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Reise zum Mittelpunkt

© Marion Döring

Karin Matko spürt beim Palaissommer die Wirkung von Yoga und sucht nach wissenschaftlicher Erklärung.

Von Nadja Laske

Morgens kurz vor acht, 25 Grad, noch ist keine Sonne im Spiel. Aus allen Himmelsrichtungen laufen Frauen mit Yogamatten unterm Arm in Richtung Japanisches Palais. Auf der Wiese dahinter bietet das Programm des Palaissommers Yoga an. Hunderte kommen dort täglich zusammen, überwiegend junge Frauen und Mädchen, vereinzelt auch Jungs und Männer.

Winzig wirkt Karin Matko in der Mitte der großen Bühnenkonstruktion. Ganz weiß gekleidet sitzt die Yogalehrerin aufrecht im Schneidersitz. Wer hierherkommt, muss nicht wissen, dass diese Haltung im Sanskrit sukhasana heißt. Aber er sollte aufmerksam zuhören, wie Karin sie beschreibt. Denn damit beginnt die Reise zum Mittelpunkt der inneren Welt, den immer mehr Menschen suchen: Beine über Kreuz nahe am Körper, Becken aufrichten, Wirbelsäule strecken, Schultern senken, Brustkorb öffnen, Scheitel himmelwärts denken – und atmen.

Als Karin Matko begann, ihren ganz persönlichen Yoga-Weg zu entdecken, war sie Mutter einer knapp einjährigen Tochter. „Beim Spazierengehen habe ich im Alaunpark eine Gruppe Mütter mit Babys gesehen. Sie waren dort mit einer Yogalehrerin, und es war ihnen anzusehen, wie viel Freude sie bei den Übungen hatten.“ So kam Karin mit den Frauen ins Gespräch, stieg selbst in den Kurs ein und begann ein halbes Jahr später berufsbegleitend ihre Ausbildung zur Yogalehrerin.

Im Hauptberuf ist die 29-Jährige Psychologin. Nach ihrem Abi konnte sie sich aussuchen, was sie studieren möchte. Statt zur Medizin oder zur Weltraumforschung zog es sie zum Journalismus. „Aber man riet mir, lieber ein konkretes Fach zu studieren und dann Journalistin zu werden.“ Die Psyche der Menschen, ihre Verhaltensmuster und Interaktionen haben sie schon lange interessiert. Deshalb entschied sich Karin für diese Wissenschaft und zog fürs Studium von Halle, wo sie aufgewachsen war, nach Dresden. Hier hat sich seither eins zum anderen gefügt: Yoga und Forscherdrang. „Ich bin ein kritischer, analytischer Geist“, sagt Karin. Noch vor ihrem Aha-Erlebnis im Alaunpark hatte sie Yoga nicht recht zu fassen bekommen. Erst in der Praxis überzeugte sie die Wirkung der ganzheitlichen Übungen. Aber das genügt ihr nicht. „Man sagt: Yoga tut dem Rücken gut, Yoga sorgt für Ausgeglichenheit – ich würde es gern erklären können.“ Deshalb widmet Karin Matko ihre Doktorarbeit der Frage, wie die Psyche nachweislich auf Meditation und die aktive Form Yoga reagiert. „Ich darf mich den ganzen Tag mit solch spannenden Dingen befassen“, sagt Karin und lacht. Inzwischen hat sie eine zweite Tochter, tritt im Herbst eine Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU an und verhilft mit eigenen Yoga-Kursen Körper, Geist und Seele zum Einklang.

www.palaissommer.de
www.yogi-ma.de