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Rekord bei der Reisemesse

Mehr als 33 000 potenzielle Urlauber kamen ins Messegelände. Das lag aber nicht nur am guten Wetter.

© René Meinig

Von Christoph Springer

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Der orangefarbene Oldtimer mit dem weißen Hubdach steht ganz hinten in einer Ecke der Messe. Es ist wirklich die letzte Ecke und dennoch hat ihn Kristina Opitz gleich entdeckt. Sofort klettert sie hinein in den betagten VW-Bus und setzt sich auf einen der Sitze mit den Pepitabezügen. „Das hat mehr Flair“, vergleicht die 29-Jährige ihre Entdeckung mit den anderen Wohnmobilen in der größten der vier Messehallen, in denen sich an diesem Wochenende Tausende Besucher tummeln. Schick, praktisch, manchmal auch gewaltig groß und komfortabel wie eine Luxussuite sind alle Fahrzeuge, doch der betagte VW-Bus hat es ihr angetan. Ja, es sei durchaus möglich, dass sich die Dresdnerin und ihr Freund Clemens Richter genau dieses Auto für den nächsten Urlaub mieten. Auch der 27-Jährige mag den Bully, der in den USA gebaut wurde, und hat schon mal auf dem Fahrersitz Platz genommen.

Das junge Paar ist zum ersten Mal auf der Dresdner Reisemesse. Genau so wie der Dresdner Jan Böckenhauer, Chef der Firma Indievans, die unter anderem historische VW-Busse für Urlaubstouren anbietet. Mietverträge seien bisher noch nicht unterschieben worden, aber das Interesse sei groß, stellte er am Sonnabend fest. „Viele sind aus dem Westen und hatten früher selbst mal solch ein Wohnmobil“, beschreibt er seine potenziellen Kunden. Aber ebenso junge Leute wie das Dresdner Paar kämen zu ihm. „Das reicht von 20 bis 65 Jahren.“

Die Dresdner Firma ist einer von mehr als 400 Ausstellern, die mit ihren Angeboten von Freitag bis Sonntag über 33 000 reiselustige Besucher in die Messe im Ostragehege gelockt haben. Das sind zwölf Prozent mehr als im vergangenen Jahr. „Nicht nur beim Reisen spielt das Wetter eine große Rolle, auch für den Messebesuch. Und da hat es in diesem Jahr perfekt gepasst“, sagte Roland Zwerenz, Chef der Messefirma Ortec. Sie gehört zur DDV-Mediengruppe und hat die Reisemesse organisiert.

Ein Schwerpunkt bei der diesjährigen Ausgabe waren Kreuzfahrten. Der Umfang der Angebote ist gewachsen und sie waren zum ersten Mal in Halle 4 zu finden. Dort stand auch Steffen Rafelt vom Touristic-Center Großenhain. Sein Stand fiel durch vier bunte Buchstaben einer Kreuzfahrtmarke auf, vor ihm weckte ein Schiffsmodell in einem großen Glaskasten Lust auf Weite und Meer. „Eigentlich muss ich gar nicht hier sein“, stellte er angesichts der Nachfrage fest, „80 bis 90 Prozent aller Kreuzfahrten werden im Internet gebucht.“ Und das Interesse an solchen Schiffsreisen nehme deutlich zu. „Karibik, klares Wasser, eine schöne Insel“, beschreibt er die Wünsche seiner Kunden. Die Reisemesse in Dresden war für den Großenhainer Geschäftsmann trotzdem ein Pflichttermin. „Ich bin Lokalpatriot und will unser Geschäft in Ostsachsen bekannter machen“, erklärte er sein Engagement am Wochenende. Unterdessen hatte seine Mitarbeiterin alle Hände voll damit zu tun, gleich vor Ort Kunden zu beraten und Reiseverträge zu schreiben.

Doch es gab nicht nur Lob für die Messe. Klaus Knoch aus Boxdorf, der ins Ostragehege gekommen war, um sich für seine diesjährige Asienreise inspirieren zu lassen, war enttäuscht. „Die Zahl der Fernreiseanbieter nimmt stetig ab“, hat er beobachtet. Auch sie standen am Wochenende in Halle 4, in der zum ersten Mal auch die Kreuzfahrer zu finden waren.

Die Ortec-Verantwortlichen sehen sich dennoch auf dem richtigen Weg. Die Reisemesse habe sich in den vergangenen drei Jahren einen exzellenten Ruf erarbeitet, sagte Ortec-Geschäftsführer Roland Zwerenz am Sonntag. Der Termin fürs nächste Jahr steht fest, die Reisemesse findet auch 2019 am letzten Januarwochenende statt.

Bullivermieter Jan Böckenhauer kann sich diesen Termin also schon in den Kalender eintragen. Seine Firma Indievans soll wachsen, die Retro-Wohnmobile gehören dabei zu den besonders beliebten Angeboten. Doch bevor er entscheidet, ob er 2019 wieder im Ostragehege dabei ist, sollen in Bremen und Schwerin zwei Filialen seiner Firma entstehen. Böckenhauer weiß: Auch dort verreisen die Menschen gern, vielleicht ja auch mit seinen historischen Wohnmobilen.