfen werden demnach Teststellen eingerichtet. Menschen, die aus Staaten mit hohem Infektionsrisiko nach Deutschland zurückkommen, sogenannten Risikogebieten, sollen sich dort testen lassen. Wer keinen negativen Test hat, muss - wie bisher schon - für zwei Wochen in häusliche Quarantäne.

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Auch Reisende aus Nicht-Risikoländern, darunter nahezu die gesamte EU, können sich innerhalb von 72 Stunden testen lassen. "Allerdings nicht in den Flughäfen", erläuterte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Berlins Ressortchefin Dilek Kalayci (SPD). In Frage kommen dafür etwa Arztpraxen oder Kliniken.

"Die aktuellen Infektionszahlen zeigen einmal mehr: Wir sind noch mitten drin in der Corona-Pandemie", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Und der zunehmende Reiseverkehr erhöht das Risiko, dass wieder mehr Infektionen nach Deutschland hineingetragen werden." Daher werde die nationale Testtrategie ergänzt. "Klar ist aber auch: Ein Test ist kein Freifahrschein, sondern immer nur eine Momentaufnahme. Vernünftiges Verhalten und Wachsamkeit bleiben unverzichtbar."

Wichtig für alle Reisenden: Die Tests sollen für sie kostenlos sein, auch wenn es vorher keine Anhaltspunkte auf eine Corona-Infektion gab. Die Kosten übernehmen Bund, Länder und Krankenkassen. Bei den Tests an Flughäfen wird indes überlegt, zumindest Kosten für die Infrastruktur vor Ort "perspektivisch" über die Flughafengebühren auf die Ticketpreise umzulegen. Hierfür prüfe der Bund die Schaffung einer Rechtsgrundlage, hieß es im Beschlusspapier der Minister, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

Eine rechtliche Verpflichtung für einen Corona-Test nach Rückkehr wurde zunächst nicht beschlossen. Das werde geprüft, erklärten die Gesundheitsminister. 

Faktisch ist dieser Personenkreis zum Test verpflichtet, will er eine Quarantäne vermeiden. Das gilt auch für Rückkehrer, die mit Auto, Bus oder Bahn aus Risikoländern einreisen. Im grenznahen Bereich soll es nach dem Willen der Minister "verstärkt stichprobenhafte Kontrollen mit der Möglichkeit der Erhebung von Personendaten" geben. Das Bundesinnenministerium werde gebeten, hierbei mit der Bundespolizei zu unterstützen.

Weltweit sind auf Basis der wissenschaftlichen Expertise des Robert Koch-Instituts (RKI) derzeit rund 130 Staaten als Corona-Risikogebiet eingestuft. Das betrifft etwa die Türkei, Israel oder die USA. Nahezu die komplette EU und einige andere europäische Staaten wie die Schweiz fallen nicht darunter.

So berichten wir über die Corona-Krise:

Für den Flug-, Schiffs-, Bus- und Bahnverkehr aus Risikogebieten werden dem Ministerbeschluss zufolge Aussteigekarten wieder eingeführt. Auf diese Weise soll es möglich sein, Reisende zu erfassen. "Perspektivisch soll die Übermittlung von Passagierdaten digital erfolgen", hieß es weiter.

Um den Menschen neue Regeln und Testmöglichkeiten näherzubringen, regen die Minister Informationskampagnen etwa an Flughäfen, Bahnhöfen, Busbahnhöfen oder Grenzübergängen an. Gleichzeitig appellierten sie an die Eigenverantwortung aller Reisenden, sich testen zu lassen und Hygieneregeln zu beachten. Man beobachte den Partytourismus mit Sorge.

Momentan sind viele Deutsche etwa in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland im Urlaub. Diese Länder sind kein Risikogebiet, wenngleich auch dort eine Ansteckungsgefahr mit Sars-CoV-2 besteht. Zuletzt sorgten etwa ungezügelte Partys ohne Maske und Abstand auf Mallorca für Aufsehen.  (dpa)

Fragen & Antworten zu den Tests:

Was gilt künftig für Urlauber?

