merken

Reisebüros bieten weiter Türkei an

Nach dem Terroranschlag in Istanbul soll es in Großenhain nur wenige Umbuchungen geben. Doch die Angst reist mit.

© Anne Hübschmann

Von Jörg Richter

Großenhain. Die Bilder nach der Explosion auf dem Sultanahmet-Platz in Istanbul gingen um die Welt. Doch nirgendwo war die Trauer so groß wie in Deutschland. Denn der Selbstmordattentäter hatte zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee, an einem der beliebtesten und symbolreichsten Plätze der Türkei, inmitten einer deutschen Reisegruppe eine Bombe gezündet. Zehn Menschen starben. – Im Urlaub.

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Trotzdem soll es in Großenhain angeblich nur wenige Stornierungen bzw. Umbuchungen von Reisen in die Türkei geben. Das hat eine Umfrage der Sächsischen Zeitung in hiesigen Reisebüros geben.

In „Evi’s Reiseladen“ habe seit dem Terroranschlag vor einer Woche lediglich eine Familie mit Kindern ihre Türkei-Reise zurückgegeben und umgebucht. Das bestätigt die Besitzerin Evelyn Klotzsche-Bieler. Ansonsten habe es nur Neubuchungen für die türkische Riviera gegeben. „Istanbul ist weit weg von der türkischen Riviera“, sagt die Reisebüro-Chefin. „Sie ist unheimlich beliebt bei unseren Kunden und seit Jahren unsere Nummer eins für Badeurlaub.“ Wegen des sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnisses sei sie bei Familien im Sommer und bei Rentnern im Winter beliebt.

Nach wie vor ein ideales Reiseland

„Wer die Türkei kennt, hat bei der Buchung ein gutes Gefühl und lässt sich nicht abschrecken“, sagt Evelyn Klotzsche-Bieler mit Hinblick auf das Selbstmordattentat von Istanbul. „Die Gefahr, dass im Urlaub was passieren könnte, haben wir leider überall.“ Auch nach den Terroranschlägen in Paris hätten die Leute erschrocken reagiert. Doch das sei nur von kurzer Dauer gewesen. Auch in Berlin und Dresden könnte eine Bombe hochgehen. „Aber würden Sie deshalb nie wieder dort hinfahren?“, fragt sie.

Ähnliche Gedanken macht sich Anette Spieker-Poguntke, die Verkaufsleiterin vom Deutschen Reisebüro Elbland. „Freilich ist die Verunsicherung da“, sagt sie, „aber nicht nur wegen der Türkei.“ Tunesien, wo im vergangenen Juni ein islamistischer Terrorist mit einer Kalaschnikow das Feuer auf Badeurlauber eröffnete und 38 Menschen tötete, würde gar nicht mehr gebucht, bestätigt sie. Das würde aber auf die Türkei trotz des Bombenanschlags nicht zutreffen. Bislang habe es in ihrer Großenhainer Filiale nur eine Umbuchung auf Spanien gegeben.

„Die Türkei ist nach wie vor ein ideales Reiseland für Familien mit Kindern“, sagt Anette Spieker-Poguntke. „Es wäre schade, wenn das Land als Urlaubsziel wegbrechen würde.“

Das betont auch Steffen Rafelt, der Chef des Touristik-Centers am Frauenmarkt. Bislang habe bei ihm zwar noch kein Kunde seine Türkei-Reise wegen des Terroraktes zurückgegeben, aber ein bisschen Auswirkung würde er schon haben.

„Es ist ja nicht das erste Mal, dass in der Türkei eine Bombe hochgeht“, sagt Rafelt. Alle Sorgen würden sich wegen des sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnisses sehr schnell relativieren. „Sie kriegen in der Türkei definitiv mehr für Ihr Geld“, sagt er. Im Moment purzeln die Preise für den Türkeiurlaub in den Keller. Und das nicht wegen der Bombe in Istanbul, sondern wegen der fehlenden russischen Urlauber. Kreml-Chef Putin hat seinen Landsleute Reisen in die Türkei untersagt, nachdem die Türkei einen russischen Kampfjet abgeschossen hatte. „Zu viele Hotelbetten stehen leer. Da müssen die Türken etwas tun“, so Rafelt. Ein Fünf-Sterne-Hotel mit all inclusive gibt es jetzt schon für 400 Euro pro Woche.

Verband hält sich bedeckt

Der Deutsche Reiseverband (DRV) bewertet die Auswirkungen des Anschlags zurückhaltend. „Achtzig Prozent der Türkei-Reisen werden für den Sommer gebucht“, erklärt DRV-Sprecherin Sibylle Zeuch. Vor Ende des ersten Quartals 2016 sei es also schwer abzuschätzen, ob die jüngsten Terroranschläge tatsächlich schwerwiegendere Folgen auf den Tourismus haben. Im vergangenen Jahr jedenfalls hätten die Veranstalter ein Umsatzplus für die Türkei verbucht. „Von einem Schwächeln kann also keine Rede sein“, sagt Sibylle Zeuch.

Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das Land gibt es zurzeit nicht. Lediglich von Reisen in das Grenzgebiet zu Syrien und dem Irak wird abgeraten. Außerdem sollen Touristen größere Menschenansammlungen meiden.