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Reißt Kleinbahnverein den Brückensteg ab?

Auf der Brücke zwischen Rauschenthal und Kriebethal steht ein riesiger Container. Die Anwohner befüchten das Schlimmste.

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Von Cathrin Reichelt

Einige Anwohner von Rauschenthal und Kriebethal sind beunruhigt. Seit Ende vergangener Woche steht ein riesiger roter Container auf Rollen mitten auf der Brücke zwischen Kriebethal und Rauschenthal. Die Anwohner fragen sich jetzt: Ist das der Vorbote für den Abriss des Fußgängersteges der Eisenbahnbrücke? Der DA fragte telefonisch beim Vereinschef nach. Der antwortete: „Das geht Sie nichts an!“, und legte wieder auf.

Mit einem Kran hat Kleinbahnchef Hans-Rolf Küpper den Container auf die Schienen gehoben. Dabei blockierte er die Zufahrtsstraße zur Papierfabrik Kübler und Niethammer. Rund eine Stunde haben sich die Laster auf der Straße gestaut. Eine Genehmigung für die Sperrung hat sich Küpper von der Gemeinde nicht geholt.

In der Lasterschlange standen auch zwei Fahrzeuge von der Waldheimer Speditionsgesellschaft (WSG). Bei der hatte der Kleinbahnchef zuvor angefragt, ob sie die Möglichkeit habe, den Container auf die Schienen zu heben. Geschäftsführer Wolfgang Römer hätte die Möglichkeit gehabt. Allerdings hat er an die Ausführung eine Bedingung geknüpft: Der Kleinbahnchef sollte die Brücke wieder öffnen. Denn wenn er auf den Gleiskörper einen zwölf Meter langen und etwa fünf Tonnen schweren Container stellen kann, trägt die Brücke auch Fußgänger und Radfahrer, meint Römer und sagt: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Aber Küpper war zu diesem Kompromiss nicht bereit und musste sich deshalb einen anderen Helfer suchen.

Abriss nur mit Genehmigung

Sollte Hans-Rolf Küpper tatsächlich die Absicht haben, den Steg abzubauen, bräuchte er dafür eine Abriss- oder Teilabrissgenehmigung des Landratsamtes. Nach Informationen des DA liegt dort ein solcher Antrag bisher nicht vor.

Die Anwohner führen unterdessen ihren Kampf um die Öffnung der im März geschlossenen Brücke weiter. Vor knapp zwei Wochen hatte Gastwirtin Evelyn Ruff 1350 Unterschriften an den Petitionsausschuss des Sächsischen Landtages, das Landratsamt Mittelsachsen, die Gemeinde Kriebstein und den Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland geschickt und um Unterstützung gebeten. Bisher hat nur der Tourismusverband geantwortet. Der bedauert, das Problem nicht lösen zu können. Der Verband sei nur für die touristische Vermarktung des Zschopautalradweges zuständig, der über die Brücke führt. Die Werbung für den Radweg sei im Moment eingestellt worden. Mehr könne der Verband im Moment nicht tun. Evelyn Ruff ist über diese Antwort sehr enttäuscht, aber auch darüber, dass noch keine andere der angeschriebenen Institutionen auf die Unterschriftensammlung reagiert hat.

Prüfung rechtlicher Schritte

Allerdings hatte das Landratsamt bereits vor der Unterschriftensammlung versucht, zwischen dem Kleinbahnverein, der Gemeinde Kriebstein und der Stadt Waldheim zu vermitteln. Das ist aber fehlgeschlagen. Anfang des Monats schätzte Steffen Liebich, Leiter der Rechtsaufsicht ein, dass ein Kompromiss nicht erreicht werden könne. Jetzt prüfen die Bürgermeister von Kriebstein und Waldheim rechtliche Schritte.

An der Brücke hat sich im Moment noch nichts verändert – außer, dass darunter ein Energiekabel hängt, das von Windrädern in Rossau zum Umspannwerk nach Rauschenthal führt. Die Energiefirma zahlt dem Kleinbahnverein für die Nutzung der Brücke eine jährliche Pacht. Außerdem gab es einen einmaligen vierstelligen Betrag. Der soll allerdings nie auf dem Vereinskonto eingegangen sein. Deshalb beschäftigt sich jetzt die Polizei mit dem Fall. Dem DA ist bekannt, dass einige Vereinsmitglieder zu den Beamten vorgeladen sind.