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Sport

Rekorde und Respektlosigkeiten

Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften provoziert Christoph Harting erneut. Dafür trumpft Konstanze Klosterhalfen groß auf - und auch ein Dresdner.

Neuer deutscher Meister über 3.000 Meter Hindernislauf: der Dresdner Karl Bebendorf.
Neuer deutscher Meister über 3.000 Meter Hindernislauf: der Dresdner Karl Bebendorf. © dpa/Sven Hoppe

Von Andreas Schirmer und Ulrike John

Berlin. Ärger um Diskus-Olympiasieger Christoph Harting, Sorgen um Kugel-Ass David Storl und ein fantastischer deutscher Rekord über 5.000 Meter von Konstanze Klosterhalfen: Bei den deutschen Meisterschaften am Samstag in Berlin sorgten vor allem drei Größen der Leichtathletik für Gesprächsstoff - und ein Dresdner.

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Deutschlands Lauf-Talent Klosterhalfen stellte über 5.000 Meter in 14:26,76 Minuten vor 26.200 Zuschauern einen fantastischen deutschen Rekord auf. "Ich bin super happy", sagte die 22-jährige Leverkusenerin. Die bisherige Bestmarke hielt seit 20 Jahren Irina Mikitenko mit 14:42,03 Minuten. Klosterhalfen hatte erst Anfang Juli den deutschen Rekord über 3.000 Meter auf 8:20,07 Minuten verbessert. "Die 5.000 Meter waren nochmal ein härteres Stück, ich wollte heute schnell laufen und schauen, was geht", erklärte sie.

"Das war schon spektakulär, eine fantastische Leistung", meinte Idriss Gonschinska, Generaldirektor des deutschen Verbandes. Die Ulmerin Alina Reh kam in 15:26,42 Minuten als Zweite ins Ziel und fühlte sich "deklassiert" von der in den USA trainierenden Klosterhalfen.

Konstanze Klosterhalfen pulverisierte den deutschen Rekord über 5.000 Meter.
Konstanze Klosterhalfen pulverisierte den deutschen Rekord über 5.000 Meter. © dpa/Sven Hoppe

Nach einem verpatzten Start konnte Titelverteidigerin Gina Lückenkemper über 100 Meter die vorgepreschte Tatjana Pinto (Paderborn/11,09 Sekunden) nicht mehr einholen und wurde in 11,20 Sekunden Zweite. "Silber ist geil", meinte die EM-Zweite vom SSC Berlin dennoch und meinte: "Ich habe bis zur WM noch zwei Monate Zeit, bis ich liefern muss."

Im 3.000 Meter Hindernislauf gab unter anderem Karl Bebendorf sein Saisondebüt - und wie. Der Läufer vom Dresdner SC gehöte zu einem Trio, das sich schnell vom Rest des Feldes absetzte. Im Zielsprint hatte der 23-Jährige noch am meisten zuzusetzen und sicherte sich in 8:33,59 Minuten seinen ersten Meistertitel.

Storl erwägt WM-Verzicht

Für einen Außenseitersieg bei den Männern sorgte Michael Pohl vom Sprintteam Wetzlar, der in 10,27 Sekunden den Titelverteidiger und Vereinskollegen Kevin Kranz (10,29) und den deutschen Rekordler Julian Reus (10,30) auf die weiteren Plätze verwies.

Ex-Weltmeister Storl verdiente sich eine Tapferkeitsmedaille. Nach einer langwierigen Rückenverletzung stieg der 29 Jahre alte Serien-Meister (2011 bis 2018) vor 26.200 Zuschauern im Olympiastadion in den Ring, kam aber mit nur 19,77 Meter nicht über Platz drei hinaus. Der EM-Dritte und Wahl-Leipziger hat zwar noch gut einen Monat Zeit, die Norm von 20,70 Meter für die Weltmeisterschaft Ende September in Doha/Katar zu übertreffen, erwägt aber einen WM-Verzicht.

"Ich muss mich jetzt mit meinem Trainer zusammensetzen und schauen, was Sinn macht", sagte Storl. "Mit Ach und Krach 20,70 stoßen, da brauchst du nicht zur WM zu fahren." Den weitesten Stoß machte Simon Bayer (Sindelfingen) mit 20,26 Meter.

Diskus-Olympiasieger Christoph Harting kniet im Ring nachdem er beim Wurf gestolpert war.
Diskus-Olympiasieger Christoph Harting kniet im Ring nachdem er beim Wurf gestolpert war. © dpa/Michael Kappeler

Für Unmut hatte Diskus-Olympiasieger Christoph Harting vor seinem Auftritt mit respektlosen Äußerungen über die Titelkämpfe der Leichtathleten gesorgt. "Deutsche Meisterschaften sind immer der große letzte Nominierungswettkampf, wo der DLV sagt, ihr müsst hinfahren. Es ist die letzte Erpressungsmöglichkeit der deutschen Leichtathletik", hatte der 29 Jahre alte Werfer der Berliner Zeitung gesagt.

Eine abwertende Bemerkung machte er zudem zur Titelverteidigung. "Es gibt wenig Unbedeutenderes als einen deutschen Meistertitel", meinte Harting. Seine Worte wirkten wie eine Ankündigung: Mit drei ungültigen Würfen verpasste er prompt am Samstag den Endkampf und meinte flapsig: "Es könnte mir nicht egaler sein." DLV-Präsident Jürgen Kessing zeigte sich nicht überrascht über die neuerlichen verbalen Ausfälle von Harting: "Wir haben manches Mal durchaus bemerkenswerte Verhaltensweisen erlebt." (dpa)