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China öffnet sich weiter für Touristen

Deutsche können jetzt ohne Visum einreisen. Ein Besuch in der 23-Millionen-Einwohner-Hauptstadt Peking – zwischen kaiserlichem Weltkulturerbe, Bauboom und staatlicher Kontrolle.

Von Katrin Saft
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Der Drache, in China Symbol für Macht, Glück und Reichtum.
Der Drache, in China Symbol für Macht, Glück und Reichtum. © Katrin Saft

Über dem Platz des Himmlischen Friedens geht die Sonne auf. Die Rote Fahne wird gehisst. Noch beobachten nur wenige Touristen das morgendliche Ritual. Doch schon kurze Zeit später bilden sich Schlangen vor den streng kontrollierten Zugängen zu Pekings berühmter Sehenswürdigkeit. Zwar hat die Regierung die Einreisebestimmungen ins Land gelockert. Seit Dezember brauchen deutsche Touristen für einen maximal 15-tägigen China-Besuch kein Visum mehr. Aber noch sind es vornehmlich Chinesen, die nach Corona innerhalb ihres riesigen Reichs reisen.

Vielen geht es sichtbar gut. Und auch die Hauptstadt selbst glänzt mit einer bemerkenswerten Abwesenheit. Der erste Eindruck ist gepflegt und organisiert – durch Kameras an jeder Ecke überwacht. Keine Bettler, keine Graffiti, nirgends liegt auch nur ein Schnipsel Papier oder Plastik neben den Müll-Trennkörben. Stattdessen ausgedehnte Grünanlagen und kunstvolle Blumenbeete – und natürlich ganz viel Beton.

„Seit klar war, dass wir 2008 die Olympischen Sommerspiele ausrichten, hat ein Bauboom eingesetzt“, sagt Reiseleiterin Fan Yang. Alte Wohnhäuser sind unzähligen Hochhäusern gewichen. Der Citic-Tower, Pekings neues Wahrzeichen, ragt mit 108 Etagen 528 Meter in den Himmel. Eine Aussichtsplattform fehlt allerdings. Denn von dort aus könnte man in den Regierungssitz schauen.

Lkw nur nachts erlaubt

Am erstaunlichsten aber ist, wie der Verkehr in der 23-Millionen-Einwohner-Metropole gemanagt wird, in die täglich auch noch Millionen Menschen ein- und auspendeln. Im Jahr 2000 hatte Peking zwei U-Bahn-Linien. „Heute sind es 27 mit Hunderten Kilometern Netzlänge“, sagt Yang. Ziel sei es, dass jeder Bewohner innerhalb von 500 Metern eine U-Bahn erreicht. Der öffentliche Nahverkehr ist staatlich subventioniert und kostet weniger als einen Euro pro Fahrt. Die letzten Meter werden mit Leihfahrrädern zurückgelegt, die zu Tausenden geordnet an den Straßenrändern stehen. Sie teilen sich mit Elektrorollern eine separate Fahrspur entlang der bis zu achtspurigen Automagistralen. Motorräder sind verboten, Lkw dürfen in Peking nur nachts fahren. Die Bahnhöfe für die Hochgeschwindigkeitszüge gleichen unseren Flughäfen. Bei mehr als 300 km/h sind die Züge fast immer pünktlich.

Leihräder auf dem Rückweg zur Station.
Leihräder auf dem Rückweg zur Station. © Katrin Saft

Trotzdem leidet die Stadt unter kilometerlangen Staus. „Seit 2010 sind deshalb die Nummernschilder limitiert“, erklärt Yang. „Wer in Peking ein Auto zulassen will, muss hier mindestens fünf Jahre Steuern gezahlt haben. Dann kann er sich für eines von monatlich 20.000 neuen Kennzeichen bewerben.“ Wer mit einem auswärtigen komme, dürfe maximal sieben Tage pro Monat rein.