Auf Corona soll sich künftig jeder kostenlos testen lassen können, der aus dem Ausland zurückkommt - unabhängig davon, ob er in einem Land war, das als Risikogebiet eingestuft ist. Die Möglichkeit besteht 72 Stunden nach der Einreise etwa in Arztpraxen oder Gesundheitsämtern. Für Reisende aus Risikogebieten - Staaten mit hohem Infektionsrisiko - soll es Teststellen an Flughäfen und Seehäfen geben. Können sie kein negatives Testergebnis vorweisen, müssen sie wie bisher für zwei Wochen in häusliche Quarantäne.

Sind Corona-Tests dann Pflicht?

Formal vorerst nicht. Die Gesundheitsminister sprechen davon, nach grenzüberschreitenden Reisen "grundsätzlich die Möglichkeit" dafür zu schaffen. An Bahnhöfen, Busbahnhöfen, Häfen, Flughäfen soll mit mehrsprachigen Flugblättern für Tests geworben werden. Beschlossen haben die Minister aber, eine rechtliche Verpflichtung zu prüfen.

Ist der Test sicher?

Ein einzelner Test nicht. Es kann vorkommen, dass das Virus bei einem erst kürzlich Infizierten zum Testzeitpunkt noch nicht nachweisbar ist. "Eine negative Testung kann immer nur eine Momentaufnahme darstellen", heißt es im Beschluss der Minister. Fünf bis sieben Tage nach dem Einreise-Test sei ein Wiederholungstest sinnvoll. Wer nach einem negativen Test unklare Symptome habe, müsse unverzüglich Kontakt zu einem Arzt aufnehmen. "Wir appellieren an die Eigenverantwortung aller Reisenden."

Welche Vorkehrungen sind noch geplant?

Ob Flugzeug, Schiff, Bus oder Bahn: Reisende aus Risikogebieten sollen auf einer sogenannten Aussteigerkarte Kontaktmöglichkeiten und Mitreisende angeben. Es soll nahe den Grenzen stichprobenartige Kontrollen mit Hilfe der Bundespolizei geben. Nahe der Grenze sollen Tafeln über Quarantäne und Testmöglichkeiten informieren. "Auch soll an ausgewählten Stellen die Möglichkeit einer Testung vor Ort ermöglicht werden", heißt es ohne nähere Details.

Ab wann gilt das?

Einen einheitlichen Zeitplan gibt es nicht. Die Länder setzen die Beschlüsse jetzt um. Berlin etwa hat angekündigt, an seinen Flughäfen voraussichtlich ab kommender Woche Rückkehrer auf das Coronavirus zu testen.

Welche Länder zählen zu den Risikogebieten?

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat weltweit mehr als 100 Staaten als Gebiete eingestuft, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Dazu gehören etwa Ägypten, Israel, die Türkei, Südafrika und die USA. Nahezu die komplette EU und einige andere europäische Staaten wie die Schweiz fallen nicht darunter.

Um welche Tests geht es?

Dazu gibt es bislang keine Informationen. Gängige Tests auf eine akute Corona-Infektion sind die sogenannten PCR-Tests. Dabei nehmen Helfer in der Regel mit einem Stäbchen Abstriche aus Nase oder Rachen, die dann auf Erbgut des Erregers Sars-CoV-2 untersucht werden.

Wie lässt sich bei Umsteigern nachvollziehen, ob sie aus einem Risikogebiet kommen?

Die Fluggesellschaften verfügen über die Daten der Passagiere, die Reisewege und neben wem sie gesessen haben. Grundsätzlich ließe sich damit nachvollziehen, ob ein Fluggast, der beispielsweise aus Rom kommt, dort auf dem Rückweg aus einem Risikogebiet umgestiegen ist. Die Bundesregierung will ein Verfahren entwickeln, Passagierdaten digital zu übertragen.

Was sagen Airlines zu dem Thema?

Sie sehen in Tests eine Chance, den von der Corona-Krise hart getroffenen Luftverkehr wieder in Schwung zu bringen. Das gilt vor allem für die lukrativen Langstreckenverbindungen zwischen den USA und Europa, die wegen der Einreisebeschränkungen in der Pandemie stark eingeschränkt sind. "Wir begrüßen, dass mit dem Beschluss dieser Teststrategie keine neuen Reisebeschränkungen innerhalb der EU aufgebaut werden", teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft mit. 

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