Das Auto ist hier noch sichtbar Statussymbol. Auf den Straßen fahren fast ausschließlich moderne, saubere Wagen, oft auch der Marken BMW, Audi und Porsche. Es gibt mehr E-Autos als bei uns, sofort erkennbar am grünen Nummernschild – darunter alle Taxis. „Die Abgasnormen wurden verschärft, ältere Autos aufs Land verkauft“, sagt Yang. Das alles komme der Luft zugute, die in den letzten Jahren deutlich besser geworden sei.

9.999 Räume als Zahl der Ewigkeit

Reisebusse dürften am 1420 erbauten Kaiserpalast, Pekings wichtigster Sehenswürdigkeit, nur ganz kurz halten. „Ruck, zuck aussteigen“, sagt Yang, die Germanistik studiert hat. Die Strafen seien hart.

Im Kaiserpalast in Peking.
Im Kaiserpalast in Peking. © Katrin Saft
Die Halle der Ernteopfer im Himmelstempel ist heute Wahrzeichen von Peking.
Die Halle der Ernteopfer im Himmelstempel ist heute Wahrzeichen von Peking. © Katrin Saft
Boot fahren mitten in der Altstadt von Peking.
Boot fahren mitten in der Altstadt von Peking. © Katrin Saft
Typischer Imbissstand in der Altstadt.
Typischer Imbissstand in der Altstadt. © Katrin Saft
Der Bahnhof für den Hochgeschwindigkeitszug in Peking: alles pünktlich.
Der Bahnhof für den Hochgeschwindigkeitszug in Peking: alles pünktlich. © Katrin Saft

Bis 1925 war dem Volk der Zutritt zum politischen und rituellen Zentrum Chinas nicht erlaubt – daher auch der Name „Verbotene Stadt“. Ein spontaner Besuch ist angesichts des Massenandrangs auch heute nicht möglich. „Vor Corona waren die Tickets auf 80.000 täglich limitiert, jetzt sind es etwas weniger“, sagt Yang. Am besten, man buche die Eintrittskarten eine Woche vorher online.

Aussehen wie zur Kaiserzeit – im Kaiserpalast.
Aussehen wie zur Kaiserzeit – im Kaiserpalast. © Katrin Saft

Wie bei allen bedeutenden Sehenswürdigkeiten in China werden am Eingang Taschen und Rucksäcke durchleuchtet und der Pass gescannt. Vor allem im Sommer, wenn es in Peking sehr heiß ist, braucht es für die Besichtigung der 720.000 Quadratmeter großen Anlage eine gute Kondition. Der Palast war bis 1911 Sitz der Ming- und Qing-Kaiser, die sich als Söhne des Himmels sahen. Mit einer Führung besteht die Chance, die konfuzianische und kosmische Symbolik zumindest ansatzweise zu verstehen: die 9.999 Räume als Zahl der Ewigkeit, die Fabeltiere auf den Dächern.

Das längste Bauwerk der Welt: die Große Mauer.
Das längste Bauwerk der Welt: die Große Mauer. © Katrin Saft

Über 2.000 Jahre Bauzeit

Was auffällt, sind junge Frauen, die in historischen Gewändern durch den Palast wandeln und sich gegenseitig für Tiktok fotografieren. „Ein Trend an vielen geschichtsträchtigen Orten in China“, erklärt Yang. „Sie leihen sich die Kleidung für einen halben Tag und lassen sich nach altem Vorbild frisieren und schminken.“

In seiner über 5.000-jährigen Geschichte hat China 83 Dynastien mit 559 Herrschern erlebt. Von der kaiserlichen Vergangenheit zeugen in Peking noch zwei weitere große Anlagen – beide Weltkulturerbe und ebenso überlaufen: der Sommerpalast und der Himmelstempel. Letzterer war Kult- und Opferstätte des Hofes. Die Halle der Ernteopfer, ein reich verzierter hölzerner Bau, ist heute Wahrzeichen der Stadt. Es geht recht laut zu überall. Und wohl dem, der einen Schatten spendenden Schirm dabeihat.

Flagge zeigen auf dem sanierten Teilstück der Großen Mauer bei Peking.
Flagge zeigen auf dem sanierten Teilstück der Großen Mauer bei Peking. © Katrin Saft

Ein solcher empfiehlt sich auch beim Besuch der Großen Mauer – einem Höhepunkt jeder China-Reise. Mit etwa 8.850 Kilometern Länge gehörte der Verteidigungswall zu den größten Bauwerken der Welt. „Die häufigste Frage von Touristen ist, wann denn die Mauer gebaut wurde“, sagt Yang. „Im Prinzip hat es über 2.000 Jahre lang gedauert, einzelne Stücke zu verbinden.“ Viele Abschnitte seien leider in schlechtem Zustand. Sie wurden als Steinquelle für Häuser genutzt. Erst seit dem Weltkulturerbe-Status 1987 ist das verboten.

Selbst im Dorf Bezahlung fast nur noch per App

Vom Zentrum Pekings aus dauert es etwa zwei Stunden mit dem Bus bis zu einem renovierten Teilstück bei Mutianyu. Die letzten 1.000 Höhenmeter auf den Bergkamm überwinden Besucher mit einer neuen Seilbahn von Doppelmayr – nicht ohne zuvor den Pass scannen zu lassen. Zwischen den Wachtürmen 14 und 20 dürfen sie dann frei laufen, was angesichts der ungleichen Stufen und der Steilheit der Mauer nicht ganz unbeschwerlich ist.

Reiseführerin Fan Yang vor einem typischen Pavillon im kaiserlichen Sommerpalast.
Reiseführerin Fan Yang vor einem typischen Pavillon im kaiserlichen Sommerpalast. © Katrin Saft

Wieder unten im Dorf, buhlen unzählige Händler mit Fächern, Sonnenhüten und Nippes um Aufmerksamkeit. Handeln empfohlen! Die Chinesen bezahlen fast nur noch per App – mit Alipay oder Wechat. Kreditkarten werden oft nicht akzeptiert. Touristen nutzen am besten Geldautomaten, die meist auf englische Sprache umschaltbar sind.

Suppe und Teigtaschen zum Frühstück

Auch ein preisgünstiges Mittag mit Nudelsuppe oder mit Hühnchen und Reis ist überall verfügbar – auf Wunsch mit Gabel statt Stäbchen. „Für Chinesen ist Essen eines der wichtigsten Themen“, sagt Yang. „Wir essen dreimal täglich warm – morgens schon Suppe und Teigtaschen.“

Die Krönung in Peking ist am Abend natürlich eine Peking-Ente in einem der gehobeneren Restaurants. Für die Filialen von Si Shi Tong Tang zum Beispiel werden die Enten extra gezüchtet. „Im Schlachtalter von sechs bis höchstens neun Monaten kommen sie 70 bis 90 Minuten in den offenen Ofen, über Holz aus Dattelbaum“, sagt Manager Zhang Yong Kai. Das gebe einen wunderbaren Geschmack. Die knusprig braune Haut wird abgetrennt und zusammen mit Gemüse in hauchdünne Weizenpfannkuchen gewickelt. Ein Festessen.

Wenn dann über dem Platz des Himmlischen Friedens die Sonne untergeht, wird die rote Fahne eingeholt. Der Platz war Ort blutiger Auseinandersetzungen. Heute symbolisiert er den Wunsch nach Menschenrechten, Demokratie und Freiheit.

Ins Reich der Mitte

©  SZ-Grafik/Gernot Grunwald
  • Anreise: mit Air China ab Frankfurt/Main bis Peking ca. zehn Stunden oder mit Lufthansa
  • Einreise: Bis 15 Tage visafrei mit Pass, Formular und Fingerabdrücke bei Einreise.
  • Beste Reisezeit: Frühling und Herbst
  • Zeit: +6 h im Sommer, +7 h bei Winterzeit
  • Geld: 1 Euro = ca. 7,8 Yuan
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  • Die Recherche wurde unterstütz von Gebeco.